Sicherer Radweg durch Böhlerwerk: Aktion & Messung. Alltagsradler testeten zwei Routen, um beste Variante zu eruieren. Fazit: Streckenführung entlang B 121 für alle Verkehrsteilnehmer am sinnvollsten.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 23. September 2020 (05:56)

Durch Böhlerwerk gibt es derzeit keinen Radweg. Radfahrer müssen hier die vielbefahrene B 121 benutzen. Vor allem mit Kindern ist das nicht ungefährlich.

Seitens der Stadt Waidhofen ist der Bau eines Radwegs nach Böhlerwerk bis spätestens 2024 vorgesehen. Seitens der Gemeinde Sonntagberg wurde die Firma IKW Ende 2018 mit der Planung eines Radwegnetzes durch das Gemeindegebiet beauftragt.

Aktion soll Weg wieder auf politische Agenda bringen

Marianne Schallauer, Martina Schauer, Johanna Mairhofer und Klara Reichartzeder gehen die Bemühungen um den Radverkehr in Böhlerwerk aber nicht schnell genug. Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat laden sie deshalb zum Radlstammtisch ins Moshammer-Beisl, um sich Gedanken zu machen, wie man die Situation für die Alltagsradler im Ort verbessern kann.

Am Freitag machten sie nun mit einer Aktion auf die Notwendigkeit eines Radwegs durch Böhlerwerk aufmerksam, indem zwei mögliche Radstrecken durch den Ort getestet wurden.

„Ziel der Aktion ist es, den Alltagsradweg von Sonntagberg nach Waidhofen auf der politischen Agenda wieder weiter nach oben wandern zu lassen“, sagt Klara Reichartzeder. „Wir möchten aufzeigen, dass ein erhöhter Radverkehrsanteil sichere, unkomplizierte und schnelle Alltagsradwege braucht. Wenn kein Platz vorgesehen ist, verursacht er nämlich Staubildung und Gefahrenpotenziale.“

Die Gemeinde Sonntagberg hat sich zum Ziel gesetzt, den Radverkehr um 13 Prozent zu heben. Derzeit liegt man bei drei bis vier Prozent. Basierend auf einer Verkehrszählung im Sommer wurde nun bei der freitäglichen Aktion simuliert, was es bedeutet, wenn der Radverkehr im Ortsteil tatsächlich 13 Prozent beträgt.

So wurden zwischen der Firma Kleinhagauer (bei der Waschanlage) und der Firma TKM (Bushaltestelle) Radfahrer auf zwei möglichen Radwegrouten jeweils eine Stunde im Halbminutentakt in beide Richtungen durch Böhlerwerk geschickt.

Durchfahrtszeiten von Rad und Pkw gemessen

Am Morgen nahmen die Radler den direkten Weg über die B 121, am späten Vormittag wurde jene Streckenführung, die eine erste Radwegplanung vorsieht, genommen. Diese Strecke führt von der Waschanlage über die B 121 und über die Brücke nach Böhlerwerk.

Weiter geht es in die Sportplatzstraße und über den Kindergartenweg und die Kirchengasse bis zur Ampel bei der Bäckerei Moshammer, wo die B 121 ein zweites Mal gequert werden muss.

Dabei wurden jeweils die Durchfahrtszeiten der Radfahrer und der Autofahrer gemessen - siehe Grafik:

Die Daten der Erhebung
Kössl

Derart wollte man erheben, wie sich ein erhöhter Radverkehrsanteil auf den Gesamtverkehrsfluss auswirkt und welche der beiden Varianten letztlich die bessere für alle Verkehrsteilnehmer ist. „Es soll ein respektvolles Nebeneinander im Verkehr möglich sein“, halten die Organisatorinnen fest.

Das Ergebnis fällt klar aus: Bei einem Radverkehrsanteil von 13 Prozent gibt es sowohl für den motorisierten als auch den Radverkehr eine deutliche Zeitverzögerung, wenn der Radweg durch Böhlerwerk über Nebenstraßen erfolgt.

Auch das Fazit der Testfahrer fällt einhellig aus: Zu fahren sei es hinten zwar angenehmer, weil der Verkehr fehle. Dafür müsste man aber die viel befahrene B 121 zwei Mal queren, wodurch man für dieselbe Strecke doppelt so lange brauche.

Vor allem die beiden Querungen der B 121 gestalten sich oft langwierig. Bei der Ausfahrt von der L 88 auf die B 121 ist es aufgrund des Verkehrsaufkommens oft schwierig rauszukommen, bei der Moshammer-Querung ist es die Ampel, die Probleme bereitet. Während die Autos hier bei Rotlicht nur zehn Sekunden halten müssen, müssen Radfahrer eine halbe Minute warten.

„Die Ampel benachteiligt die Radfahrer“, bringt es Marianne Schallauer auf den Punkt. Zudem würden Hauseinfahrten und Spielstraßen in der längeren Variante zusätzliche Gefahrenquellen darstellen. Als Testfahrer mit dabei war auch Gunnar Scholz von der Radlobby Waidhofen: „Die Radroute hinten ist nicht sinnvoll, am besten ist die direkte Route“, sagt er.

Bürgermeister Thomas Raidl (ÖVP) schaute bei der Aktion in Böhlerwerk vorbei, um sich ein Feedback der Testfahrer einzuholen. „Ich sehe ebenso Handlungsbedarf, bitte aber um etwas Geduld.“ Raidl sagte, dass der Radweg von Waidhofen nach Böhlerwerk in den Jahren 2022/23 realisiert werden solle und man seitens der Gemeinde Sonntagberg ebenso dabei sei, eine Alltagsradverbindung zu schaffen. „Wir bleiben dran“, versicherte der Ortschef.

Die Organisatorinnen wollen mit dem Bürgermeister und dem zuständigen Verkehrsplaner nun die Ergebnisse der Testfahrt und deren Konsequenzen besprechen, um sie in die weitere Planung einfließen zu lassen. Interessierte, die sich einbringen wollen, laden sie zum Böhlerwerker Radlstammtisch ein.

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  • Soll der Radweg durch Böhlerwerk entlang der B 121 oder auf Nebenstraßen geführt werden?