Waidhofen/Ybbs: Alte und neue Filme aus der Filmstadt. Historische und neue Filme zur Freude des Publikums auf der Leinwand.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 16. Juni 2021 (05:36)

Es war ein Sonntagvormittag der ganz besonderen Art. Die Waidhofner Filmschaffenden hatten sich im Rahmen eines Viertelfestival-Projekts zusammengetan, um Filme, die Waidhofen als Kulisse gewählt haben, mit Waidhofer Filmern zu verketten. Was Filmverortung genannt wurde, schlug die Brücke zwischen Film in Waidhofen zu Waidhofen im Film. Das hatte es in sich. Denn was dabei herauskam, war ein Wechselspiel zwischen Historie und Moderne, dessen Regie cleverer nicht verfasst hätte sein können.

Ernst Moldens Musikvideo war Auftakt

Ein in seiner Eloquenz überraschendes Musikvideo mit Musik von Ernst Molden und Themen aus „Weiter als Heiligenstadt“ von Jürgen Moors setzte den erfrischenden Auftakt.

Als nächster Akt wurde ein Remix von Filmen, die – einst und jetzt – die Stadt als Kulisse gewählt hatten, verwoben. Der freischaffende Film Editor Gernot Grassl erwies sich da als unglaublicher Meister seines Faches. Von Franz-Antel-Komödien wurde die Handlung in cleveren Schnitten scheinbar mühelos über die Perforation in den nächsten Streifen getragen. Als Vehikel dafür erwiesen sich messerscharf gesetzte Schnitte, die aus gänzlich voneinander unabhängigen Frequenzen ein völlig neues Storyboard schufen.

Aus Filmen wie „Wenn Mädchen zum Manöver blasen“ oder „Das jüngste Gericht“ aus der Werkzeugkiste eines Franz Antel hüpfte die Handlung schier mühelos in schwere Kost à la Karin Brandauers „Sidonie“ oder Franz Xaver Bogners „Das ewige Lied“.

Im Transfer landete der Zuseher in Wilma Calisirs Arbeiten („Die Schattin“, „Sommer 1972“), Actionstreifen der Brüder Pascal, Marcel und Thorsten Gruber („Brothers“, „Der Versager“) oder Alexander Lerchs „Django“.

Dass dann gerade der kecke Bursche aus dem Omo-Waschmittel-Werbefilm „Kleine Stadt von heute“ – Ende der 1950er-Jahre in Waidhofen gedreht – sich zum roten Handlungsfaden entknotete, war ein Geniestreich Grassls.

Piatys Dokumente und Filmvertonung von Mair

Der historische Streifen „Waidhofner Handwerker“, dokumentarisch aufgenommen von Karl Piaty sen., setzte dazwischen eine thematische Zäsur mit unvergesslichen Bildern.

Dass sich Filmmusikkomponist Walter Mair, aufgewachsen in Waidhofen und in der Musikwelt ein international gefeierter Star, gewinnen ließ, den 1926 entstandenen Film „Die Eisenstadt Waidhofen“ mit Musik zu unterlegen, ist vielleicht der unglaublichste Puzzlestein im Projekt „Filmverortung“. Der Musealverein hat dazu eine Kopie aus dem österreichischen Filmarchiv erworben und dem Komponisten den Auftrag erteilt.

Was die Matinee aber auch zeigt, war, wie lebendig die Filmerszene in Waidhofen ist.