Waidhofen/Ybbs blieb bis Mittwoch von Corona verschont. Stadt fährt öffentliches Leben drastisch zurück. Erste Erkrankungen im Bezirk in Ardagger und St. Georgen/Ybbsfelde.

Von Hermann Knapp und Andreas Kössl. Update am 19. März 2020 (12:03)
Das Coronavirus ist auch im Bezirk Amsteten angekommen. Am Wochenende spitzte sich die Lage vor allem in Ardagger zu, aber auch in St. Georgen und Opponitz wurden erste Personen positiv getestet. Die Stadt Waidhofen blieb vorerst noch verschont.
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Am Donnerstag der Vorwoche ist das Coronavirus auch im Bezirk Amstetten angekommen. Zwei Mitglieder einer zehnköpfigen Reisegruppe, die eine Skiwoche in Südtirol verbracht hatte, wurden positiv getestet. In den vergangenen Tagen stieg die Zahl der Infektionen dann stetig an.

Update: Seit Donnerstag 19.3.2020 ist auch Waidhofen betroffen:

Wir hatten berichtet:

31 bestätigte Fälle zählte man am Dienstagvormittag im Bezirk Amstetten. Elf Erkrankte kamen von Sonntag auf Montag hinzu. Von Montag auf Dienstag stieg die Anzahl der Infizierten vorerst nicht weiter an. Besonders dramatisch entwickelte sich die Lage in der Gemeinde Ardagger.

Bürgermeiser Hannes Pressl gab Freitagfrüh bekannt, dass es fünf bis sechs Infizierte gebe. Bis Montag wurden ständig neue Fälle bekannt. Am Montag schrieb Pressl in seinem Internetblog, dass derzeit 15 Personen infiziert und 122 vorsorglich in häusliche Quarantäne geschickt worden seien. Zumindest einen bestätigten Coronafall gab es bis Redaktionsschluss in St. Georgen am Ybbsfelde.

„Wenn wir uns gemeinsam an die Richtlinien halten, können wir bald wieder zur Normalität zurückkehren.“Stadtchef Werner Krammer

Noch keine Covid-19-Infizierten gab es zu Redaktionsschluss in Waidhofen. „Wir hatten ein paar Testungen, aber zum Glück bis jetzt noch keine positiven“, sagt Bürgermeister Werner Krammer. Das öffentliche Leben in der Statutarstadt wurde auf ein Minimum reduziert. Per Verordnung hat die Stadt am Mittwoch letzter Woche sämtliche Veranstaltungen, bei denen größere Menschenmengen zusammenströmen, untersagt. Mittlerweile wurden von der Bundesregierung Veranstaltungen gänzlich untersagt.

Seit Montag bleiben auch zahlreiche Geschäfte in der Stadt geschlossen, lediglich der Lebensmittelhandel, Apotheken, Drogerien, die Post, Banken und andere Geschäfte, die für die Grundversorgung notwendig sind, haben weiter geöffnet. Restaurants, Bars und Kaffeehäuser bleiben zu.

Das Waidhofner Rathaus ist noch geöffnet. „Wir bitten aber um Verständnis, dass man nur in wirklich dringenden Fällen persönlich vorsprechen sollte“, sagt Bürgermeister Krammer. Telefonisch und per E-Mail sei man aber weiterhin erreichbar. Laut Empfehlung der Landessanitätsdirektion wurde nun auch das Altstoffsammelzentrum vorübergehend geschlossen.

Mit Montag wurde auch der reguläre Betrieb in den Schulen und Kindergärten der Stadt eingestellt. Für Schüler bis zur achten Schulstufe wird aber – sofern sich keine häusliche Betreuung organisieren lässt – eine Betreuung angeboten. Gleiches gilt für die Kindergärten und die Kleinkinderbetreuungseinrichtung Zwergenschaukel.

Eingestellt wurde der Unterricht auch in der Kunst- und Musikschule Waidhofen. VHS-Vorträge und Kurse wurden ebenso abgesagt. Auch die Stadtbibliothek und das Museum wurden geschlossen. Der offene Betrieb im Jugendzentrum Bagger wird mit Mittwoch bis vorläufig Ende März eingestellt. Es gibt aber einen Journaldienst, über den die Jugend- und Sozialarbeiter von Mittwoch bis Freitag, zwischen 14 und 18 Uhr oder unter 07442/511340 bzw. jugendzentrum@waidhofen.at erreichbar sein werden.

Nicht mehr stattfinden werden vorerst der Waidhofner Wochenmarkt und der Genussmarkt. Aufrecht bleibt die Ausspeisung über Essen-auf-Rädern. Nicht mehr betreten werden dürfen vorerst die öffentlichen Spiel- und Sportplätze.

Keine leichte Aufgabe hat derzeit auch die Managerin des Rothschildschlosses Katharina Heigl. Alle Veranstaltungen, darunter viele Hochzeiten, mussten abgesagt werden. „Gerade Hochzeiten sind lange vorher geplant und eingebucht, emotional trifft das Brautpaare wohl am meisten“, sagt Heigl. Die Schlossmanagerin verweist darauf, dass ohne entsprechende Gebühren Ersatztermine angeboten werden und versucht wird, angemeldete standesamtliche Trauungen zu verschieben.

Die zuständige Amtsärztin am Magistrat Margit Kortschak begrüßt die Maßnahmen. „Das Coronavirus ist ein sehr ansteckender Keim, der vor allem bei über 60-Jährigen und chronisch Kranken zu starker Lungenentzündung und damit verbundenen Komplikationen führen kann“, sagt sie. „Wir müssen daher besonders diese Mitmenschen vor der Erkrankung schützen, indem wir Kontakte möglichst reduzieren und uns an die vorgegebenen Richtlinien halten.“

„Diese Wochen werden für uns alle aber auch für die Betriebe in der Region, Österreich und ganz Europa eine herausfordernde Zeit“, sagt Stadtchef Krammer. „Die Bundesregierung hat nicht leichtfertig gehandelt und in Zusammenarbeit mit Experten einen Fahrplan festgelegt. All diese Schritte stellen die Gesundheit des Menschen in den Vordergrund.“

Bei Nichteinhaltung der Vorgaben der Bundesregierung warten Geldstrafen bis zu 1.450 Euro. „Abgesehen von den ausdrücklichen Verboten appelliere ich an jeden Einzelnen, die sozialen Kontakte einzuschränken“, sagt Krammer. „Wenn wir uns gemeinsam an die Richtlinien halten, können wir bald wieder zur Normalität zurückkehren. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Die Experten sagen, wenn wir unser öffentliches Leben um ein Viertel zurückschrauben, ist die Ansteckungsgefahr um die Hälfte reduziert.“

Auf Initiative von Jugendgemeinderätin Sylvia Hraby haben sich in der Stadt Freiwillige zusammengeschlossen, um Einkaufs- und Besorgungsdienste zu übernehmen. Insbesondere ältere Menschen und Risikogruppen, die Unterstützung benötigen, können sich dafür unter der eigens eingereichten Sozialamts-Hotline melden.

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