Fasten im Ybbstal im Trend. Im Bezirk Amstetten übt man sich auf vielerlei Art und Weise im Verzicht.

Von Peter Führer, Leo Lugmayr und Andreas Kössl. Erstellt am 17. April 2019 (04:50)
Hochpöchler
Waidhofens Umweltstadtrat Fritz Hintsteiner fastet Plastik. Dabei schwört er auf den Waidhofner Wochenmarkt. Das Brot kauft er bei Bäuerin Andrea Leichtfried. Nach Hause transportiert wird es in der Stofftasche.

Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit auf Süßigkeiten oder Alkohol. Fastenwochen in eigens spezialisierten Unterkünften werden dabei immer beliebter.

Die Amstettner SPÖ-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig etwa reiste in der Vorwoche in das Gesundheitshotel Klosterberg in Langschlag (Waldviertel). „Ich mache das seit zehn Jahren immer in der Karwoche“, sagt Königsberger-Ludwig. „Dort trinke ich nur Säfte, Wasser und Tee. Angefangen hat es damit, dass ich zu meinem 40. Geburtstag mit dem Rauchen aufgehört habe und verstärkt auf meinen Körper geschaut habe. Ich mache das, weil es mir ganz einfach guttut.“ Um religiöse Aspekte geht es der Landesrätin dabei weniger. „Wichtig ist, das Tempo einmal etwas zurückzuschrauben“, meint sie.

Fastentrend im ersten Jahresviertel

In der Stille der Ybbsitzer Wälder hat das Fasten einen Ganzjahresort gefunden. Ulrike Ginzler und Petra Gassner haben im ehemaligen Blindenheim in Maria Seesal ein Pilger- und Fastenhaus eingerichtet. Sie bestätigen, dass das erste Jahresviertel tatsächlich zur beliebtesten Fastenperiode gehört – was aber bei vielen Fastengästen nicht unbedingt von religiöser Überzeugung getrieben ist. „In dieser Zeit erneuert sich die Natur und dementsprechend sind viele Menschen auch bereit, körperlich einen Frühlingsputz durchzuführen“, bestätigt Gassner. So seien etwa Christa Pühringer, die Frau des ehemaligen Landeshauptmanns von Oberösterreich, oder der Ybbsitzer Nationalratsabgeordnete Andreas Hanger in dieser Zeit regelmäßig im Pilger- und Fastenhaus in der Ybbsitzer Schwarzois zu Gast.

Doch auch Prominenz aus Wirtschaft und Sport zieht es regelmäßig in der Fastenzeit in die Ybbsitzer Wälder. „Vergangene Woche war der Kellermeister eines der größten Weinbetriebe Österreichs und ein Generalimporteur einer führenden Motorradfirma zu Gast bei uns“, erzählt Gassner. Auch ein Haupttrainer des Schweizer Damen-Skiteams fastet derzeit in Maria Seesal.

Für ÖVP-Nationalratsabgeordneten Andreas Hanger ist Fasten eine Regenerationszeit für Leib und Seele, die nicht unbedingt mit der katholischen Fastenzeit zusammenhängt, aber gut in diese Zeit passt. „Mein Hauptbeweggrund ist die körperliche Regeneration und innere Reinigung. Dass ich dabei ein paar Kilo abspecke, ist ein willkommener Nebeneffekt“, sagt Hanger.

„Am Waidhofner Wochenmarkt kann ich nicht nur plastikfrei, sondern auch regional einkaufen.“Stadtrat Fritz Hintsteiner, Waidhofen

Auf Alkohol und Süßigkeiten verzichtet Waidhofens Umweltstadtrat Fritz Hintsteiner in der Fastenzeit schon seit Längerem. Heuer hat er die Palette seines Verzichts um eine neue Facette erweitert: Der Umweltstadtrat fastet Plastik.

Gemeinsam mit einem Arbeitskreis hat Hintsteiner die Aktion Plastikfasten ins Leben gerufen. Dabei soll während der Fastenzeit so weit wie möglich auf Einwegplastik verzichtet werden. Stattdessen sollen Alternativen gefunden und genutzt werden. Bei der Bevölkerung stieß die Aktion auf gute Resonanz. Zahlreiche Waidhofner machen mit.

Der Umweltstadtrat selbst geht mit gutem Beispiel voran. „Es geht dabei schließlich um die Zukunft unserer Kinder“, sagt Hintsteiner. Seit Beginn der Aktion hätten seine Familie und er den Plastikmüll radikal reduzieren können. „Eine Stofftasche zum Einkaufen verwende ich schon lange. Mittlerweile kaufen wir aber auch viele Dinge, die in Plastik verpackt sind, nicht mehr“, führt Hintsteiner aus. „Gemüse und Obst kaufe ich am Waidhofner Wochenmarkt. Da kann ich nicht nur plastikfrei, sondern auch regional einkaufen.“

Das Plastikfasten sei manchmal leicht und dann wieder herausfordernd, es mache aber auch großen Spaß. Ziel der Aktion sei es, ein Bewusstsein für die Plastikmüllproblematik zu schaffen. Aufhören damit möchte der Umweltstadtrat nach dem Ende der Fastenzeit freilich nicht. „Ich möchte das Plastikfasten weiterbetreiben“, sagt Hintsteiner.

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