Schörghofer: „Bei Brau Union als Praktikant gestartet“

Fünf Millionen Hektoliter Bier setzt die Brau Union Österreich pro Jahr ab. Seit 1. Mai passiert dies unter dem gebürtigen Waidhofner Klaus Schörghofer (38).

Christian Eplinger
Christian Eplinger Erstellt am 07. Mai 2020 | 03:45
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Brau Union Österreich
Foto: Brau Union Österreich

NÖN: Mit 38 Jahren als Vorstandsvorsitzender der Brau Union Österreich an der Spitze des größten Bierkonzerns Österreichs – eine steile Karriere. Wie geht man an so eine Herausforderung heran?

Klaus Schörghofer: Mein Vorgänger hat die Brau Union Österreich erfolgreich in den letzten beiden Jahren geführt. Auch seine Zielsetzung, Österreich zum Land mit der besten Bierkultur Europas zu machen, und die Hingabe zum Bierbrauen haben maßgeblich zum Erfolg der Brau Union Österreich beigetragen. Diesen Erfolg weiterzuführen und die Stärken der Brau Union Österreich noch weiter auszubauen, sind eine große Herausforderung und gleichzeitig eine spannende Aufgabe. Ich kenne den österreichischen Biermarkt seit über 15 Jahren. Daher setze ich weiterhin meinen Fokus klar auf unsere bewährte Strategie und unsere Innovationen. Unsere Stärke sind unsere regionalen Standorte sowie meine Kollegen, die dort arbeiten und auf die ich mich verlassen kann. Regionalität wird zunehmend an Bedeutung gewinnen, gerade in schwierigen Zeiten. In Niederösterreich sind wir mit unseren beiden Brauereien in Wieselburg und Schwechat gut aufgestellt.

Sie sind gebürtiger Waidhofner und dort auch aufgewachsen. Ihr Vater war Leiter des Auslieferungslagers der Brau Union in Kematen. Sie selbst haben dort in den Ferien gejobbt. War Ihr Weg in die Brau-Branche vorgezeichnet und immer Ihr Wunschberuf?

Schörghofer: Ja. Es ist mein absoluter Wunschberuf! Mein Weg in der Brau Union begann schon vor 20 Jahren im Zustellfuhrpark in Kematen, wo ich fünf Jahre lang Ferialpraktika absolvierte und als Bierführer intensiven Einblick in die Arbeit erhielt. Nach dem Abschluss meines Wirtschaftsstudiums an der JKU Linz setzte sich mein Weg in der Brau Union fort – bis eben jetzt ganz an die Spitze.

Es gibt sicher auch bei der Brau Union in der Führungsebene einige „alte Hasen“ mit viel Erfahrung, aber vielleicht auch dem einen oder anderen eingefahrenen Denkmuster. Wie bringt man als junger Chef seine neuen Ideen und vielleicht innovativen Zugänge an den Mann/die Frau?

Schörghofer: Eines der größten Assets der Brau Union neben ihren Marken sind die Kollegen und der gemeinsame Umgang miteinander. Ich schätze es sehr, dass wir uns über das gesamte Unternehmen und damit ganz Österreich auf Augenhöhe begegnen. Laut Trend Wirtschaftsmagazin 2020 zählen wir erneut zu den besten Arbeitgebern des Landes. Damit stellt auch die Zusammenarbeit mit älteren oder erfahreneren Kollegen keine Herausforderung dar – ich lege größten Wert darauf, dass es in den unterschiedlichen Teams gute Durchmischungen gibt, um unterschiedliche Sichtweisen in Entscheidungsfindungsprozesse miteinfließen lassen zu können. Innovationen sind ein Teil unseres Erfolges und gerade in Zeiten wie diesen sind neue Ideen und innovative Zugänge unumgänglich. Wir arbeiten zukunftsorientiert und haben dies in der jüngsten Vergangenheit auch bewiesen, indem wir digitale Tools wie zum Beispiel die App „Schnips“ weiterentwickelt haben. Durch unsere zehn Standorte in ganz Österreich waren auch vor Corona Telefonkonferenzen und Online-Meetings bereits keine Seltenheit. Daher sind wir in der Handhabung schon geübt und stimmen uns – jetzt doch deutlich intensiver – regelmäßig in Online-Sitzungen ab.

Bei Ihrem Vorgänger Magne Setnes war es von Beginn weg klar, dass der Vorstandsvorsitz der Brau Union nur eine Treppe der Karriereleiter sein wird. Ist es auch für Sie nur eine Zwischenstufe für die nächste Ebene des Heineken Konzerns?

Schörghofer: Ich bin gebürtiger Waidhofner und lebe mit meiner Familie in der Nähe von Linz. Ich fühle mich mit meiner Heimatregion sehr verbunden und plane, langfristig in der Brau Union zu bleiben.

Sie übernehmen die Brau Union in einer der schwierigsten Phasen des Konzerns. Auch wenn der Bierkonsum im Privatbereich durchaus unverändert ist, die Gastronomie und das Veranstaltungsgeschehen sind durch die Coronakrise völlig weggebrochen. Wie sehr spürt das die Brau Union wirtschaftlich?

Schörghofer: In diesen herausfordernden Zeiten heißt es, gemeinsam durch die Krise zu steuern. Kontinuität und Zusammenhalt sind jene Säulen für Politik und Wirtschaft, auf die wir alle jetzt zu setzen haben. Wir erfüllen selbstverständlich unseren Nahversorgungsauftrag und beliefern unverändert den Lebensmittelhandel, aber das Gastronomiegeschäft ist durch die Schließung auf null gesunken. Die Umsätze werden natürlich reduziert, da der Lebensmittelhandel dies nicht ausgleichen kann. Aktuell versuchen wir, unsere – oft langjährigen – Gastronomiepartner bestmöglich zu unterstützen.

Wie stark hat man die Bierproduktion in den Brauereien Wieselburg und Schwechat aktuell zurückgefahren?

Schörghofer: Unsere zwei in NÖ ansässigen Brauereien in Wieselburg und Schwechat samt aller Verkaufslager tragen mit ihren insgesamt rund 660 Mitarbeitern zur Aufrechterhaltung der Versorgung als systemrelevante Brauereien bei und sind daher wie bisher produktiv – vor allem für die Lebensmittelsparte wird wie üblich produziert. Wie sich das Gastronomiegeschäft ab Mitte Mai entwickelt, muss sich erst zeigen.

Wird in allen Werken der Brau Union auf Kurzarbeit gesetzt oder musste man Mitarbeiter abbauen?

Schörghofer: Der Großteil der Belegschaft im Unternehmen ist auf Kurzarbeit. Wir möchten aber auch zukünftig mit all unseren rund 2.700 Mitarbeitern unseren Beitrag zu einem Miteinander in Österreich leisten. Jobgarantien in der aktuellen Situation abzugeben, wäre nicht seriös. Der Gastronomiemarkt ist sehr angespannt, die wirtschaftliche Lage birgt viele Risiken und Herausforderungen.

Zu all den Problemen mit der Covid-19-Pandemie kam zuletzt auch der Konflikt mit den österreichischen Privatbrauereien wegen der geplanten Übernahme der Vorarlberger Brauerei Fohrenburg. Dort hat die Brau Union ihre Anteile von 11 auf 74 Prozent aufgestockt. Wie stehen Sie zu dieser Kritik, dass die Brau Union damit zu marktbeherrschend wird?

Schörghofer: Die Aufstockung der bisherigen Anteile an der Brauerei Fohrenburg wird vom Kartellgericht geprüft. Eine Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet. Die Brau Union Beteiligungsholding ist seit Jahrzehnten an der Brauerei Fohrenburg beteiligt. Daher waren wir immer wieder im Gespräch, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten, die Ressourcen bündelt und Kapazitäten optimal nützt. Wir wollen den Standort der Brauerei und die Marke „Fohrenburg“ weiter stärken. Die Regionalität trägt wesentlich zur Vielfalt der österreichischen Bierkultur bei. Durch die Kooperation könnten in der Brauerei Fohrenburg als auch in der Logistik neue Synergien geschaffen und auch der Markenkern verstärkt werden. Mit der Brau Union können neue Kundengruppen im süddeutschen Raum erschlossen und dadurch der Produktionsstandort in Bludenz ausgebaut werden. Wir schaffen und sichern dadurch Arbeitsplätze.

Wenn die Coronakrise überstanden ist, welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Schörghofer: Unsere Schwerpunkte sind weiterhin „Österreich zum Land mit der besten Bierkultur Europas“ zu machen und dabei einen wesentlichen Beitrag zum ressourcenschonenden Umgang mit unserer Umwelt zu leisten. Bier ist ein natürliches Produkt. Daher werden wir auch in den kommenden Jahren weitere Projekte im Nachhaltigkeitsbereich prüfen und ausbauen. Auch die Entwicklung immer neuer Getränkekategorien und Trends wie etwa alkoholfreie/-reduzierte Biere, Bierspezialitäten oder auch Cider werden mit den Innovationen unserer Braumeister unterstützt. Diese Innovationsführerschaft wollen wir in Zukunft beibehalten und weiter ausbauen. Außerdem werden wir weiterhin noch mehr in Richtung Digitalisierung gehen (müssen).