Waidhofner erinnern sich: 20 Jahre Euro

Erstellt am 19. Januar 2022 | 03:23
Lesezeit: 4 Min
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Judith Haslinger und Franz Wagner (von links) von der Raiffeisenbank Ybbstal präsentieren Euro- und Schillingnoten im Umstellungsjahr 2002.
Foto: RAIBA Ybbstal
Im Finanzwesen und im Handel erlebten viele Menschen die Einführung des Euro als verbindend und stabilisierend.
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Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Währungsumstellung hat sich die NÖN bei Banken und Geschäftsleuten der Region umgehört, wie sie die Umstellung empfunden haben und welches Resümee sie heute nach 20 Jahren Euro ziehen würden.

Georg Berger, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Ybbstal, meint: „Wenn die Erwartungen waren, dass wir den europäischen Wirtschaftsraum enger zusammenbringen, das Währungsrisiko minimieren und mehr Stabilität in den Wirtschaftsraum Europa bringen wollen, dann wurden diese eindeutig erfüllt.“ Zu den Ängsten, die es bei der Einführung der neuen Währung auch gab, meint er: „Vor allem hatten viele Sorge, dass eine Geldentwertung kommt. Das hat sich aber nicht bewahrheitet, die Inflationsraten der letzten 20 Jahre waren eigentlich immer ein Stück unter dem angestrebten Ziel. Erst im letzten Jahr hat sich das durch die Pandemie deutlich erhöht.“

Region durch Verbindung mit Europa gestärkt

Spezifisch auf unsere Region bezogen meint Berger: „Wir haben im Ybbstal weltweit tätige Unternehmen, teilweise gehören diese in ihrem Bereich auch zu den Marktführern. Gerade für diese Unternehmen war der Euro schon eine wesentliche Verbesserung, um sich am Weltmarkt positionieren zu können. Weltweit agierende Unternehmen scheuen nichts mehr als ein Geldrisiko, das wurde dadurch sehr minimiert. Auch im Binnenmarkt in Europa hat sich dadurch vieles vereinfacht. Der Euro hat uns im Europäischen Raum ganz stark aneinandergebunden und das stärkt natürlich auch den Standort in den Regionen.“

Helge Haslinger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederösterreich Mitte West, sieht den Euro als wesentlichen Bestandteil des heutigen europäischen Wohlstands: „Heute ist der Euro die zweitstärkste Währung der Welt. Der stetige EU-Zuwachs hat nicht nur jüngeren Mitgliedsstaaten massive Wachstumsbeschleunigung verschafft, auch Länder wie Österreich haben stark von den neuen Investitionsmöglichkeiten und vom vergrößerten Binnenmarkt profitiert, wodurch der Wert des Euro über die letzten 20 Jahre massiv gestiegen ist und zu unserem heutigen Wohlstand erheblich beigetragen hat. Man kann also sagen, dass der Euro eine echte Erfolgsgeschichte ist.“ Chancen für die Zukunft sieht Haslinger zum Beispiel in der Einführung des digitalen Euro und der Ausweitung der Eurozone: „Wir begrüßen die Ausdehnung der Eurozone. Um dem Euroraum beitreten zu können, muss der jeweilige Mitgliedsstaat strikte Kriterien erfüllen. Das Beitrittsverfahren stärkt daher den jeweiligen Mitgliedsstaat und in Summe auch die gesamte Union.“

Für Birgit Reiböck, bei der Volksbank Niederösterreich für Vertriebsmanagement, Marketing und Kommunikation zuständig, war die Einführung des Euro eine logische Konsequenz des europäischen Projekts: „Wenn man als Wirtschaftsunion gemeinsam agieren möchte, braucht man eine gemeinsame Währung. Auch symbolisch, als starkes Zeichen der Gemeinschaft und zur Identitätsstiftung. Für mich war das engere, wirtschaftlichere Zusammenrücken mit dem Euro eine wichtige Entwicklung in der EU.“ Auch für die Zukunft sieht Reiböck weiterhin großes Potenzial in der europäischen Währung: „Auch wenn das Euro-System nicht perfekt ist – es ist ein gemeinsames Projekt in einem gemeinsamen Europa. Ich bin nach wie vor froh, dass wir die einheitliche Währung in 19 Staaten haben. Und es lohnt sich meiner Meinung nach, konstruktiv an der laufenden Weiterentwicklung zu arbeiten.“

Der Gerber- und Kürschnermeister Johannes Holubovsky führt den Betrieb Pelz & Ledermoden Holubovsky in Waidhofen bereits in vierter Generation. Er erinnert sich, dass bei der Einführung des Euro die Befürchtungen überwogen, dass alles teurer werden könnte. Für den Handel brachte die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung aber auch unbestreitbare Vorteile. „Als Geschäftsmann ist das auf jeden Fall eine Erleichterung, speziell wenn man wie wir auch international arbeitet,“ meint Holubovsky.

Das Schuhgeschäft Watzinger ist ein alteingesessener Familienbetrieb in Waidhofen. Geschäftsleiterin Margit Leopoldine Watzinger betont die Vorteile, die eine gemeinsame Währung für Europa gebracht hat. „Ich bin froh darüber, dass wir den Euro haben. Mittlerweile ist das ja unvorstellbar geworden, bei jeder Auslandsreise Geld wechseln zu müssen.“ Von einem mancherorts befürchteten Teuerungseffekt durch die neue Währung war ihr Unternehmen nicht betroffen, wie Watzinger erzählt: „Wir haben auch bereits vor der Einführung des Euro darauf geschaut, dass unsere Waren in Europa produziert werden und da haben sich auch die Preise nicht so erhöht.“

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