Konferenz einig: Auch in Zukunft für Klima. Klimaaktivisten besprachen im Beta-Campus weitere Vorhaben, wie Gründung einer „Klimalobby“.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 25. September 2020 (04:42)
Am Samstag blickten die Ybbstaler Klimaaktivisten am Beta-Campus in Waidhofen auf die Klimaproteste des vergangenen Jahres zurück und schmiedeten Pläne für die Zukunft.
Lisa Hofbauer

Vor fast genau sieben Monaten – am 7. März – fand in Waidhofen die letzte Klimademo statt. Exakt ein Jahr lang gingen Klimaaktivisten in der Ybbstalmetropole monatlich auf die Straße, um lautstark für eine gerechte und nachhaltige Klimapolitik zu protestieren.

Auf diese zwölf Proteste und viele weitere Veranstaltungen und Gespräche im vergangenen Jahr – etwa der Vortrag von Helga Kromp-Kolb im März, das Klimaparlament im September 2019 oder zahlreiche Gespräche mit (lokalen) Entscheidungsträgern – wurde bei der dritten Klimakonferenz der Zivilgesellschaft am vergangenen Samstag gemeinsam zurückgeblickt.

Bevor konkrete Ideen diskutiert wurden, versuchte Georg Wagner ein Stimmungsbild einzufangen, das zeigen sollte, welche groben Maßnahmen von den Anwesenden als am sinnvollsten erachtet werden. Die meisten Personen waren überzeugt davon, dass Maßnahmen, die auf die strukturelle Ebene einwirken, Bildungsarbeit sowie Maßnahmen auf regionaler Ebene am meisten Effekte erzielen würden.
Lisa Hofbauer

Auch wenn durch die Coronakrise das Thema Klimaschutz im vergangenen halben Jahr in den Hintergrund gerückt sei, sei die Klimakrise deshalb keineswegs von der Bildfläche verschwunden, so der Tenor des Klimaproteste-Organisationsteams: „Die Klimakrise wurde durch den Corona-Lockdown nur etwas gebremst, die Strukturen, die sie anheizen, sind immer noch unverändert – auch in Österreich.“ So seien die Treibhausgasemissionen nach wie vor tendenziell im Steigen begriffen, die Bodenversiegelung sei unverändert hoch und die Ziele der Politik stünden immer noch nicht im Einklang mit der Wissenschaft.

Mitfahrbankerl oder Klimafest als Vorschläge

Umso wichtiger sei es daher, weiterhin Druck auf Politik und Entscheidungsträger auszuüben und lautstark für den Klimaschutz einzutreten. Daher diskutierten die rund 20 Anwesenden am Samstag, mit welchen Aktionen man nun in den kommenden Monaten und Jahren – sofern es das Coronavirus zulässt – öffentlichkeitswirksam auf das Thema Klimawandel aufmerksam machen sowie Klimaschutz effektiv umsetzen kann.

Ein Klimafest, die Organisation eines regionalen Klimaparlaments, Bewusstseinsbildung an Schulen, die Installation von „Mitfahrbankerln“, Carsharing oder auch eine Vortragsreihe zum Thema Klimakrise waren nur einige der Ideen, die in den Raum geworfen wurden.

Besonders diskutiert wurde die Gründung einer „Klimalobby“. In dieser wollen sich Klimaaktivisten zusammenfinden und gemeinsam regional umsetzbare Ideen und Maßnahmen für das Klima erarbeiten, die dann auch an die Waidhofner Stadtpolitik herangetragen werden sollen. Eines der Ziele dabei ist, das Waidhofner Klimamanifest zu „radikalisieren“, da dieses „zu oberflächlich und zu unkonkret“ sei, so die Kritik der Anwesenden.

Zudem sehe das Manifest eine aktive Beteiligung der Bevölkerung bei den regelmäßigen Treffen der „Lokführer“ (das heißt, der Personen, die für die Verfolgung einzelner Projekte zu bestimmten Themen zuständig sind) vor. Die Bürgerbeteiligung wolle man durch die Gründung einer „Klimalobby“ sicherstellen.

Geschlossen gegen Ausbau der B 121

Ein weiterer wesentlicher Punkt, dem die Klimaaktivisten in Zukunft Aufmerksamkeit schenken wollen, ist die regionale Mobilität. So sprachen sich alle Anwesenden geschlossen gegen einen vierspurigen Ausbau der B 121 aus. Anfang September forderten ja die zehn Bürgermeister der Kleinregion Ybbstal mit einer Petition an Verkehrslandesrat Schleritzko unter anderem den Ausbau der Bundesstraße zwischen Kematen und Amstetten. Die NÖN berichtete.

Ein B121-Ausbau wird von den Ybbstaler Klimaaktivisten vehement abgelehnt, während man eine weitere Forderung der Petition – ein Halbstundentakt auf der Rudolfsbahn – hingegen begrüßt. Zudem wolle man auch in Zukunft sogenannte „Radweg-Tester“ wie am Freitag in Böhlerwerk (siehe Artikel unten) einsetzen, um regionale Radwegstrecken auf ihre Verkehrstauglichkeit hin zu überprüfen.

Weitere Ideen, die im Rahmen der Klimakonferenz geboren wurden, waren eine stärkere Vernetzung mit den Schulen, ein Kurs zum Klimaschutz bzw. Klimawandel an der Kinder-Uni oder eine „Ausweitung“ der Waidhofner Klimaproteste in die Bundeshauptstadt.

Letzteres sieht unter dem Motto „Klimaproteste goes Vienna“ unter anderem vor, Gesprächstermine mit Bundespolitikern zu vereinbaren sowie in Kooperation mit der Bewegung „Fridays for Future“ die Klimaanliegen noch stärker an die Bundesregierung heranzutragen.