Brasserie schließt Pforten . Aus für Waidhofner Lokal nach nur neun Monaten. Wirt macht bauliche Mängel für Ausbleiben der Gäste verantwortlich und erhebt Vorwürfe gegen Vermieter. Der wehrt sich.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 31. August 2016 (02:58)
Nach nur neun Monaten gibt das Gastonomenduo Christian Schuster und Sabine Höbarth das Lokal Brasserie in Waidhofen wieder auf. Der Grund seien Mängel am Gebäude.
noen, Kössl

Die Stadt Waidhofen ist wieder um ein Lokal ärmer. Am Freitag vergangener Woche schloss die erst Anfang Dezember des Vorjahres eröffnete Brasserie im ehemaligen Wenzl-Gebäude ihre Pforten.

„Es war nicht unsere Absicht, bereits nach neun Monaten wieder zuzusperren“, sagt Christian Schuster, der das Lokal gemeinsam mit Sabine Höbarth betrieben hat. Anfangs sei die Brasserie gut angenommen worden, aber die zahlreichen Mängel am Gebäude hätten seit Mitte April zu massiven Umsatzeinbußen geführt.

Ein Hauptgrund dafür sei laut Schuster das Fehlen einer adäquaten Belüftung im Lokal. „Der Geruch ist so stark, dass die Leute deshalb nicht zu uns essen kommen, obwohl sie mit der Küche und dem Service höchst zufrieden sind.“ Dazu komme der Gestank vom Müllplatz gegenüber, der ebenfalls nicht den vorgeschriebenen Standards entspreche, kritisiert der Gastronom.

Außerdem seien während der Wintermonate die Fenster undicht gewesen, Steckdosen würden nicht funktionieren oder seien direkt neben der Abwasch montiert, eine Schalldämmung fehle ebenso wie Abflüsse im Küchenboden, die Heizkörper seien veraltet und die Gastgartenbegrenzung schadhaft. Auch, dass das Gebäude nicht barrierefrei ist, stößt dem Wirt sauer auf.

 Kein optimales Mieter-Vermieter Verhältnis 

 Auf den Eigentümer des Gebäudes Christoph-Walter Brune und dessen Vater, den bekannten Düsseldorfer Architekten Walter Brune, der den Umbau des ehemaligen Möbelhauses Wenzl zur Residenz Waidhofen eingeleitet hatte, ist Schuster deshalb alles andere als gut zu sprechen – ebenso wie auf den verantwortlichen Bauleiter.

Für Schuster ist klar, dass hier schlampig gearbeitet wurde. Auf eine Mängelliste, die nach kurzer Zeit erstellt worden sei, habe der Vermieter nicht oder nur unzureichend reagiert und wenn schließlich doch einmal ein Reparaturtrupp angerückt sei, so sei dies unangekündigt erfolgt – meist dann, wenn man volles Haus gehabt habe.

 "Nicht nachvollziehbar"

 Architekt Walter Brune kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Das ist alles an den Haaren herbeigezogen“, so der Architekt. Die Belüftung entspreche deutschen Standards und funktioniere einwandfrei. Eine geringfügige Adaptierung, die in Österreich verlangt werde, sei bereits in Auftrag gegeben worden. Die Dichtungen an den Türen seien ganz leicht nachstellbar gewesen und das Problem mit dem Müll würde wahrscheinlich von einer nicht sachgerechten Entsorgung der Küchenabfälle herrühren.

Auch die anderen Vorwürfe hält Brune für haltlos. Schuld am Ausbleiben der Gäste sei der Wirt selbst, so der Architekt. „Herr Schuster ist Koch, aber kein Gastronom. Anscheinend ist er unfähig, ein Lokal zu leiten.“

Dass Architekt Walter Brune ihn persönlich angreift, ärgert Schuster. „Herr Brune war niemals bei uns essen. Dass er mir nun vorwirft, ein schlechter Wirt zu sein, finde ich stillos.“ Die Retourkutsche kommt umgehend: „Von einem Superstararchitekten wie ihm darf man sich doch mehr als einen derartigen Bau erwarten. Das ist so, wie wenn ich ein schwarzes Schnitzel auftische.“


 Neustart im Allhartsbergerhof

Nach dem Aus der Brasserie geht es für Schuster und Höbarth gastronomisch nahezu nahtlos weiter. Die beiden werden ab 1. Oktober den Allhartsbergerhof übernehmen. „Wir werden den Allhartsbergerhof im bisherigen Stil als Dorfwirtshaus weiterführen“, so Christian Schuster. „Wir fühlen uns in Allhartsberg sehr gut aufgehoben und freuen uns über den Neustart.“

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