Insolvenzstatistik: „Völlig schiefe Optik“. Kreditschutzverband weist die Waidhofner Kabel X Vermarktungs GmbH als größte Pleite 2014 aus. Firmenchef wehrt sich.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 01. Oktober 2014 (07:04)
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Drei Insolvenzverfahren wurden bisher im heurigen Jahr über Waidhofner Unternehmen eröffnet. Das geht aus der Insolvenzstatistik des Kreditschutzverbandes von 1870 hervor. Unter diesen dreien findet sich laut einer Aussendung der APA mit der Insolvenz der in Waidhofen ansässigen Kabel X Vermarktungs GmbH auch die heuer bisher größte Firmenpleite Österreichs. Über das Vermögen des Unternehmens wurde im Mai das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Verbindlichkeiten werden vom KSV mit 175 Mio. Euro beziffert.

Israelischer Partner fordert Hälfte der Anteile

Eine Zahl, die der Unternehmer Alois Pichler nicht so stehen lassen möchte. Seine Familie hält 75 Prozent der Unternehmensanteile an der Kabel X Vermarktung GmbH, der Rest befindet sich in Streubesitz.

Mit der Kabel-X-Technologie hat Pichler ein Verfahren zur Durchführung eines grabungsfreien Kabeltauschs entwickelt. Mit seiner Familie ist er Patentinhaber dieser Technologie. Für die weltweite Vermarktung und zur Vergabe von Lizenzen zur Nutzung des Kabel-X-Patents wurde 2003 die Kabel X Vermarktungs GmbH gegründet.

Für die Lizenzvergabe in den USA habe man sich schließlich einen israelischen Partner mit an Bord geholt und der Lizenzpartner in den USA und Kanada hat eine eigene Kabel-X-Niederlassung vor Ort gegründet, so Pichler. An dieser halte die Vermarktungs GmbH 23,7 Prozent. Der israelische Partner habe nun beim Landesgericht St. Pölten die Forderung über die Hälfte der Anteile eingebracht und diese mit 350 Mio. Euro bewertet.

Pichler: 175 Mio. Euro müssten auf Aktiva-Seite

Laut KSV-Berechnung würde die Hälfte dieses Betrags nun der Vermarktungs GmbH als Verbindlichkeit angerechnet, so Pichler. „Das erzeugt aber eine komplett schiefe Optik. Normalerweise müssten diese 175 Mio. Euro auf der Habenseite zu finden sein.“ Die tatsächlichen Verbindlichkeiten der Vermarktungs GmbH würden sich hingegen auf ca. 880.000 Euro belaufen, so der Unternehmer weiter, wobei der größte Gläubiger davon die eigene Familie sei.

Die Kabel X Vermarktungs GmbH wird derzeit weitergeführt. Das solle auch künftig so bleiben, so Pichler. „Auf diese Bewertung der Firmenanteile an der Kabel X USA LLC kann man als Erfinder stolz sein und ich bin überzeugt, dass das amerikanische Unternehmen seine Chance bei der bevorstehenden Breitbandoffensive nutzen wird, um den 2013 vorgelegten Businessplan umzusetzen, nachdem auch die Patentlaufzeit in den USA bis 2026 verlängert wurde“, fasst Pichler zusammen.

„Vom KSV wurde von geschätzten Passiva des Unternehmens in Höhe von 175 Mio. ausgegangen. Im Insolvenzverfahren wurden von der Insolvenzverwalterin Forderungen in Höhe von 880.309 Euro anerkannt“, so die Waidhofner Rechtsanwältin Christine Riess, die als Masseverwalterin fungiert. „Die restlich angemeldeten Forderungen von rund 351 Mio. Euro wurden nicht anerkannt und bestritten.“

KSV setze "ein großes Minus"

Im Verfahren sei nunmehr von der Schuldnerin ein Antrag auf Abschluss eines Sanierungsplans mit einer Quote von 20 Prozent eingebracht worden, so die Masseverwalterin. „Größtes Aktiva der Gesellschaft ist die Beteiligung an der Kabel X USA LLC. Der Wert dieser Beteiligung wird derzeit von der Insolvenzverwalterin geprüft.“ Von Seiten des KSV heißt es: „Der KSV 1870 bewertet die Gesamtpassiva wegen des völlig ungewissen Ausgangs der anhängigen Überprüfungen vorerst mit 175 Mio. Euro.“

Der KSV sehe nur den Wert der Anteile, welche dem israelischen Partner gehören und nicht den Gesamtwert, so Pichler dazu. „Damit setzt er ein großes Minus vor die Kabel X Vermarktungs GmbH, was dazu führt, dass dir die Menschen, die dich über die Nachrichten wahrnehmen, mit Verachtung begegnen.“