Alicia Edelweiss: Mit „Freak-Folk“ zur Elbphilharmonie. Alicia Edelweiss (27) aus Waidhofen veröffentlicht Anfang September ihr zweites Album – und mischt darauf persönliche Geschichten mit Fantasie.

Von Julia Zacher. Erstellt am 16. August 2019 (04:34)
Franzi Kreis for They Shoot Music
Alicia Edelweiss präsentiert am 5. Oktober ihr neues Album „When I’m enlightened, everything will be better“.

„Freak-Folk“ oder „Anti-Folk“, „orchestraler Folk-Pop“ mit Band – so beschreibt die Waidhofnerin, die unter dem Künstlernamen Alicia Edelweiss bekannt ist, ihre Musik. Was man sich darunter vorstellen kann, ist „ein bisschen stranger und verspielter als normaler Singersongwriter-Folk“, beschreibt die 27-Jährige, die derzeit immer mehr vom Geheimtipp zu einer der gefragtesten jungen Musikerinnen Österreichs avanciert.

Vielseitigkeit ist dabei ihr Stichwort: Sie spielt Akkordeon, Gitarre, Ukulele und Klavier. In ihre Auftritte mischt sie manchmal Elemente von Schauspiel und Zirkus, experimentierte mit Hula-Hoop-Tricks und Clownerie. Ihre Lieder schreibt sie alle selbst. Es sind Geschichten aus ihrem eigenen Leben, Erfahrungen, Abenteuer, Reisegeschichten, Märchen. „In meinen Liedern geht es um sehr persönliche, und ehrliche, Geschichten“, erzählt Edelweiss.

„Oft basieren sie auf der Realität und werden von mir mit – ein bisschen oder viel – Fantasie vermischt. Mich interessieren die Themen von Scham und Peinlichkeit, Mystik und Feminismus, aber auch Humor und Übertreibungen. Extreme Emotionen. Trauer, Schmerz, Leiden. Das Schwere sowie das Leichte, Magische. Utopien.“

"Mich interessieren extreme Emotionen. Trauer, Schmerz, Leiden. Das Schwere sowie das Leichte, Magische. Utopien.“Alicia Edelweiss

Und genau das erwartet die Hörer auch auf ihrem neuen Album „When I’m enlightened, everything will be better“, das am 6. September erscheint und zu dem am 5. Oktober die Album-Release-Show im Rabenhoftheater in Wien stattfindet. Eineinhalb Jahre Arbeit stecken darin – ein Prozess, in den die Künstlerin von Anfang bis zum Ende involviert war. „Es war viel Arbeit und nervenaufreibend“, berichtet Edelweiss. „Aber dafür bin ich jetzt richtig stolz darauf. Es ist alles sehr stimmig.“

Trotzdem, sagt sie, freut sie sich bereits auf die Zeit, wo der Albumstress vorbei ist, um endlich wieder Zeit für eine größere Reise zu finden: „Das zehrt schon ein bisschen an mir. Das Reisen ist nämlich ein wichtiger Teil meines Seins und Kunstschaffens.“

Reisen, experimentieren, Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln waren schon immer sehr wichtig für sie. Daher konnte sie es früher nicht erwarten, aus Waidhofen in die Welt hinauszukommen: „Hier hab ich leider nie MusikerInnen kennengelernt, mit denen ich jammen oder eine Band starten konnte, und kaum Leute, die ,anders‘ waren“, sagt Edelweiss. „Für mich war es immer sehr beengend in der Kleinstadt. Ich hatte so einen großen Drang, endlich zu leben und zu erleben, dass ich mit 19 dann zwei Jahre durch Europa gereist bin.“

Dabei kam sie nach Spanien, wo sie Straßenmusik machte, und nach Portugal, wo sie begann, ihre eigenen Lieder zu schreiben.

Heute lebt sie in Wien – „ein bisschen sesshafter!“ – ist aber trotzdem viel unterwegs: als Solokünstlerin und seit drei Jahren auch als Akkordeonistin in Voodoo Jürgens’ Band „Ansa Panier“.

Ihre Musik führt sie durch ganz Österreich, vom nächsten Auftritt am 16. August in Eisenerz über das Volksstimmefest in Wien, das Grazer Orpheum und das Linzer Landestheater, um nur einige zu nennen.

Von Waidhofen bis zur Elbphilharmonie

Im nächsten Jahr geht es auch über die Landesgrenzen hinaus: zur Hamburger Elbphilharmonie, wo sie im Februar gemeinsam mit der Neuhofnerin Sigrid Horn, Gewinnerin des FM4-Protestsongcontests, dem Publikum im Rahmen des „Ganz Wien“-Festivals die Spielarten des modernen Wienerlieds näherbringen wird.

„Das Schöne als Performerin und Sängerin ist, dass man viele Dinge verbinden kann“, sagt Edelweiss. „Du kannst Schauspiel und Zirkus mit deiner Musik vermischen, du kannst Videos machen zu deinen Songs, du kannst dein Album-Artwork und Poster selbst machen. Du hast viele Möglichkeiten, mit verschiedenen Medien zu arbeiten.“

Manchmal könne es, durch Organisation, Bürokratie und die vielen notwendigen Aufgaben „rundherum“, auch stressig werden, meint Edelweiss. „Ich wünschte, ich könnte die ganze Zeit an meiner Kunst arbeiten. Doch auch wenn es manchmal anstrengend ist: Ich könnte mir nichts anderes vorstellen.“