Turbulente Komödie der Volksbühne. Mit der Posse „Boeing Boeing“ landet die Volksbühne eine Lachparade, die vor allem dem Können der Schauspieler geschuldet ist.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 15. November 2016 (16:17)
Womanizer Bernhard (Alexander Riess) nimmt seine Hauptfreundin Heidi (Barbara Lueger) hopp.
Leo Lugmayr

Michael Kesslers Komödie „Boeing Boeing“ ist viel erprobt und oft gespielt. Eine Bank im Publikumsgusto, wie der Spieler oder Programmmacher sagen könnte. Mitnichten! Schlecht gemacht, könnte das Stück leicht zur allzu seichten Farce werden. Aber nicht, wenn sich Waidhofens Volksbühne des Stücks annimmt. Was das Schauspieler-Sextett aus dem natürlich als oberflächliche Unterhaltung angelegten Stück macht, ist einfach eine Sensation!

Ein toller Ensemble-Erfolg: Silke Michels, Barbara Lueger, Michael Elsner, Regisseurin Uschi Nocchieri, Alexander Riess, Nicole Kronsteiner, Sabine Halbwirth und Regieassistentin Tamara Elsner (v.l.)
NOEN

Eigentlich müsste man in der Besprechung der Charaktere mit den Damen beginnen, was diese auch verdient hätten. Nicht die Unhöflichkeit, sondern die Begeisterung gebietet, dies hier auf den Kopf zu stellen und Michael Elsner als ersten in den Fokus zu rücken. Wenn er (Bernhard) als verschrobenes Müttersöhnchen bei ersten Gehversuchen auf dem erotischen Parkett an eine Domina gerät, dann setzt er das schauspielerisch, körpersprachlich und kostümistisch (Wer hat bitte diese Hose gefunden?) derart charaktertreu um, dass es eine Wucht ist.

Wenn Wiebke (Halbwirt) lockt, kann Robert ( Elsner) nicht widerstehen.
NOEN

Ihm stehen die drei Stewardessen Heidi (Barbara Lueger), Wiebke (Sabine Halbwirth) und Desiree (Nicole Kronsteiner) schauspielerisch in keiner Weise nach. Herzlich, erfrischend und mit Pfiff setzen sie Uschi Nocchieris und Tamara Elsners Regiekonzept um.

Ebenfalls ein Hammer als esoterische Magierin auf Selbstfindungstrip ist Silke Michels in der Rolle der Ruth, die sie alles andere als eindimensional anlegt. Bleibt der Darsteller, um den sich der Liebesreigen eigentlich dreht: Im Brotberuf Banker, in der Lebensauffassung Playboy - bei der Rolle des Machos tut er sich nicht schwer - macht Alexander Riess in Erfolg und Niederlage seines Lebenskonzeptes gleichermaßen beste Figur. Das Resümee ist einfach: Sehenswert für jeden, der leichte Kost auf hohem schauspielerischen Niveau sucht und einen Abend lang herzhaft lachen möchte.