[A:Bua]-Preisträger Helge Stiegler im Portrait

Erstellt am 23. Januar 2022 | 06:43
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8263371_ybb03wai_abua_helge_stiegler3.jpg
Helge Stiegler widmet sich als Musiker, Lehrender und Instrumentenbauer der Blockflöte und der Alten Musik.
Foto: Viktor Brazdil
Blockflötenspezialist Helge Stiegler erhielt den Kulturpreis der Stadt Waidhofen/Ybbs.
Werbung
Anzeige

Wie jedes Jahr vergab die Stadt Waidhofen auch Ende 2021 wieder den [a:bua]-Preis für besondere Leistungen in den Bereichen Sport, Kultur, Zukunft und Soziales. Die NÖN will die Preisträger nun in den nächsten Wochen näher vorstellen. Diese Woche unterhielten wir uns mit dem Kulturpreisträger Helge Stiegler.

Helge Stiegler wurde in Waidhofen geboren und besuchte hier die Volksschule und später das Gymnasium. Er erhielt Unterricht in Blockflöte und später Klarinette und wirkte bei verschiedenen Ensembles mit. Im Alter von 16 Jahren kam er schließlich mit seinem zukünftigen Lehrer Hans Maria Kneihs in Kontakt, der an der damaligen Hochschule für Musik unterrichtete. „Er hat mein musikalisches Talent für die Hochschule entdeckt“, erinnert sich Stiegler. Er wechselte also an ein Gymnasium in Wien und begann daneben an der Hochschule für Musik Blockflöte und Fagott zu studieren. Speziell das Studium der Blockflöte begeisterte ihn sehr, auch in Verbindung mit dem damals gerade erwachenden Interesse an Alter Musik. „Das war auch eine Bewegung gegen den etablierten Musikbetrieb“, erzählt Stiegler, „die Alte Musik war zunächst nicht hoffähig, das kam nicht in den großen Konzerthäusern der Welt vor.“ Neben der Musik an sich waren es aber auch die damit einhergehenden sozialen Fragen, die ihn faszinierten: „Die Wiederentdeckung der Alten Musik, Noten finden, Instrumente vermessen – das war das eine, der Widerstand gegen das Esta blishment war für mich aber auch eine große Motivation!“ Besonders markant in Erinnerung geblieben ist ihm aus dieser Zeit auch ein Auftritt im Rahmen der Besetzung des St. Marxer Schlachthofs 1976. „Wir spielten da mit unserem Mittelalterensemble zwischen den ganzen Rockgruppen, das war schon eine tolle Erfahrung“, lacht Stiegler.

Vom Professor zum Instrumentenbauer

Nachdem er sein Studium mit Auszeichnung absolvierte, bekam Stiegler auch umgehend einen Posten angeboten und unterrichtete in der Folge von 1979 bis 2021 an der Hochschule und späteren Musikuniversität. Sein Interesse an Alter Musik in Verbindung mit einem Mangel an Verfügbarkeitadäquater Instrumente ließen Stiegler schließlich auch sein handwerkliches Talent entdecken. Er begann sich für Flötenbau zu interessieren, half und lernte bei Flötenbauern in Kanada und den Vereinigten Staaten und eröffnete bald eine eigene Blockflötenwerkstatt. Die ersten Jahre führte er diese in Waidhofen, ab 1980 dann in Weyer. Dort übernahmen seine Frau und er auch deren elterliche Landwirtschaft und setzten damit bereits vor 40 Jahren Maßstäbe im Bereich Bio-Landwirtschaft. „Das war zu einer Zeit als man als Bio-Bauer noch belächelt wurde, heute ist das ja schon etabliert“, erinnert sich Stiegler.

Langjährige Verbindung zum Kulturleben Waidhofens

Auf die Rolle Waidhofens in seiner Karriere angesprochen, meint Stiegler, dass er hier immer ein unterstützendes Klima vorgefunden habe. „Es gab damals schon eine gewisse Bewegung von Berufsmusikern aus Waidhofen, zum Beispiel Rainer Küchl oder auch verschiedene Symphoniker und Philharmoniker. Da war so die Stimmung, dass man als Berufsmusiker sein Geld verdienen konnte. Das war für mich schon auch ausschlaggebend, ohne diese Stimmung wäre ich wahrscheinlich nicht so leicht nach Wien gegangen.“ Diese kulturfreundliche Stimmung hätte sich auch durch die Förderung kultureller Projekte gezeigt. „Man konnte hier sehr leicht Projekte mit Alter Musik machen“, erklärt Stiegler, „In der Rückschau war die Umgebung in Waidhofen mit den Verantwortlichen in Musikschule und Stadtregierung sehr wichtig als Förderprogramm. Nicht nur für mich persönlich, sondern als allgemeines Klima.“

Trotz seines langjährigen Einsatzes für das Kulturleben der Region kam die Nachricht über den Erhalt des [a:bua]-Preises überraschend: „Ich konnte es gar nicht so richtig glauben, als ich den Anruf vom Bürgermeister bekam. Es freut mich aber sehr, weil meine Verbindung zu Waidhofen schon eine sehr spezielle ist. Wenn diese jahrelange kulturelle Tätigkeit gewürdigt wird, ist das schon sehr schön.“ Helge Stiegler freut sich über die Auszeichnung und hofft, sie bald persönlich entgegennehmen zu können. „Schade ist nur, dass die Verleihung bisher durch Corona vereitelt wurde, da würde ich mich schon darauf freuen“, lacht der Preisträger.

Weiterlesen nach der Werbung