Bürgermeister Werner Krammer: „Werden Waidhofner Weg fortsetzen“

Waidhofens Bürgermeister Werner Krammer (WVP) über die bevorstehende Gemeinderatswahl, Corona, Impfdebatte und Klimaschutz.

Erstellt am 26. November 2021 | 06:04
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Bürgermeister Werner Krammer ist bereit, am 30. Jänner bei der Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat der Waidhofner Volkspartei ins Rennen zu gehen. Der Stadtchef möchte den „Waidhofner Weg“ des Miteinanders fortsetzen.
Foto: Magistrat

NÖN: Werden Sie bei der Gemeinderatswahl im Jänner wieder als Spitzenkandidat für die WVP ins Rennen gehen?

Bürgermeister Werner Krammer: Es gibt noch keinen offiziellen Beschluss, aber wenn mich die WVP als Spitzenkandidat nominiert, werde ich das gerne wieder machen.

Gibt es viele Abgänge im WVP-Team und wie schaut es mit Neuzugängen aus?

Krammer: Es gibt einige altgediente Mandatare, die gesagt haben, dass es Zeit für sie ist, Platz zu machen. Also ja, es wird Veränderungen geben. Wir haben aber bereits ein sehr vielseitiges Team vor Augen. Es schaut so aus, als könnten wir mit diesem Kurs, den wir in Waidhofen pflegen – dieses Nicht-Miteinander-Streiten, dieses Konsens-Suchen und Im-Dialog-Bleiben – viele Leute ansprechen. Das ist sehr positiv.

Wann werden die Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderatswahl präsentiert?

Krammer: Es ist in Waidhofen eine gut bewährte Tradition, dass wir bis zum Schluss arbeiten und erst im Neuen Jahr nach dem Drei-Königs-Tag die Werbung für die Gemeinderatswahl losgeht. Die Menschen schätzen es, dass wir die Phase der Wahlwerbung sehr kurz halten, um schnellstmöglich wieder mit vollem Einsatz für die Stadt arbeiten zu können. Aber natürlich braucht es diese Zeit auch, um sich zu präsentieren und zu zeigen, wie die Konzepte und Ideen für die nächsten fünf Jahre aussehen.

Bei der letzten Gemeinderatswahl 2017 konnten Sie mit der WVP stark zulegen. Wie sieht das Ziel für 2022 aus?

Krammer: Wenn man sich vor Augen hält, wie sich die politische Lage allgemein in den letzten Jahren, Monaten und Wochen geändert hat, insbesondere durch die Corona-Krise, aber auch durch diverse Streitigkeiten im Bund, dann sieht man, wie schnelllebig unsere Zeit ist. Zudem ändert sich die Bevölkerung in der Gemeinde von Jahr zu Jahr. Es gibt Zuzug und es gibt Abwanderung. Deshalb werde ich mich nicht auf Zahlen festlegen. Ziel ist, dass uns möglichst viele Waidhofnerinnen und Waidhofner unterstützen und sagen, dass dieser Weg, den die Stadt in den letzten sieben Jahren, in denen ich Bürgermeister sein durfte, genommen hat, ein gemeinsamer Weg in die Zukunft ist. Im Vordergrund steht weiterhin das Miteinander. Das sage ich nicht nur, das tue ich auch.

Zuletzt wurde allerdings seitens des politischen Mitbewerbs das fehlende Miteinander bemängelt.

Krammer: Genau genommen gab es nur von der Liste FUFU Kritik. Da wurden das eine oder andere Mal Irritationen hochgespült, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. In den letzten fünf Jahren waren von etwa 860 Gemeinderatsbeschlüssen 80 Prozent einstimmig. Nur 34 wurden alleine mit den Stimmen der WVP gefasst. Das zeigt, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Diesen Waidhofner Weg werden wir auch weiter fortsetzen. Dass es zu manchen Themen unterschiedliche Meinungen gibt, davon lebt eine Demokratie. Man kann uns oder mir aber nicht vorwerfen, dass wir nicht permanent darum bemüht sind, einen Konsens zu suchen. Meine Hand ist und bleibt ausgestreckt.

Wie es ausschaut, wird bei der Gemeinderatswahl mit der MFG ein neuer politischer Mitbewerber dazukommen. Wie bewerten Sie dieses Polit-Engagement der Impfskeptiker?

Krammer: Fakt ist, dass uns die Corona-Krise vor gewaltige Herausforderungen stellt. Auf Gemeindeebene kann ich dazu nur auf Umwegen beitragen. So schaffen wir in Waidhofen gemeinsam mit den Ärzten ein für jeden leicht erreichbares Impfangebot und bieten mit unseren Apotheken Testmöglichkeiten an, wie sie die umliegenden Gemeinden nicht mal im Ansatz zusammenbringen. Mich würde freuen, wenn die Waidhofnerinnen und Waidhofner erkennen, was auf Gemeindeebene relevant ist und was auf einer Ebene liegt, die wir nicht beeinflussen können. Das betrifft die Pandemie, das betrifft aber auch das Klima. Auf beiden Ebenen tun wir alles, was in unseren Möglichkeiten liegt.

Die Impffrage polarisiert derzeit gewaltig. Was kann die Kommunalpolitik tun, um entgegenzuwirken und vielleicht doch noch eine Erhöhung der Impfquote zu erzielen?

Krammer: Ich habe zuletzt viele Gespräche geführt und dabei hat sich bei mir der Gedanke verfestigt, dass es in einer Stadt wie Waidhofen keinen Sinn hat, geimpft und ungeimpft gegeneinander auszuspielen. Wir müssen auch jetzt darauf schauen, was uns eint. Es steht außer Frage, dass man mit der Impfung einen ganz wichtigen Beitrag, nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Sicherheit der Gesellschaft, leistet. Aber man muss vorsichtig sein, was die Menschen dazu führt, dass sie dieser Impfung skeptisch gegenüberstehen. Manche wird man mit nichts erreichen können, aber jene, die aus verschiedensten Gründen zögern, mit denen muss man sprechen und ihnen zuhören.

Zum Klimaschutz: Waidhofen hat im letzten Jahr ein Klimamanifest verabschiedet. Wie geht es jetzt weiter?

Krammer: Das Klimamanifest war der Beginn, bei dem wir uns überlegt haben, was wir als Stadt in Sachen Klimaschutz machen können. Da haben wir innerhalb kürzester Zeit viele wichtige Schritte vorwärts gemacht. Nun haben wir uns dazu entschlossen, e5-Gemeinde zu werden. Damit sind wir in einem europäischen Klimaschutz- und Energieprogramm, das ganz konkrete Maßnahmen zur Umsetzung entsprechender Ziele fordert. Es freut mich, dass da der gesamte Gemeinderat dahintersteht. Die Klimaschutzziele müssen unser Handeln und Denken in den nächsten Jahrzehnten bestimmen. Es darf keine Entscheidung geben, wo der Klimaschutz nicht mitgedacht wird.

Wo gilt es jetzt ganz konkret aktiv zu werden?

Krammer: Das sind insbesondere zwei Felder. Das eine ist die Mobilität. Hier haben wir in Waidhofen mit einem klaren Bekenntnis zum Radwegnetzausbau und mit Mobilitätslösungen, die weg vom CO₂-emissionsorientieren Individualverkehr gehen, gute Impulse gesetzt. Wir sind uns aber bewusst, dass sich diese Maßnahmen nicht auf Waidhofen beschränken dürfen, sondern auch in die Region hinausgreifen müssen. Das ist der nächste Punkt, an dem wir arbeiten. Gerade im ländlichen Raum muss man innovative Lösungen finden – wie beispielsweise die Emil-Dorfbussysteme – und kann nicht die Stadtschablone darüberlegen. Dann kann man auch die Menschen mitnehmen.

Welches ist das zweite Feld?

Krammer: Das betrifft den Umgang mit Wachstum. Wir haben uns 2015 als Gemeinde zu einem qualitativen, nachhaltigen Wachstum bei Arbeitsplätzen, bei Tourismus-Gästen und bei Hauptwohnsitzen bekannt. Dafür braucht es aber auch ein entsprechendes Angebot. Beim Tourismus setzen wir auf sanften Tourismus. Mit dem Ybbstalradweg oder den Angeboten in den Ybbstaler Alpen haben wir hier etwas zu bieten, das auch angenommen wird. Da gilt es dranzubleiben und dieses Angebot zu verbessern.

Und was die Arbeitsplätze betrifft?

Krammer: Wir sind österreichweit ein nicht zu vernachlässigender Produktionsstandort und wir haben ein gründerfreundliches Umfeld. In der Vergangenheit konnten wir die Entwicklung großer Betriebe ermöglichen, weil wir Flächen zu Verfügung gestellt haben. Aber wir haben auch Klein- und Mittelbetriebe, die wachsen wollen und müssen. Mit den beiden neuen Betriebsgebieten in Kreilhof und Gstadt, die wir interkommunal und mit ökologischen Ansprüchen entwickelt haben, haben wir dafür Möglichkeiten geschaffen. Wenn es wiederum Arbeitsplätze gibt, dann kommt auch das Wachstum bei den Hauptwohnsitzen. Im Wohnbereich haben wir zeitgemäße nachhaltige Konzepte entwickelt. Dabei geht es um Nachverdichtung im Stadtgebiet. Mit den Wohnprojekten am beta campus, beim Lokalbahnhof und in der Hammergasse werden diese Konzepte nun umgesetzt. Und auch in den Ortsteilen muss behutsame zeitgemäße Siedlungsentwicklung möglich sein. Wir feiern 2022 „50 Jahre Stadt und Land“. Wir zeigen also schon lange, wie man zusammenführt, wo andere Gegensätze sehen. Ich bin sicher: Miteinander schaffen wir das auch in anderen Bereichen: bei Wirtschaft und Lebensqualität, bei Entwicklung und Klimaschutz und im Bereich Mobilität. Das ist es, was Leben voller Möglichkeiten meint.