Club 598: Auf der Suche nach Unterkunft für Dampflok . NÖVOG gibt Club 598 bis Ende 2018 Zeit, um Unterkunft für Lok zu finden.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 28. Februar 2018 (05:01)
Die Vereinsmitglieder des Club 598 waren nach der Gerichtsverhandlung zuversichtlich, eine Lösung zu finden: Obmann-Stellvertreter Peter Stiftner, Kassierin Elsa Zierlinger, Obmann Siegfried Nykodem, Schriftführer Josef Lettner, Renate Wachauer und Karl Piaty (v.l.).
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Eine neue Remise für ihre Dampflokomotive Yv.2 benötigen die Eisenbahnfreunde vom Club 598. Zur Zeit befindet sich das Dampfross aus dem Jahr 1896 noch in einem Schuppen am Areal des Waidhofner Hauptbahnhofs.

Die Landesverkehrsgesellschaft NÖVOG, der das Gelände gehört, fordert jedoch die Räumung und hat deshalb Ende September des Vorjahrs eine Klage gegen den Verein eingebracht. Eine erste Gerichtsverhandlung im November endete mit einer Vertagung. Die Eisenbahn-Nostalgiker bekamen drei Monate Zeit, um sich zu überlegen, wo sie ihre Geräte hinschaffen könnten. Die NÖN berichtete.

Richter Reinhard Stöckler plädierte für eine vernünftige Räumungsfrist.
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Am Donnerstag der Vorwoche trafen Club 598 und NÖVOG nun erneut am Bezirksgericht Waidhofen aufeinander. Eine fertige Lösung konnten die Eisenbahnfreunde bei der Verhandlung jedoch nicht vorlegen. Stattdessen hatte man ein Schreiben des Bundesdenkmalamts, das den hohen historischen Wert der Lokomotive bestätigte, und vier Vorschläge für einen möglichen Standort entlang der Strecke der ehemaligen Ybbstalbahn in der Tasche. Präferiert wird das Areal um den Lokalbahnhof. Nach dem Aus des Sicherheitszentrums habe sich hier nun eine neue Situation ergeben, sagte Club-598-Anwalt Ludwig Redtensteiner.

Richter Reinhard Stöckler forderte jedoch eine konkrete Lösung. Die Sache gehöre jetzt geregelt und nicht in ein paar Monaten, sagte er. „Die Räumungsklage ist so etwas von berechtigt. Die klagende Partei hat eh schon zugewartet. Jetzt wieder ein bis zwei Jahre Aufschub zu verlangen, ist völlig unzumutbar. Ich schlage vor, eine vernünftige Räumungsfrist zu finden.“

Exekution mit Anfang 2019 möglich

Dies gelang letztendlich in einem Vergleich. Die Verkehrsgesellschaft, vertreten durch den St. Pöltner Rechtsanwalt Friedrich Nusterer, gewährte den Eisenbahnfreunden eine Frist bis Jahresende, um das Areal zu räumen. Der Club 598 sicherte im Gegenzug zu, auf jeglichen Räumungsaufschub zu verzichten. Nach Verstreichen dieser Frist hat die NÖVOG dann noch sechs Monate Zeit, um einen Exekutionsantrag einzubringen.

Richter Stöckler ermahnte die Eisenbahnfreunde dazu, das Jahr zu nutzen, um eine Lösung zu finden. Die NÖVOG werde wohl nicht gleich nach Fristende die Exekution beantragen, müsse diese aber durchgeführt werden, so werde dies für den Verein teuer werden.

NÖVOG-Anwalt Nusterer hielt fest: „Wenn sich nun eine Lösung aus der Lokalpolitik entwickelt, wird sich die NÖVOG dagegen sicher nicht verschließen.“ Man stehe selbstverständlich gerne für Gespräche zur Verfügung, heißt es seitens der NÖVOG. Klar sei aber, dass die widerrechtliche Nutzung des Gleises beendet werden müsse.

Beim Club 598 ist man mit dem Vergleich zufrieden. Nun geht es darum, eine Bleibe zu finden. Dabei verweist man auf ein Schreiben von Bürgermeister Werner Krammer, in welchem der Waidhofner Stadtchef angibt, dass sich die Stadt bei der Lösungsfindung einbringen werde. Minimalvariante für die Bahnfreunde wäre eine Verwahrungsstätte für die Lokomotiven samt einer kleinen Werkstatt. Gewünscht wird freilich nach wie vor ein Platz, an dem man ein Eisenbahnmuseum realisieren kann, wo die Dampflok – zumindest auf einem kurzen Schienenstrang – dann auch verkehren kann.

2013 wurde die Dampflok Yv.2 zum Hauptbahnhof überstellt. Bis Ende 2018 muss sie nun endgültig von dort weggebracht werden.
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„Wir wollen den letzten Rest des Kulturerbes Ybbstalbahn erhalten“, sagt Club-598-Obmann Siegfried Nykodem. „Sobald wir ein Grundstück haben, wird geräumt.“ Vier Alternativen haben die Bahnfreunde dabei im Auge. Für den besten Standort hält man den schon erwähnten Lokalbahnhof. Hier hat man ein Grundstück zwischen den Bahngleisen der Citybahn und dem Buchenberg im Auge.

Eine zweite Möglichkeit sieht man am Hauptbahnhof zwischen den Gleisen der Citybahn und jenen der Rudolfsbahn, wo es noch Schmalspurbahngleise gibt. Als dritte Alternative wird der Bereich beim Bahnhof Gstadt in Richtung Ybbsitz genannt. Auch hier sind noch Gleise der Ybbstalbahn vorhanden. Dabei verweist man darauf, dass der Obmann des Gemeindeverbandes Ybbstalradweg, der Lunzer Bürgermeister Martin Ploderer (ÖVP), das sechs Meter breite Trassenband zwischen Ybbsitz und Gstadt den Bahnfreunden einst zur Verfügung gestellt habe. Eine vierte Möglichkeit für ein Eisenbahnmuseum sieht man am Bahnhof Ybbsitz.