Defensio in Zeiten der Coronakrise. Der Waidhofner Pirmin Schwarenthorer legte im April seine Abschlussprüfung nach dem Doktoratsstudium ab – mit Schutzmaske.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 28. Mai 2020 (03:46)
Der Waidhofner Pirmin Schwarenthorer (links) legte an der Wirtschaftsuniversität seine Defensio ab. Mit dabei – natürlich alle in Schutzmasken – waren die beiden Gutachter Gerald Reiner (Mitte) und Schwarenthorers „Doktorvater“ Alfred Taudes (rechts).
Schwarenthorer

Seine Doktorarbeit hinter einer Schutzmaske verteidigt zu haben – das können nicht viele von sich behaupten. Einer, der wahrscheinlich sein Leben lang auf diese Erinnerung zurückblicken können wird, ist Pirmin Schwarenthorer. Der 31-jährige Waidhofner, der zurzeit als Area Manager (Abteilungsleiter) in einem Wiener Unternehmen im Consulting tätig ist, legte am 17. April seine Defensio Dissertationis (seine Abschlussprüfung nach dem Doktoratsstudium) an der Wirtschaftsuniversität Wien ab – einen Monat später als ursprünglich geplant.

„Eigentlich war der Termin für meine Defensio am Montag, 16. März, angesetzt gewesen“, erzählt Schwarenthorer. „In der Woche davor war ich noch mit meinem ‚Doktorvater‘ Alfred Taudes in Kontakt und wir hielten damals beide eine Durchführung nach Plan für möglich.“ Drei Tage vor dem Lockdown, am 13. März, wurde vom Rektorat jedoch eine E-Mail an alle Studenten ausgeschickt, dass sämtliche Prüfungen abgesagt werden müssen. „Die neue Terminfindung gestaltete sich als etwas aufwendig, da keiner genau wusste, wann die Wirtschaftsuniversität Wien die Ablegung einer Defensio wieder gestattet“, sagt Schwarenthorer.

Schließlich wurde dann mit dem 17. April ein neuer Termin gefunden. „Bis dahin war es eine sehr ungewisse Zeit, da ich nicht wusste, ob der neue Termin binnen Tagen, Wochen oder Monaten stattfinden wird“, erzählt der Waidhofner. Bei der Defensio selbst, die dann an der Wirtschaftsuniversität Wien stattfand, befanden sich neben Schwarenthorer selbst auch noch die beiden Gutachter Al fred Taudes und Gerald Reiner, beide habilitierte Professoren der Wirtschaftsuniversität, physisch vor Ort. Ein dritter Gutachter, Friedrich Bleicher von der Technischen Universität Wien, wurde per Skype hinzugeschaltet. Alle Gutachter hätten aber auch die Option gehabt, nur per Skype bei der Prüfung dabei zu sein. „Die ganze Angelegenheit dauerte eineinhalb Stunden – eine sehr lange und anstrengende Zeit, wenn man hinter der Maske sprechen muss“, sagt Schwarenthorer.

Jobs führten bereits rund um die Welt

Umso größer ist jetzt natürlich die Freude, den Doktortitel in der Tasche zu haben. Schwarenthorer, der in Waidhofen lebt und in Wien arbeitet, schloss auch bereits das Bachelorstudium Betriebswirtschaftslehre und den englischsprachigen Master „Supply Chain Management“ an der Wirtschaftsuniversität Wien ab. Im Rahmen seiner Doktorarbeit beschrieb Schwaren

thorer eine von ihm selbst entwickelte Methode, mit der Unternehmensumsätze besser vorhergesagt werden können als mit konventionellen Methoden.

Durch seine Studien begleitet haben Schwarenthorer stets „interessante und zeitaufwendige Jobs, die mich um die ganze Welt führten“, erzählt er. So war er zum Beispiel zwischen seinem Bachelor- und Masterstudium sechs Monate lang in Kapstadt und Johannesburg (Südafrika) für ein internationales Unternehmen tätig. Außerdem begleitete er renommierte Volleyballteams wie die Schwaiger Sisters oder Doppler/Horst im Österreichischen Volleyballverband. „Gerade die Zusammenarbeit bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro war dabei sehr prägend“, erinnert sich Schwarenthorer zurück. „Spannend waren auch meine Einsätze als Sequence Manager bei mehreren Formel-1-Rennen rund um die Welt, wo ich direkt in der Boxengasse das Renngeschehen hautnah miterleben durfte.“