E.M.S.: Empowerment durch Punk. Von 1993 bis 2002 prägte die Punk-/Hardcore-Formation E.M.S. die lokale Musikszene maßgeblich. Die NÖN sprach mit Sänger und Gitarristen Alfred Wihalm.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 28. November 2020 (15:05)

Eat My Shorts – dafür stand das Akronym „E.M.S.“, als die Ybbstaler Band 1993 von Alfred Wihalm, Martin Niedermayr, Markus Freudenthaler und Bernhard Voglauer in Waidhofen gegründet wurde. Sie verschrieb sich zu Beginn vor allem dem Melody Punk. So wurden unter anderem Cover-Songs von Bad Religion gespielt, aber es wurde auch schon an eigenen Stücken gearbeitet. Musikalische Vorbilder waren zu dieser Zeit neben Bad Religion andere melodiöse Punk-Bands wie Minor Threat, MDC, No Means No und Dead Kennedys.

Neben dem Wunsch, Musik zu machen, die einem auch selbst gefällt, waren von Anfang an auch die politische Komponente von Punk und das Element der Selbstermächtigung äußerst wichtig, wie sich Alfred Wihalm erinnert: „Dieses Empowerment, auch ohne es gelernt zu haben, Musik zu machen, war eigentlich von Anfang an irgendwie als Selbstverständnis vorhanden“, erzählt er. „Dann hat sich eben unser Musikgeschmack in Richtung Punk entwickelt, und da sind wir schon ziemlich reingekippt. Natürlich war auch in erster Linie die Freude an der Musik wichtig, das ist aber dann Hand in Hand gegangen mit einer Motivation für Bewusstseinsbildung und der politischen Ebene von Punk.“

„Die Freude an der Musik ist Hand in Hand gegangen mit einer Motivation für Bewusstseinsbildung durch Punk.“ Alfred Wihalm (Gitarrist und Sänger von E.M.S.)

Einige Labels und Mail-Order-Vertriebe wurden für die weitere Entwicklung der Band sehr wichtig, wie Alfred Wihalm erzählt: „Das war in erster Linie ‚Sacro Egoismo‘, ein Do-it-yourself-Punk/Hardcore-Mailorder, dessen Katalog ich auf seinem Stand am Seewiesenfest 1992 entdeckt hab. Ab da ist das Eintauchen in diese Szene für mich voll losgegangen.“ Ebenfalls am Seewiesenfest 1992/93 entdeckt habe Wihalm das ähnlich gelagerte Label Trost. Durch diese Kontakte lernten die Bandmitglieder auch viele neue Bands, die abseits von Mainstream und üblichen Vermarktungsstrukturen der Musikindustrie existierten, kennen und entwickelten früh ein Bewusstsein für den Do-it-yourself-Gedanken, linke Politik und autonome Strukturen.

Musik wurde düsterer und härter

In den frühen Jahren waren E.M.S. Teil einer aktiven, regionalen Szene, die selbstorganisiert war und hauptsächlich in Festsälen von Landwirtshäusern ihre eigenen Konzerte veranstaltete. Nach einigen Jahren des Bestehens wurde die Musik der Band härter und düsterer und orientierte sich mehr an Spielarten des Hardcore als an Melody Punk. Der Bandname wurde in Ego Means Survival umgeändert bzw. oft nur mehr mit den Initialen E.M.S. angegeben.

Die meisten Bandmitglieder zogen Ende der 90er-Jahre nach Wien. Sänger Alfred Wihalm stieg auch bei der befreundeten Band Radikalkur ein und begann, im Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) Konzerte zu organisieren. Dies wiederum inspirierte die Ybbstaler Band, selbst auch mehr zu veranstalten: „Wir haben dann auch relativ schnell angefangen, im Jugendzentrum Bagger in Waidhofen Veranstaltungen zu planen“, erinnert sich Wihalm. „Das haben wir dann zwei Jahre mit einer gewissen Regelmäßigkeit auch gemacht.“ Diese Konzertabende wurden prägend für eine Generation von musikinteressierten Jugendlichen in Waidhofen und Umgebung, die dadurch einen Zugang zur internationalen Do-it-yourself-Szene gewann.

E.M.S. tourten zu dieser Zeit häufig durch Österreich und das benachbarte Ausland, wobei vor allem das Netzwerk an Do-it-yourself-Labels, besetzten Häusern und Autonomen Zentren als Auftrittsorte wichtig war. Die letzte Tour der Band dauerte mehr als zwei Wochen lang und führte durch fast alle Nachbarländer Österreichs.

2001 übernahm Daniel Buder den Posten des Bassisten von Bernhard Voglauer und Harald Grossberger kam als zweiter Gitarrist hinzu, wodurch sich Al fred Wihalm gänzlich dem Gesang widmen konnte. 2002 löste sich die Band auf, ein paar Jahre später gab es aber noch einen gemeinsamen Auftritt beim EKH-Hoffest.

Nach einer 18-jährigen Pause besteht E.M.S. seit Anfang 2020 nun wieder als Band. Nach einem Auftritt im Weißen Rössl in Waidhofen im vergangenen Februar wurden weitere Live-Pläne von der Corona-Pandemie allerdings vorerst verhindert – man darf allerdings auf die Zeit danach gespannt sein. Bis dahin können alle Veröffentlichungen der Band auf deren Bandcamp-Seite gestreamt und heruntergeladen werden.