Eisenbahn: Schauwerkstätte in Sicht. Eisenbahnmuseum des Clubs 598 beim Lokalbahnhof soll Realität werden. Entscheidung am 1. Februar

Von Andreas Kössl. Erstellt am 23. Januar 2019 (05:01)
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Die letzten zehn Jahre waren für die Eisenbahnfreunde im Ybbstal nicht gerade leicht. Nachdem die Ybbstalbahn aufgelassen und die Gleise zum Gutteil abgetragen waren, blieb nicht mehr viel, was an die über 100 Jahre alte Schmalspurbahn gemahnte.

Trotz aller Widrigkeiten hielten die Eisenbahnnostalgiker vom Club 598 an der Bewahrung des Kulturerbes jedoch ungehindert fest. Diese Hartnäckigkeit macht sich nun bezahlt. So konnte mit der Landesverkehrsgesellschaft NÖVOG ein Kompromiss über den Verbleib der historischen Gerätschaften des Waidhofner Vereins beim Hauptbahnhof erzielt werden. Die drohende Exekution ist damit vom Tisch.

„Im Einvernehmen mit der NÖVOG dürfen wir unsere fünf Fahrzeuge am Hauptbahnhof stehen lassen und können hier auch arbeiten“, zeigt sich Club-598-Obmann Siegfried Nykodem erleichtert. Auch die mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Dampflok Yv.2 des Vereins aus dem Jahr 1896 darf bleiben.

Ein Lichtblick tut sich für die Eisenbahnfreunde auch in Sachen Eisenbahnmuseum auf. Schon lange träumt der Club 598 von einer Schauwerkstätte, in der Restaurationsarbeiten durchgeführt werden. Beim Lokalbahnhof könnte dieses Projekt nun Wirklichkeit werden. Die Stadt hat hier von der NÖVOG ein Grundstück gekauft, welches sie den Eisenbahnfreunden zur Verfügung stellen würde.

„Dieses unmittelbar neben den Gleisen gelegene Grundstück wäre für eine solche Schauwerkstätte gut geeignet“, sagt Bürgermeister Werner Krammer. „Als Stadt wollen wir uns einem solchen Projekt nicht verschließen.“

Nostalgiebetrieb mit Dampflok in Lunz

Ein Nostalgiebetrieb mit der Dampflok auf der Citybahnstrecke wird jedoch wohl weiterhin ein Wunschtraum des Clubs 598 bleiben. „Das ist eine Sache, die mit der NÖVOG geklärt werden muss“, sagt der Stadtchef. „Bislang wurde ein touristischer Betrieb parallel zum öffentlichen Verkehr auf der Citybahnstrecke aber immer ausgeschlossen. Ich kann mir, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen, dass im Ortsgebiet von Waidhofen eine Dampflok fährt – mit all den Emissionen.“

Stattdessen könnten die Waidhofner Eisenbahnfreunde aber bald zwischen Lunz/See und Kienberg eine Möglichkeit für Nostalgiefahrten bekommen. Es zeichnet sich eine Lösung ab, bei der sich der Waidhofner Verein die Bergstrecke der Ybbstalbahn bald mit dem Ötscherland-Express der NÖ Lokalbahnen Betriebs GmbH (NÖLB) teilen wird. Zuerst müssen die Strecke freilich saniert und die Bahnhöfe in Kienberg und Lunz hergerichtet werden.

Alle Details zu den genannten Bahnlösungen sollen am 1. Fe-bruar bei einem Gespräch zwischen der Stadt Waidhofen, der Gemeinde Lunz/See, der NÖVOG, der Eisenstraße NÖ sowie allen künftigen Nutzern der Schieneninfrastruktur erörtert werden. In dem Bahnpaket beinhaltet ist auch das Vorhaben, das Mostviertler Schienenradl auf die Bahnstrecke zwischen Lunz/See und Stiegengraben zu verlagern. „Dieses Gesamtpaket ist nicht unattraktiv, auch dank der in Aussicht gestellten Unterstützung des Landes NÖ“, sagt Bürgermeister Krammer. „Allerdings gibt es gewisse Bedingungen. Am 1. Februar werden wir Nägel mit Köpfen machen.“

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Chronologie Club 598

  • Seit 1974 hat der Club 598 seine historischen Lokomotiven in einem Schuppen am Areal beim Waidhofner Lokalbahnhof eingestellt. Schon 2012 wollen die Eisenbahnfreunde hier ein Eisenbahnmuseum errichten.
  • Wegen des geplanten Sicherheitszentrums soll der Verein das Gelände bis Ende 2012 räumen. Die Frist verstreicht und wird mehrmals verschoben, bis die NÖVOG dem Club 598 mit 15. Oktober 2013 eine Deadline setzt.
  • Einigung in letzter Minute: Der Club 598 sagt zu, das Grundstück bis 30. November zu räumen, im Gegenzug darf er seine Gerätschaften bis Herbst 2014 beim Hauptbahnhof unterbringen.
  • Der Club 598 bringt den Bahnhof Ybbsitz als Standort für ein Eisenbahnmuseum ins Spiel. Ende 2013 wird das Areal von der NÖVOG zum Verkauf ausgeschrieben. Die Gemeinde meldet ebenso wie ein den Bahnfreunden nahe stehendes Konsortium Interesse an.
  • Anfang 2014 startet der Abbau der Gleise der Ybbstalbahn im Oberen Ybbstal voll durch. Es kommt zu Protesten. Um den Gleisabbau fortführen zu können, sagt der Verein „Radwegverband Ybbstal“ den Bahnfreunden zu, das sechs Meter breite Trassenband zwischen Ybbsitz und Gstadt für eine etwaige Tourismusbahn nutzen zu dürfen.
  • Die Bahnfreunde dürfen noch ein Jahr am Bahnhof bleiben und arbeiten an einer Museumsbahn zwischen Waidhofen und Ybbsitz, auch wenn im Gurhof schon die Gleise fehlen. Eine Machbarkeitsstudie wird beauftragt.
  • 2015 erhält die Gemeinde den Zuschlag für den Bahnhof Ybbsitz. Die NÖVOG verlängert die Nutzung des Hauptbahnhof-Areals bis Herbst 2017.
  • Mitte 2017 werden die letzten Gleise zwischen Gstadt und Ybbsitz abmontiert. Dem Vorhaben, ihre Dampflok auf der Citybahnstrecke fahren zu lassen, erteilt die NÖVOG eine Absage.
  • Die NÖVOG bringt für das Hauptbahnhof-Areal eine Räumungsklage gegen den Club 598 ein. Der erste Gerichtstermin am 30. November 2017 endet mit einer Vertagung.
  • Im Februar 2018 willigt der Club 598 am Gericht ein, bis Jahresende seine Gerätschaften vom Areal zu entfernen, andernfalls droht 2019 die Exekution. Man sucht eine neue Bleibe.
  • Ende 2018: Die NÖVOG gestattet dem Club 598, das Hauptbahnhofsareal weiter zu nutzen.

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