Entlaufene Luchse wieder am Buchenberg gesichtet. Wildkamera machte bei Oberer Kapelle Aufnahmen von Cleo und Simba. Betäubungstrupp macht sich wieder auf Suche nach Tieren.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 12. September 2018 (05:00)
privat
Am Wochenende wurden die beiden Luchse wieder bei der Oberen Kapelle gesichtet. Eine Wildkamera machte Aufnahmen der Tiere. Hier handelt es sich um eine ältere Aufnahme von einem Spaziergänger.

Die aus dem Wildpark Buchenberg entlaufenen Luchse streifen nach wie vor am Buchenberg umher. Eine bei der Oberen Kapelle installierte Wildkamera hat am Wochenende Aufnahmen der beiden Tiere gemacht.

Davor gab es seit dem 29. August keinerlei Sichtungen von Luchsmutter Cleo und ihrem Jungen Simba. Sowohl Tierparkbetreiber Andreas Plachy als auch der Luchsexperte des Nationalparks Kalkalpen, Christian Fuxjäger, vermuteten noch Ende der Vorwoche, dass die Tiere den Buchenberg verlassen hatten und in ein größeres Waldgebiet weitergezogen waren. Schließlich gab es die letzten Sichtungen vor dem Wochenende bereits am Rande des Waidhofner Hausbergs bei der Grasbergstraße sowie in Atschreith.

Die jüngste Sichtung ändert nun das Vorgehen der Stadt in der Causa. Ursprünglich sollten die Schilder, die von einer Begehung des Buchenbergs abraten, Anfang der Woche entfernt werden. Nun bleiben sie vorerst stehen. „Die Experten haben uns gesagt, dass Luchse bei Regenwetter nicht gerne hervorkommen. Das dürfte der Grund gewesen sein, warum man sie jetzt länger nicht zu Gesicht bekommen hat“, sagt Bürgermeister Werner Krammer. „Unser oberstes Gebot ist es nach wie vor, die beiden Tiere wieder unbeschadet in den Tierpark zurückzubringen.“

Frist abgelaufen: Luchse sind nun Teil der Fauna

Mittlerweile abgelaufen ist die Frist, bis zu der die Luchse noch im Eigentum des Wildparks Buchenberg waren. Nun gelten sie als Teil der heimischen Fauna. Seitens der Stadt möchte man die Luchse aber dennoch einfangen. „Wir können die Situation nicht so belassen“, sagt Stadtchef Krammer. „Alle Experten haben uns davon abgeraten, die beiden Tiere in freier Wildbahn zu lassen. Schließlich handelt es sich um Gehegeluchse, die offensichtlich die Nähe zum Menschen suchen.“ Aus diesem Grund bleiben die Wildkameras am Waidhofner Hausberg nach wie vor installiert. Die Lebendfallen werden neu mit Fleisch bestückt.

Der Stadtchef kündigte auch an, ein weiteres Mal ein Team von Veterinärmedizinern mit Betäubungsgewehren losschicken zu wollen, um die Luchse einzufangen. Eine erste Suchaktion eines derartigen Trupps vor zwei Wochen verlief ohne Erfolg.

Kössl
Ursprünglich wollte die Stadt die Warnschilder Anfang der Woche wegräumen. Nach den Sichtungen am Wochenende wird aber nach wie vor vom Besuch des Buchenbergs abgeraten.

„Grundsätzlich sind Luchse Einzelgänger“, führt Luchsexperte Fuxjäger, der vom Tierpark in der Anfangsphase zur Unterstützung hinzugezogen worden war, gegenüber der NÖN aus. „Luchse haben aber gerne Luchse als Nachbarn. Ein Luchsrevier ist normalerweise 10.000 bis 15.000 Hektar groß, wobei sich zehn Prozent davon meist mit anderen Luchsen überlappen.“

Im Nationalpark Kalkalpen seien derzeit sechs Luchse unterwegs, berichtet Fuxjäger, zumindest einen gebe es im Wildnisgebiet Dürrenstein, möglich sei auch, dass Einzeltiere im Raum Hollenstein unterwegs seien. Gesicherte Daten gebe es hier aber nicht.

Plachy: Luchsgehege wurde aufgezwickt

Der Luchsexperte betont, dass es bislang keine Zwischenfälle mit Menschen gegeben habe. Bei Zwischenfällen mit Luchsen sei, wie zuletzt am Buchenberg, immer ein Hund im Spiel gewesen. „Das einzig Irritierende an den Luchsen am Buchenberg ist ihre geringe Fluchtdistanz“, sagt Fuxjäger. Bei einer Begegnung mit den Tieren rät er dazu, sich erst einmal zu freuen, bei der Beobachtung aber doch eine gewisse Distanz zu wahren.

„Für den Menschen sind die Luchse sicher keine Gefahr“, meint auch Tierparkbetreiber Plachy. „Wenn sie eine Gefahr darstellen, dann für freilaufende Hunde.“

Wie die Tiere aus ihrem Gehege entkommen sind, ist nach wie vor offen. „Es wurde ein 20 mal 20 Zentimeter großes Loch im Gehegezaun aufgezwickt. Das Luchsjunge ist da dann wahrscheinlich durchgeschlüpft und die Mutter dann – weil sie Angst um ihr Junges hatte – über den Zaun gehüpft“, sagt Plachy. „Wer das verursacht hat, wissen wir nicht. Wir hatten aber in den letzten Jahren mehrmals den Fall, dass unser Hirschgehege aufgezwickt worden ist.“