Erinnerungen einer 100-Jährigen: „Zufriedenes Leben ohne Luxus“

Auf über 100 Jahre Lebenserfahrung kann Aloisia H. zurückblicken.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 04:29
Lesezeit: 2 Min
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Die 100-jährige Aloisia H. blickt auf ein genügsames und zufriedenes Leben zurück.
Foto: PBZ Waidhofen.

Beim Besuch im Pflege- und Betreuungszen trum Waidhofen, in dem Aloisia H. (sie wollte nicht den Familiennamen in der Zeitung stehen haben) seit eineinhalb Jahren wohnt, erzählt die rüstige Dame, die im vergangenen Juni ihren 100. Geburtstag feierte und noch mehrmals in der Woche Spaziergänge macht, von ihrem oft beschwerlichen Lebensweg.

Als ledige Tochter waren nämlich vor hundert Jahren sowohl die Berufschancen für ihre Mutter als auch später für Frau Aloisa sehr schlecht. Freie Berufswahl gab es nicht, die einzige Möglichkeit war, als Dirn auf dem Bauernhof der Tante in Garsten zu arbeiten. Nach der Heirat folgte die Arbeit auf dem größeren Bauernhof des Schwiegervaters in Waidhofen, erst später konnte man sich ein sehr kleines Häuschen in Biberbach leisten. Ihren Mann verlor Frau Aloisia schon vor 30 Jahren.

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NÖN: Betrachtet man die Geschichte der letzten 100 Jahre, lässt sich erahnen, dass Sie viele Höhen und Tiefen erlebt haben. Es gab Krieg, gesellschaftlichen Wandel und rasanten technischen Fortschritt. Gibt es besonders prägende Erinnerungen?

Frau Aloisia H.: Das Leben war sparen, sparen, sparen. Seit ich 13 war, musste ich arbeiten. Es war harte Arbeit auf einem Bauernhof. Maschinen gab es nicht. Selbst zu Weihnachten gab es nichts ohne fragen. Um eine kleine Schnitte vom guten Brot zu bekommen, musste man aber fragen, sonst gab es nichts.

Hatten Sie als Kind oft Gelegenheit zum Spielen?

Aloisia H.: Spielzeug hatten wir eigentlich nicht. Aber einmal gab es zu Weihnachten einen Teddy. Das war ein Heiligtum.

Wie verliert man trotz des vielen Verzichts nicht den Lebensmut?

Aloisia H.: Wir kannten es nicht anders. Luxus war nie da. Freilich bekamen wir irgendwann einen Fernseher und freuten uns, aber wir waren auch ohne technische Geräte zufrieden. Und ein Handy zum Beispiel brauche ich nicht.

Gibt es einen Traum, den Sie sich gerne erfüllt hätten?

Aloisia H.: Nein, ich bin zufrieden mit meinem Leben. Ich hab mir immer gesagt: Was nicht geht, geht nicht. Was anderes hätte ich eh nicht machen können.

Wie lautet das Geheimrezept Ihres langen Lebens in guter Gesundheit?

Aloisia H. (lächelnd): Mich wundert’s eh, dass ich das ausgehalten hab’. Vielleicht ist das Geheimnis, dass ich kein Leitungswasser, sondern nur noch Heilwasser trinke.

Was würden Sie als Ihr größtes Glück bezeichnen?

Aloisia H.: Dass meine Buben gesund sind – und glücklich.

Wie lautet ihr Tipp an die Jugend von heute?

Aloisia H.: Genügsamer sein.

Was wünschen Sie sich für Ihren nächsten Geburtstag?

Aloisia H.: Dass es noch eine Weile so gut geht.