Gaudi statt fadem Parteigeschwafel. Mit Workshops und Veranstaltungen tritt die SJ Waidhofen an, um junge Menschen für Politik zu interessieren.

Von Laura Aigner. Erstellt am 02. November 2018 (05:00)
SJ
Der ehemalige Vorsitzende der SJ NÖ Mirza Buljubasic mit den Mitgliedern der SJ-Ortsgruppe Waidhofen: Jonas Amenitsch, Osman Hrncic, Matthias Sonnleitner und Dzana Buljubasic.

Seit März dieses Jahres gibt es in Waidhofen wieder eine Ortsgruppe der Sozialistischen Jugend (SJ). Zwischen 2007 und 2010 gab es in der Ybbstalmetropole schon einmal eine Ortsgruppe der politischen Jugendorganisation, dann löste sich diese aber wieder auf.

Den Vorsitz der neu gegründeten SJ-Ortsgruppe haben der Waidhofner Jonas Amenitsch (19) und die Wolfsbacherin Dzana Buljubasic (20), die am BRG Waidhofen zur Schule ging, inne. Bereits im letzten Jahr organisierten die Köpfe der SJ Waidhofen einige Veranstaltungen, darunter eine Jam Session im Volksheim, wo der Verein untergebracht ist. Auch Workshops zu unterschiedlichen Themen wurden veranstaltet.

Das Ziel der SJ Waidhofen sei es, Jugendlichen Raum zu geben, um sich treffen und vernetzen zu können, meint Buljubasic, die schon mit 15 ein aktives Mitglied der SJ Amstetten wurde.

"Es geht darum, Leute kennenzulernen, über Politik zu diskutieren und gleichzeitig Gaudi zu haben."Dzana Buljubasic

„Es geht nicht um fades Parteigeschwafel. Es geht darum, Leute kennenzulernen, über Politik zu diskutieren und gleichzeitig Gaudi zu haben. Alles andere ergibt sich dann daraus.“ Unterstützt wird der Verein von der SPÖ, Buljubasic betont aber, dass man zwar eine Tochterorganisation der Partei sei, sich in vielen Themen aber von deren Meinung abhebe. In vielen Punkten vertrete die SJ eine weitaus radikalere Meinung als ihre Mutterpartei.

Genau dafür erntet sie auch häufig Kritik, man setze irrelevante Ziele und sei provokant, lauten die Vorwürfe. Im Jahr 2014 verteilte die SJ Niederösterreich etwa vor den Waidhofner Schulen Flyer zur Legalisierung von Cannabis mit dem Slogan „Lieber bekifft ficken, als besoffen fahren“. Eltern und Direktoren zeigten sich empört. (Die NÖN berichtete.) Der damalige SJ-Bezirksobmann Mirza Buljubasic wies damals darauf hin, dass man ohne Provokation und Aktionismus in der heutigen Medienwelt untergehen würde. Man wolle Diskussionen zu tabuisierten Themen starten.

Diskurs über Soziales und Gesellschaft

„Jugendgruppen haben immer den Ruf, in eine Art von Extrem zu gehen. Entweder extrem links oder extrem rechts und alles andere ist dann fad“, findet seine Schwester Dzana Buljubasic.

Der SJ Waidhofen gehe es vielmehr darum, junge Leute anzuregen, über soziale und gesellschaftliche Fragen nachzudenken und einen Diskurs zu schaffen. So gibt es immer wieder Workshops, die die Möglichkeit bieten, sich über Themen wie Burschenschaften, Sozialismus, Feminismus etc. zu informieren.

Das Angebot wird von der SJ Niederösterreich bereitgestellt und durch die jeweiligen Ortsgruppen an Interessierte gebracht. Obwohl politisches Engagement wichtig sei, sei es noch viel wichtiger, informiert zu sein, meint Buljubasic. „Ich verstehe das Argument ‚Politik interessiert mich nicht‘, aber es betrifft dich halt. Ich find das immer ganz arg, wenn Leute alles hinnehmen, was ihnen gesagt wird.“

Mitglied bei der SJ kann jeder werden. Als Mitglied hat man die Möglichkeit, vergünstigt auf Seminare und Workshops zu verschiedensten Themen zu fahren. Für viele ist eine politische Jugendorganisation wie die SJ auch ein Sprungbrett für eine spätere Karriere in der Politik. Wer sich bei der SJ Waidhofen beteiligen möchte, könne dies aber auch tun, ohne Mitglied zu werden, hält Buljubasic fest. Als Nächstes ist eine „Auflegerei“ im Volksheim geplant.