Grandiose Nacht der Oper

Erstellt am 26. August 2020 | 05:25
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Unter Prachtbedingungen begeisterten Günther Groissböck und die Trachtenmusik Windhag im Stadion.
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Es ist gelungen! Nicht am grünen Hügel in Bayreuth, sondern am grünen Rasen des Waidhofner Alpenstadions ging am Freitag ein fulminantes Musikfeuerwerk in Szene. Ein Abend mit Opernauszügen aus Richard Wagners „Lohengrin“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Der Ring des Nibelungen“ wurde von Bass Günther Groissböck in gelungener Zusammenarbeit mit der Trachtenmusikkapelle Windhag unter Thomas Maderthaner gegeben.

Bereits der Zutritt zu den Zuschauerrängen am Fußballfeld, der coronabedingt über vier Portale und mit Auflagen durchgeführt wurde, gestaltete sich unaufgeregt und wohlorganisiert. Akustisch hatten die Tontechniker ihre ganzen Möglichkeiten ausgespielt, um den Fußballplatz bis an die Outlinie klar auszufüllen. Die Trachtenmusikkapelle Windhag, von der man Musik auf hohem Niveau ja gewohnt ist, übertraf sich einmal mehr an Ausgewogenheit, Präzision und Brillanz. Kapellmeister Thomas Maderthaner führte die Musiker sensibel, aber mit Verve durch die anspruchsvolle Literatur. Von seinem ersten Auftreten an merkte man, wie Günther Groissböck den Veranstaltungstitel „Zurück am Platz“ genauso wie das Zitat aus dem Wahnmonolog aus den Meistersingern „Wahn! Wahn! Überall Wahn!“ für sich energetisch aufgeladen hatte: Als Aufruf, zum Kulturbetrieb zurückzukehren, als Botschaft, sich nicht der Angst, sondern der Freude zu stellen, waren diese Appelle am Auftakt zum Klangraum im Herbst gemeint.

Packend, brillant und mit großer Strahlkraft gestaltete Groissböck Wagners Musik und führte beeindruckend den Beweis, dass Oper auch außerhalb der bis in letzte Nuancen klanglich austarierten Konzertsäle begeistern, elektrisieren und mitreißen kann. Das bewiesen nicht erst die Standing Ovations zum Konzertende.

Als die 1.200 Besucher das Stadion genauso unaufgeregt, aber vielfach bereichert, verließen, wurde klar, dass eine grandiose Nacht der Oper gelungen war, die man sich für Waidhofen vor Corona – und vor allem während Corona – nicht hatte vorstellen können. Hätte man die Garantie für eine so laue und sternenklare Winternacht, man müsste Oper im Alpenstadion zur fixen Einrichtung und zur Marke machen. Klangraum-Intendant Thomas Bieber und die Stadt haben Mut bewiesen, das wurde eindrucksvoll belohnt.

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