In memoriam Walter Koch: Geschichtsforscher verstorben. Mit Walter Koch verliert die Wissenschaft einen anerkannten Geschichtsforscher, der bis zuletzt in der Stadt Waidhofen lebte.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 10. Januar 2020 (04:34)
Der emeritierte Dekan der Philosophischen Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der Uni München Walter Koch starb am 27. Dezember in Waidhofen.
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Universitätsprofessor Walter Koch ist nach langem Leiden am 27. Dezember im 78. Lebensjahr in Waidhofen verstorben.

Der Historiker und klassische Philologe war 1982 auf den Lehrstuhl für Geschichtliche Hilfswissenschaften in München berufen worden. Dort übernahm er die Edition der Urkunden Kaiser Friedrichs II. Er war von 1987 bis 1991 Prodekan und Dekan an der Philosophischen Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften sowie Geschäftsführender Direktor des Historischen Seminars. Er wurde 2007 emeritiert.

Koch hatte sich auf die historischen Hilfswissenschaften Di plomatik (Urkundenwissenschaft) und Epigrafik (Inschriftenkunde) spezialisiert. Er zählte in Deutschland zu den wenigen eng hilfswissenschaftlich ausgerichteten Mediävisten. Koch veröffentlichte mehrere Studien zur Diplomatik. Außerdem arbeitete er an einer zweibändigen Monografie zur mittelalterlichen und neuzeitlichen europäischen Epigrafik, deren erster Teil zum Früh- und Hochmittelalter 2007 erschien.

Durch das von Koch geleitete und seit 1990 bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angesiedelte Projekt wurden für den Zeitraum von 1198 bis Juni 1226 die Urkunden Friedrichs II. in fünf Bänden in den Monumenta Germaniae Historica veröffentlicht. In diesem Zusammenhang konnten zahlreiche Neufunde von bis dahin unbekannten Urkunden des staufischen Herrschers gemacht werden.

Für seine Forschungen wurden Koch zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen zugesprochen. 1989 wurde ihm der Apulienpreis durch die Gesellschaft für deutsch-italienische Freundschaft in Foggia verliehen. Im Jahr 2018 wurde er mit dem Wissenschaftlichen Stauferpreis für sein Lebenswerk vor allem als Editor der Urkunden des Stauferkaisers Friedrich II. ausgezeichnet. Ihm wurde 2019 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse verliehen.