Literatur mit viel Fantasie. In ihrer Lesewerkstatt in Waidhofen/Ybbs erweckt Petra Forster Kinderbücher kreativ zum Leben.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 02. August 2020 (03:23)
Petra Forster in ihrer Lesewerkstatt mit den selbst gebastelten Utensilien für das Programm „Stadt, Land, Fluss“.
Hofbauer

Seit Juni wird in der Ölberggasse in Waidhofen Kinderliteratur lebendig: Die Literaturvermittlerin Petra Forster haucht mit Kreativität, Spiel und Spaß Büchern Leben ein und bringt so Kindern die Lust am Lesen näher. „Ziel der Literaturvermittlung ist es, Kinder in die Geschichte, die das Buch erzählt, reinzuholen. Das kann auf ganz verschiedene Art und Weise passieren – sei es mit Lyrik, Sprachspielerei, Sachwissen oder mit Theater“, sagt Forster.

Die diplomierte Kindergartenpädagogin, die in Gaflenz wohnt, absolvierte 2018 den Lehrgang zur Literaturvermittlerin. Mit ihrem Unternehmen „Lirum Larum Lesespiel“ bringt sie Kindern die Liebe am geschriebenen Wort näher – sowohl als mobile Literaturvermittlerin in Schulen, Kindergärten und Bibliotheken, als auch in ihrer Lesewerkstatt in Waidhofen. Dabei sind ihre Programme so vielfältig wie kreativ. So wird etwa bei „Gans schön bärig“, einem Programm, das sich an Kinder ab vier Jahren richtet und auf dem Buch „Gans der Bär“ basiert, Kanada erforscht: Die Kinder können dabei einem humorvollen Papiertheater über eine Freundschaft, die alle Grenzen überwindet, beiwohnen, eigene Andenken aus Papier gestalten und Ahornsirup verkosten. Bei „Wörter-Wünsche-Wellkarton“ entdecken die jungen Literaturfans nasse, gruselige und schüchterne Wörter, helfen dem traurigen Buchstaben „I“, wieder glücklich zu werden, bauen ein Märchenschloss aus Karton und lauschen dem Kinderbuch „Prinzessin Hannibal“.

F.E.T.A. als zentraler Leitgedanke

„Alle meine Programme basieren auf den vier Grundsäulen Fantasie, Empathie, Toleranz und Ausdruck – kurz F.E.T.A.“, sagt Forster. „Diese vier Fertigkeiten werden oft viel zu wenig gefördert, sind aber meiner Meinung nach umso wichtiger.“

Nach Waidhofen kam die Unternehmerin, deren Lesewerkstatt zuvor in Weyer stationiert war, eher durch Zufall: Als sie in Waidhofen die Plakate der Leader-Initiative „Gründung findet Stadt“ sah, sah sie das „als Wink des Schicksals. Kurz darauf habe ich mich dort beworben“, erzählt Forster. Die Jury der Initiative zeigte sich von der Idee hinter „Lirum Larum Lesespiel“ begeistert und entschied sich, das Unternehmen zu fördern. „Die Lage in der Ölberggasse ist einfach ideal“, schwärmt die Literaturvermittlerin. „Hier ist es ruhig, wir können bei Bedarf auch einen Garten sowie den Platz vor der Werkstatt benutzen.“

In der Werkstatt selbst werden neben regelmäßigen Programmen wie der offenen Lesewerkstatt und dem Literaturkakao derzeit auch das Programm „Stadt, Land, Fluss“ und ein Schattentheater angeboten (siehe Infobox). Im Rahmen von „Stadt, Land, Fluss“ können die Kinder mit Büchern, einem Papiertheater und in natura Waidhofen kennenlernen. Im Schattentheater-Workshop studiert Forster mit den Kindern ein Theaterstück ein, das dann auch zur Aufführung gebracht wird. „Mir ist es wichtig, Kindern auf verschiedene Art und Weise die Literatur näherzubringen – auch, wenn sie zuhause vielleicht nicht so leicht Zugang zu Büchern haben“, sagt Forster. „Es gibt so viele tolle Kinderbücher, die nur darauf warten, gelesen und entdeckt zu werden.“