Maistrich-Aktion bleibt Thema. Bürgermeister Werner Krammer meldet sich mit offenem Brief zu Wort: Mehrzweckstreifen hier nicht möglich.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 27. Mai 2020 (04:34)
Mittlerweile wurde der von den Aktivisten aufgebrachte Mehrzweckstreifen im Redtenbach wieder entfernt. Gesprächsthema bleibt er in Waidhofen aber nach wie vor.
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Die „Maistrich-Aktion“ im Redtenbach sorgt nach wie vor für Gesprächsstoff in Waidhofen. Wie berichtet, hatten Unbekannte Ende April einen Mehrzweckstreifen in der Redtenbachstraße aufgebracht, um den Wunsch nach einer durchgängigen Radweganbindung der Bachwirtsiedlung an die Waidhofner Innenstadt zu untermauern. Mittlerweile wurde die Bodenmarkierung wieder entfernt und eine Anzeige gegen die Aktivisten eingebracht. In der NÖN-Redaktion trudeln seitdem immer wieder Leserbriefe zum Thema ein (siehe unten).

In der Vorwoche meldete sich Bürgermeister Werner Krammer mit einem offenen Brief in der Sache zu Wort. Jeder der Rad fahre leiste seinen Beitrag zum Klimaschutz, hält der Stadtchef darin fest. Für die Stadt spiele der Ausbau der Radwege seit Jahren eine zentrale Rolle im Mobilitätskonzept. Alleine im letzten Jahr habe man 600.000 Euro investiert. „Seit 2015 setzen wir die Radachse durch die Innenstadt um, fuhren mit der Radwegdetailplanung in die Umlandgemeinden fort, und haben 2019 angefangen, von Wirts Richtung Oberland zu bauen“, schreibt Krammer.

„2020 stellen wir neben diesem Teilstück auch die Bachwirtsiedlung fertig und vollziehen den Lückenschluss bis an die Landesgrenze. In den kommenden fünf Jahren wird ein sicheres und bequemes Radwegenetz in und rund um Waidhofen umgesetzt.“ Die Bedeutung des Radfahrens zeige sich in Waidhofen auch in der Aufwertung der Rad abstellanlagen, die im Zuge des Stadtprojektes auch überdacht würden, so der Stadtchef weiter. „Für mehr Sicherheit haben wir auf den Gemeindestraßen überall Tempo 30 umgesetzt. In der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt sind für die nächsten fünf Jahre Gesamtinvestitionen von über 3,5 Millionen Euro reserviert und das soll trotz schwieriger finanzieller Lage in Zeiten von Corona investiert werden.“

Es bleibt bei Nein nach neuerlicher Prüfung

Zu dem aufgemalten Radwegstreifen im Redtenbach meint der Stadtchef: „Wäre ein Radweg in der von den Radfreunden vorgeschlagenen Form des Mehrzweckstreifens rechtlich möglich, hätten wir ihn längst gemacht! Dies wäre nicht nur die einfachste, sondern auch die billigste Lösung. Ich habe aufgrund einer diesbezüglichen Anregung vor circa einem Jahr die Sache schon prüfen lassen, nur stehen dem die derzeit in Österreich gültigen Normen dagegen.“ Eine neuerliche Prüfung habe keine Änderung gebracht. „Die Normen haben sich nicht geändert und es bestehen auch keine Interpretationsmöglichkeiten, wie manche meinen“, schreibt der Stadtchef.

Die angebrachte Markierung vermittle nur ein subjektives Sicherheitsgefühl für die Radfahrer, was gefährlich sei. „Objektiv macht der Streifen die Straße für den Radfahrer nicht sicherer, da die geforderten Mindestbreiten und Abstände nicht vorhanden sind“, sagt der Bürgermeister. „Für ‚Alibiaktionen‘ die eigentlich gefährlich für jene sind, die wir eigentlich schützen wollen, bin ich nicht zu haben. Auch nicht am 1. Mai!“