Martin Reifecker im Gespräch„Keine einfachen Antworten“. Ex-SPÖ-Vizebürgermeister Martin Reifecker über seine politische Zeit und neue Herausforderungen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 04. Oktober 2019 (03:23)
Kössl
„Auf scheinbar einfache Fragen gibt es keine einfachen Antworten“, ist Martin Reifecker überzeugt. Seine politischen Ämter hat er nun zurückgelegt, als Obmann des Vereins Zukunft bleibt er aber weiterhin aktiv

Sie haben nun, wie angekündigt, alle politischen Ämter zurückgelegt. Am Montag der Vorwoche wurde Armin Bahr als neuer SPÖ-Vizebürgermeister angelobt. Überwiegt bei Ihnen jetzt die Erleichterung oder die Wehmut?

Martin Reifecker: Wehmut habe ich keine. Ich wusste ja schon seit zweieinhalb Jahren, dass ich mich zur Mitte der Gemeinderatsperiode zurückziehen werde. In diesen zweieinhalb Jahren sollte sich mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin einarbeiten. Das hat Armin Bahr mit ganz viel Engagement gemacht.

Er war demnach Ihr Wunschnachfolger?

Reifecker: Ja, durchaus. Er hat das Herz am richtigen Fleck, ist politisch interessiert und setzt die richtigen Schwerpunkte als Sozialdemokrat.

Die SPÖ hat derzeit sowohl auf Bundes- als auch auf kommunaler Ebene keinen leichten Stand. Was sollte ein SPÖ-Chef tun, um hier gegenzusteuern?

Reifecker: Zurufe von außen hatte ich und Armin Bahr braucht das jetzt von mir auch nicht. Ich werde ihm sicher keine Empfehlungen über die Zeitung ausrichten.

Sie haben sehr rasch politische Karriere gemacht. Was waren die zentralen Stationen?

Reifecker: Ich bin 2005 in den Gemeinderat gekommen und habe meine politischen Lehrjahre absolviert. Dann wurde ich relativ rasch Vizebürgermeister, obwohl ich das gar nicht vorhatte. Eigentlich wollte ich Fraktionschef werden. Das wurde aber Martin Roseneder. Als es danach eine innerparteiliche Wahl zum Nachfolger von Alfred Mandl gab, wurde ich gewählt.

Sie waren nun knapp zehn Jahre Waidhofner Vizebürgermeister. Was waren die Highlights?

Reifecker: Politisch war seinerzeit das ganze Thema rund um den Verkauf des Schlosshotels eines meiner Highlights. Da war ich auch relativ jung Vizebürgermeister. Das war schon eine riesige politische Herausforderung, da die Thematik doch sehr komplex war. Daneben gab es viele kleine Momente, die Freude gemacht haben. Schön war auf jeden Fall, dass ich viele verschiedene Leute kennengelernt habe, die ich vielleicht als Privatperson nie kennengelernt hätte.

Bei der ersten Wahl, in die Sie 2012 als Spitzenkandidat gegangen sind, haben Sie einen sehr aktionistischen Wahlkampf geführt, letztendlich aber zwei Mandate abgeben müssen.

Reifecker: Dieser Wahlkampf hat riesig Spaß gemacht und ist im Großen und Ganzen doch sehr gut angekommen. Dadurch haben uns sicher auch Menschen gewählt, die die SPÖ vorher nicht gewählt haben.

Mit der Liste FUFU war zur selben Zeit aber auch eine Fraktion am Start, die ebenfalls auf Aktionismus gesetzt hat.

Reifecker: Das hat uns auf jeden Fall die zwei Mandate gekostet. Die Liste FUFU hat genau in unserem Umfeld Wähler gewonnen und das tut sie nach wie vor.

2017 hat sich die SPÖ dann geöffnet und ging als SPÖ und Unabhängige in die Wahl. War das die richtige Entscheidung?

Reifecker: Uns wurde mehrfach vorgehalten, dass wir von oben, also von Bund und Land, gelenkt werden. Aber das stimmt nicht. Wie die SPÖ Waidhofen Politik macht, ist rein der SPÖ Waidhofen überlassen. Mit der Öffnung wollten wir signalisieren, dass bei uns ein jeder mitmachen kann. Es sollte ein gemeinsames Antreten für die Stadt sein. Das ist uns leider nicht gelungen. Auch wenn wir Leute dazubekommen haben, wie et- wa Armin Bahr, konnten wir in der Wahlzelle nicht reüssieren.

In welche Richtung wird es politisch in Waidhofen gehen?

Reifecker: Das ist Kaffeesudleserei. Die nächste Gemeinderatswahl ist in zweieinhalb Jahren. Wie diese ausgeht, hängt auch damit zusammen, wie sich das Klima österreichweit verändert. Wenn bei den großen Themen nichts passiert, wird man das auch hier spüren. Zum Beispiel beim Klimaschutz: Da hinken wir auch in Waidhofen hinterher. Schon vor Langem habe ich Tankstellen für Elektroautos in der Stadt gefordert. Bis heute haben wir so gut wie keine.

Sie waren in der Stadtregierung zuerst für den Verkehr und dann für das Soziale zuständig. Was waren da Ihre Herzensprojekte?

Reifecker: Riesig Spaß hat mir die Zusammenarbeit mit der TU Wien bei der Erstellung des Verkehrskonzepts damals gemacht. Dabei konnte ich viel lernen. Leider wurde das dann nicht einmal im Ansatz umgesetzt.

Im Sozialbereich stieß Ihnen zuletzt die Erhöhung bei „Essen auf Rädern“ sauer auf.

Reifecker: Diese Erhöhung war natürlich schmerzhaft. Auch, wenn wir eine soziale Staffelung zusammengebracht haben, wurde hier über Gebühr erhöht, weil die WVP gesagt hat, wir wollen da als Gemeinde nichts dazuzahlen. Ich sehe das aber anders. Sozialleistungen dürfen auch Leistungen sein, die wir alle gemeinsam tragen. Das gilt auch für Mietzuschüsse für Leute, die wenig Geld haben. Da hat mein Nachfolger schon ganz konkrete, sehr gute Vorschläge.

Mit der WVP gab es immer wieder Reibungspunkte. Die Verabschiedung letzte Woche im Gemeinderat fiel aber sehr herzlich aus?

Reifecker: Die Worte von Werner Krammer und den anderen Kollegen haben mich sehr gefreut. Wir verstehen uns ja auch gut. Nur weil man politisch auseinander liegt, heißt das nicht, dass man sich hasst. Man geht trotzdem auf ein Bier. Und wenn hin und wieder die Fetzen fliegen, dann gehört das dazu. Wie es dazugehört, dass man sich nachher wieder zusammensetzt.

Sie sind beruflich im Therapiezentrum Buchenberg beschäftigt. Wie werden Sie Ihre Polit-Pension abseits vom Job verbringen?

Reifecker: Ich bleibe nach wie vor Obmann des Vereins Zukunft und als dieser ist es meine Aufgabe, den Umbau unseres Hauses am Hohen Markt in den nächsten Jahren voranzutreiben. Wir sind dabei, ein großartiges Innenstadtprojekt zu entwickeln, und da bin ich mit viel Energie und Herzblut dabei.

Ihr Wunsch an die Politik?

Reifecker: Auf scheinbar einfache Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Auch wenn man damit Wahlen gewinnt. Demokratiepolitisch wird uns das aber einmal furchtbar auf den Kopf fallen, denn Demokratie braucht Zeit. Man muss möglichst viele ins Boot holen, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen, welche die Bedürfnisse möglichst vieler abdecken. Das ist das Wichtigste, aber das verlieren wir gerade komplett.