Paarlauf in der Stadtgalerie. Julia Avramidis stellt bis 8. November ihre Werke den Skulpturen ihrer 2013 verstorbenen Mutter Annemarie gegenüber.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 15. Oktober 2020 (17:26)
Laudatorin Iris Stöckl, Julia Avramidis, Galeristin Klaudia Stöckl mit einem Torso von Annemarie Avramidis.
Leo Lugmayr

Galeristin Klaudia Stöckl hat für die neue Ausstellung in der Stadtgalerie Julia Avramidis „zum Paarlauf mit ihrer 2013 verstorbenen Mutter Annemarie“ eingeladen.

Julia Avramidis ist im Atelier ihrer Eltern, des griechisch-österreichischen Bildhauerpaares Annemarie und Joannis Avramidis, aufgewachsen. Sie studierte Malerei und Grafik. Sie lebt und arbeitet in Wien und Athen. Ihre großformatigen Arbeiten – Öl, Acryl, Grafit und Kohle auf Papier oder Leinwand – setzen sich von der Außengrenze des Raumes her bei intelligenter Hängung mit den Marmor- und Bronzeplastiken ihrer Mutter recht spektakulär in Beziehung.

Zu den Arbeiten beider Künstlerinnen entfaltete Kunsthistorikerin Iris Stöckl – dank Corona in zwei Durchgängen – einen Dialog mit Julia Avramidis. Dieser brachte zutage: In Zeiten, in denen Kunst marktschreierisch und in grellen Farben um die Wette Aufmerksamkeit heischt, klingen Worte wie „Demut“ und „Dankbarkeit“ aus dem Mund der Künstlerin zumindest überraschend. Demut? „Ja, ich bin demütig, dass ich als Künstlerin arbeiten kann“, sagt sie auf Nachfrage. Dankbarkeit? Avramidis: „Dankbar, dass ich das sein darf, was ich bin.“

Julia Avramidis’ Arbeiten verbindet etwas Entrücktes: Es scheinen sich in deren Zentrum stets Silhouetten aus den Bildern zu stehlen, sich heimlich auf und davon zu machen.

Das Zusammenspiel von Julia Avramidis’ Bildern, Annemarie Avramidis’ Skulpturen und der Beneder-Architektur der Stadtgalerie hat eine elektrisierende Dynamik. „Wenn meine Bilder hier in diesem Kontext bestehen, dann bestehen sie auch in New York“, konstatierte Julia Avramidis dazu.