Roswitha Bramauer: Unermüdlicher Einsatz für Asylwerber

Die Waidhofnerin Roswitha Bramauer wurde mit dem [a:bua]-Preis für Soziales ausgezeichnet.

Erstellt am 09. Januar 2022 | 04:39
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8261608_ybb01wai_abua_roswitha_bramauer_2sp.jpg
Roswitha Bramauer setzt sich seit 2015 für geflüchtete Menschen ein.
Foto: privat

Wie jedes Jahr vergab die Stadt Waidhofen auch Ende 2021 wieder den [a:bua]-Preis für besondere Leistungen in den Bereichen Sport, Kultur, Zukunft und Soziales. Die NÖN will die Preisträger nun in den nächsten Wochen näher vorstellen. Den Anfang macht die Preisträgerin für Soziales, Roswitha Bramauer.

Bramauer wuchs in Ybbsitz auf und ging nach ihrer Schulzeit nach Wien, um Jus zu studieren. Nach dem Studium kehrte sie wieder ins Ybbstal zurück, heiratete und bekam vier Kinder. Die nächsten Jahre verbrachte sie bei den Kindern zuhause, als diese etwas älter wurden, begann sie die Ausbildung zur Pastoralassistentin und übernahm diese Funktion in den Pfarren Waidhofen und Konradsheim. Mittlerweile ist sie nur noch in Konradsheim als Pastoralassistentin aktiv.

Als 2015 aufgrund der weltpolitischen Ereignisse immer mehr Asylsuchende in Österreich und auch im Ybbstal ankamen, fühlte Braumauer den Drang, sich für diese Menschen einzusetzen. „Ich dachte mir, die Kirche muss da auch mitmachen. Man darf als Kirche nicht nur innerhalb der Pfarre etwas machen, wenn es in der Gesellschaft gerade brennende Themen gibt, sollte man sich da auch beteiligen. Christ sein bedeutet ja auch, sich dort einzubringen, wo es gerade gefragt ist“, erzählt Braumauer. Den Austausch mit Menschen aus anderen Kulturkreisen empfand sie immer als bereichernd: „Jeder Mensch hat Hoffnungen, Sehnsüchte und auch Sorgen. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede, aber im Grunde sind wir als Menschen alle gleich. Trotz dieser Verschiedenheit müssen wir also sehen, was wir gemeinsam haben, und diese Gemeinschaft auch leben.“ Da es in der Bevölkerung aber immer auch wieder Berührungsängste mit Asylwerbern, insbesondere mit jungen Männern aus dem arabischen Raum, gibt, möchte Roswitha Bramauer hier aufklären: „Niemand braucht Scheu haben, mit Asylwerbern Kontakt zu haben, die sind alle, alle sehr offen und dankbar für Kontakte. Die meisten wollen auch Leute kennenlernen und menschlichen Kontakt haben, auch wenn es anfangs sprachlich manchmal schwierig ist.“

Die Reaktion in der Pfarre auf ihre Initiative war sehr positiv, es fanden sich schnell einige Helfer für verschiedene Bereiche und die Pfarre stellte Räumlichkeiten, zum Beispiel für den Deutschunterricht, den Regina Merkinger leitete, zur Verfügung. Bramauer half aufgrund ihrer Ausbildung anfänglich hauptsächlich mit rechtlichen Angelegenheiten und Behördenwegen, später machte sie auch eine Ausbildung als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache und gibt heute ehrenamtlich Deutschunterricht für Asylwerber in St. Leonhard sowie bezahlte Samstagskurse an der VHS. „Man kommt als Pfarre auch aus dem engeren eigenen Kreis heraus und lernt neue Leute kennen“, beschreibt sie einen positiven Nebeneffekt für die Helfer. Sie spricht aber auch mögliche Probleme dieser Situation an: „Das Helfen ist immer auch ein zweischneidiges Schwert. Es ist ein gutes Gefühl jemandem zu helfen, aber niemand will auf Hilfe angewiesen sein. Es ist mir also immer ein Anliegen, mit dem Ziel zu helfen, irgendwann auf Augenhöhe zu kommen, sodass dann keine Hilfe mehr nötig ist.“

Auch nach positivem Bescheid gibt es viel zu tun

Einige asylsuchende Familien sind nach ihrem positiven Bescheid auch in Waidhofen geblieben, so tauchen immer wieder neue Bereiche auf, wo Unterstützung gerne angenommen wird. Dazu gehören zum Beispiel Wohnungs- und Arbeitssuche, Behördenwege oder auch die Führerscheinprüfung. „Es sind aber auch Kontakte entstanden, wo man sich einfach besucht“, erzählt Bramauer. Trotz ihres unermüdlichen Einsatzes kam die Preisverleihung unvermutet: „Ich war total überrascht, als der Anruf von Bürgermeister Krammer kam, dass ich den Preis bekommen habe. Es freut mich sehr, dass sich die Stadt dazu bekennt, eine Person zu würdigen, die sich sehr öffentlich für Flüchtlinge einsetzt.“

Auf ihre Wünsche für die Zukunft angesprochen, meint sie: „Mein großer Wunsch wäre es, einen Begegnungsraum in Waidhofen zu eröffnen, wo man sich treffen kann und zum Beispiel die Möglichkeit für Deutschunterricht besteht. So etwas wäre großartig, die Finanzierung ist das Problem.“