Rotes Kreuz stößt an finanzielle und personelle Grenzen. Das Rote Kreuz fuhr im Vorjahr 705.518 Kilometer. Allmählich ist man an finanziellen und personellen Grenzen angelangt.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 11. Juli 2019 (04:00)
Doris Schleifer-Höderl
Sebastian Bohlheim und Wolfgang Frühwirt orten raschen Handlungsbedarf in puncto Neuaufstellung der Finanzierung im Rettungsdienst

16.083 Personen wurden 2018 vom Team der Bezirksstelle des Roten Kreuzes Waidhofen transportiert. 883 Mal musste der Notarzt ausrücken, um Leben zu retten. Insgesamt wurden 705.518 Kilometer zurückgelegt. Eine beachtliche Bilanz, mit der die Bezirksstelle einmal mehr ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt. „Doch allmählich kommen wir finanziell sowie personell an unsere Grenzen“, berichten Bezirksstellengeschäftsführer Wolfgang Frühwirt und Öffentlichkeitssprecher Sebastian Bohlheim.

Umsatzabgang von 518.000 Euro

„Die Lage spitzt sich mittlerweile niederösterreichweit dermaßen zu, weil zwar seit Jahren politische Zusagen für eine neue Gesamtfinanzierung gemacht wurden, bis dato aber nicht in Umsetzung gelangten. Die Anforderungen werden natürlich immer mehr, aber auf Geld vom Land warten wir bereits seit zwei Jahren. Positiv zu erwähnen ist, dass unsere Gemeinden in der Region den Rettungsbeitrag von 7,15 Euro pro Einwohner und Jahr, für 2019 auf 9,10 Euro erhöht haben.

Rotes Kreuz Waidhofen
Bezirksstellengeschäftsführer Wolfgang Frühwirt.

Das hilft schon weiter, ist aber letztendlich doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Fakt sei, dass die Bezirksstelle Waidhofen im vergangenen Jahr einen Umsatzabgang von 518.000 Euro im Rettungsdienst gehabt habe. „Wir sind bemüht einzusparen, wo es nur geht, und das machen wir ohnehin, aber irgendwann geht nichts mehr. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Politik den Rettungsdienst auf völlig neue Beine stellt.“ Laut Wolfgang Frühwirt hat das Land Niederösterreich mit der für den Rettungsdienst zuständigen Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig eine Studie in Auftrag gegeben, die klar besagt, dass es zu einer Neuaufstellung der Finanzierung im Rettungsdienst kommen muss.

„Wenn jetzt wieder nichts passiert, ist der Rettungsdienst in seiner bisherigen Qualität aufgrund der Unterdeckung nicht mehr aufrechtzuerhalten. Da brauchen wir nichts beschönigen.“ Selbstverständlich spiele auch die personelle Situation eine Rolle. Man sei zwar bemüht, den Dienst mit Ehrenamtlichen so weit wie möglich abzudecken und auch neue Ehrenamtliche zu gewinnen.

„Die Lage spitzt sich niederösterreichweit zu. Auf Geld vom Land warten wir bereits seit zwei Jahren.“Bezirksstellengeschäftsführer Wolfgang Frühwirt

„Die meisten rekrutieren wir aus den Zivildienern. Rund 50 Prozent erklären sich bereit, beim Roten Kreuz als Ehrenamtliche weiterzuarbeiten. Nur gehen die Zahlen der Zivildiener zurück, weil die geburtenschwachen Jahrgänge nun in dieses Alter kommen und weil bei der Stellung immer mehr als untauglich klassifiziert werden. Daher sind wir auch an manchen Einrückungsterminen – bei uns in Waidhofen ist das im April –, nicht in der Lage, die uns zur Verfügung stehenden sieben Zivildienerplätze tatsächlich zu besetzen. Und für jeden Zivildiener, den wir nicht haben, müssten wir in Wahrheit jemand hauptberuflich anstellen. Denn der Zivildiener ist von Montag bis Freitag tagsüber anwesend, das ist mit Ehrenamtlichen einfach nicht zu kompensieren.“

Eine weitere Möglichkeit, junge Leute für das Rote Kreuz zu begeistern, gibt es mit dem Freiwilligen Sozialjahr. Heuer sind es vier Personen, die für die Einsatzdauer von zehn bis zwölf Monaten in Waidhofen tätig sind. „Alles deutet darauf hin, dass dieses Modell weiter im Kommen ist, weil es auch junge Frauen absolvieren können. Nichtsdestotrotz ändert das aber nichts daran, dass die schon angesprochene Neuaufstellung des Rettungsdienstes unabdingbar ist.“