„Squeeze My Lemon“: Crossover statt Konventionen. Die Ybbstaler Gruppe „Squeeze My Lemon“ war in den 90er-Jahren in ganz Österreich und auch international aktiv.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 21. November 2020 (05:00)
Squeeze My Lemon in der Besetzung der ersten zwei Jahre der erfolgreichen Ybbstaler Bandformation, von links: Christian Germ, Stefan Kühn, Roland Sandhofer und Alex Schell.
Matthias Weißengruber

Für den vierten Teil der NÖN-Reihe „Ybbstaler Bands damals und heute“ sprach die NÖN mit dem Gitarristen und Sänger Stefan Kühn über die Crossover-Gruppe Squeeze My Lemon. Die Gruppe wurde 1994 gegründet und war in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre ausgehend vom Ybbstal in ganz Österreich und sogar international aktiv.

Gegründet wurde die Band von Alexander Schell (E-Bass), Christian Germ (Gitarre) und Roland Sandhofer (Schlagzeug), Stefan Kühn stieß im darauffolgenden Jahr dazu und vervollständigte das Line-up. Die Mitglieder kamen aus Waidhofen, Amstetten, Steyr und Neuhofen, geprobt wurde anfangs bei Roland Sandhofer in Neuhofen.

„Crossover war damals auf jeden Fall ein wichtiges Schlagwort. Es war nur nicht ganz klar, zwischen welchen Geschichten dieser stattfinden sollte.“ Stefan Kühn, Sänger und Violinist von Squeeze My Lemon

Der Bandname Squeeze My Lemon ist eine Anspielung auf eine Zeile eines bekannten Blues-/Rock-Songs – Led Zeppelins „The Lemon Song“ – beziehungsweise in weiterer Folge auch auf die Songs „Let Me Squeeze Your Lemon“ von Blind Boy Fuller oder auf den „Travelling Riverside Blues“ von Robert Johnson. Und der Blues war definitiv auch eine der Zutaten im Sound von Squeeze My Lemon.

Von Anfang an war jedoch klar, dass die eigene Musik nicht irgendwelchen traditionellen Genre-Konventionen folgen sollte, sondern experimentierfreudig sein durfte, sodass sie auch nach jahrelangem Spielen noch für die Musiker interessant bleiben würde.

Auch ungewöhnliche Taktarten verwendet

„Crossover war damals auf jeden Fall ein wichtiges Schlagwort“, erzählt Stefan Kühn. „Es war nur nicht ganz klar, zwischen welchen Geschichten der Crossover stattfinden sollte. Grisi [Christian Germ; Anm. d. Red.] hat zum Beispiel gern Skunk Anansie gehört, Rage Against the Machine haben wir alle viel gehört. Wir haben auch immer versucht, uns Inspiration aus verschiedenen Richtungen zu holen. Der eine hat mehr das gehört, der andere mehr das – es war auf jeden Fall ein Austausch da und wir wollten auch was Neues daraus machen, indem wir Sachen verknüpfen.“ Dazu gehörte es auch, ungewöhnliche Taktarten, wie etwa beim Stück „5/4 Blues“, zu verwenden. „Das war für mich damals auch etwas Neues und daher interessant“, erinnert sich der Sänger der Gruppe.

Vor allem der Bassist Alexander Schell und der Gitarrist Christian Germ hatten vor Squeeze My Lemon schon einige Bandprojekte und waren überdies gut in der Musikszene verknüpft. Von Anfang an war die Band dadurch regional und überregional präsent, es gab Touren durch ganz Österreich und auch Südtirol.

1996 nahmen Squeeze My Lemon ein Demotape namens „Excellent News“ bei Klemens Mayrhofer in Wien auf, 1997 folgte dann das mittlerweile vergriffene Album „Lemov“ auf CD. „Lemov“ wurde im Aktivtonstudio in Molln (Bezirk Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich) bei Reinhard „Bux“ Brunner aufgenommen und auf dem angeschlossenen Label ATS Records veröffentlicht. Im selben Jahr gab es auch einen Wechsel am Schlagzeughocker: Roland Sandhofer verließ die Gruppe, Willi Hackl folgte ihm nach.

Squeeze My Lemon konnte im Laufe der Jahre auch viele Gastmusiker begrüßen, wie zum Beispiel Michael Pürrer an der Gitarre, Nils Gronich an Tasteninstrumenten oder die Sängerin Dani Wirtenberger.

Rund um das Jahr 2000 lösten sich Squeeze My Lemon auf. Streit oder gravierende künstlerische Differenzen gab es laut Stefan Kühn nicht: Vielmehr war einerseits einfach die Luft aus dem Projekt raus, andererseits wurde es aufgrund von Ausbildung und familiärer Situation für die Musiker einfach zu schwierig, die notwendige Zeit und Energie aufzuwenden. Die meisten Bandmitglieder waren danach noch in anderen Formationen tätig, Alexander Schell zum Beispiel bei der Band Julia, Christian Germ bei Lucy In The Sky, Willi Hackl im Projekt Willee und Stefan Kühn beim 1. Wiener Gemüseorchester.

Als persönliche Highlights aus der Bandgeschichte nennt Stefan Kühn vor allem die Aufnahme-Sessions zum Album „Lemov“ in den ATS Studios in Molln sowie die erste Tour, die die Band über eine Woche lang quer durch Österreich und Südtirol geführt hat.

„Wenn das irgendjemand von den damals Beteiligten liest, möchte ich mich auf jeden Fall von ganzem Herzen für die schöne Zeit, die wir hatten, bedanken! Es gibt ein unglaubliches Reservoir an wunderschönen Erinnerungen an Momente und Personen und dafür bin ich wirklich sehr dankbar.“