Stadtchef Krammer kündigt Klima-Manifest an. WVP-Bürgermeister bei Protestzug mit dabei. Stadt erstellt Leitlinie, um CO -neutral zu werden.

Von Andreas Kössl und Lisa Hofbauer. Erstellt am 11. September 2019 (05:12)
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„Das Thema Klimawandel braucht eine offene sachliche Diskussion auf Augenhöhe und ohne erhobenen Zeigefinger“, sagte Bürgermeister Werner Krammer (l.), der gemeinsam mit Stadtrat Martin Dowalil (r.) über geplante Klimamaßnahmen der Stadt Waidhofen sprach.

An die 150 Teilnehmer fanden sich am vergangenen Samstag wieder in Waidhofen ein, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Neben Stadtpolitikern der SPÖ und der Liste FUFU schlossen sich diesmal auch WVP-Bürgermeister Werner Krammer und WVP-Umweltstadtrat Fritz Hintsteiner dem Protestzug an.

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Jakob Anger legte dar, warum Klimaschutz nicht zwingend schmerzhaften Verzicht bedeuten muss.

Bei der Kundgebung beim Forellenbrunnen wurde der Stadtchef dann auch ans Mikrofon gebeten. Er kündigte an, dass die Stadt Waidhofen noch im Herbst ein Klimamanifest erarbeiten werde. Dieses solle ein Leitbild für den Klimaschutz in der Stadt sowie eine Leitlinie für den Gemeinderat und damit alle Bürger sein. Es gehe darum, unter fachlicher Begleitung verbindliche Ziele und Maßnahmen festzulegen, um als Stadt CO -neutral zu werden. Am kommenden Montag werde es eine erste Sondierung mit allen politischen Fraktionen der Stadt geben. Am Ende solle ein Gemeinderatsbeschluss stehen.

„Ich danke dem Organisationsteam der Klimaproteste, dass sie auf das Thema aufmerksam machen. Dadurch ist es möglich, eine ehrliche Diskussion zu führen, die noch vor einem Jahr unmöglich war“, sagte Krammer. „Neben der enorm wichtigen Bewusstseinsbildung muss es aber einen großen Plan geben. Wir brauchen verbindliche Ziele auf Bundesebene, deren Festlegung sich die Regierung stellen muss.“

Grünen-Mandatar hält nichts von Manifest

Aber auch die Stadt nehme ihre Verantwortung im Klimaschutz wahr, sagte der Stadtchef. Als Beispiele dafür nannte er den Ausbau des stadteigenen Wasserkraftwerks und des Radnetzes, die Umstellung der Beleuchtung auf LED sowie die Förderung des Verkaufs regionaler Produkte am Wochenmarkt.

„Auch globale Ziele haben lokale Wurzeln. Jeder Einzelne trägt eine Verantwortung und gerade in der Gemeindepolitik gestalten wir direkte Lebensumwelten“, sagte Krammer. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Klimaziele erreicht werden können, wenn man sich gemeinsam der Verantwortung stellt. „Wir dürfen den Glauben an die Innovationskraft nicht verlieren.“

Während die Idee eines Waidhofner Klimamanifests beim Klimaprotest großen Applaus erntete, stieß sie bei Grünen-Mandatar Matthias Plankenbichler auf Kritik. Er bezeichnet das Vorgehen des Stadtchefs als „reines Greenwashing“. „Schön wenn die Großparteien jetzt den Klimaschutz entdecken, glaubwürdig ist das allerdings nicht“, sagte Plankenbichler. „Man baut eine Beschneiungsanlage auf der Forsteralm, führt den Gelben Sack ein und erzeugt damit noch mehr Plastik. Man führt ein Skirennen und ein Autorennen in der Innenstadt durch und kürzt den öffentlichen Nahverkehr.“ Das Klimamanifest hält er für ein weiteres Papier, das dann nicht umgesetzt wird.

Dezentraler Klimastreik am 20. September

Abseits des Klimamanifests war die CO -Kontingentierung das wesentliche Thema des Klimaprotests. „Die Treibhausgasmoleküle in der Atmosphäre sind in den letzten Jahren massiv angestiegen, da CO -Vernichter wie Wälder mit unserem übermäßigen Ausstoß nicht mehr zurechtkommen“, sagte Mitorganisator Hermann Wagner.

„Um höchstens zwei Grad Celsius Temperaturanstieg im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu erreichen, dürfen wir weltweit nur noch 1.000 Gigatonnen CO verbrauchen.“ Auf Österreich entfalle, gemessen an der Bevölkerungszahl, überhaupt nur eine Gigatonne (bzw. eine Milliarde Tonnen) CO an „Restguthaben“. „Wenn wir unseren derzeitigen Ausstoß von rund 80 Millionen CO pro Jahr nicht bald reduzieren, ist das Kontingent in zwölf Jahren verbraucht“, warnte Wagner.

Beschlossen wurde die mittlerweile sechste Klimademo mit einem Aufruf zum dezentralen Klimastreik, der von der Aktion „Fridays For Future“ ins Leben gerufen wurde und am 20. September stattfindet. Dabei soll in möglichst vielen Orten Österreichs eine Aktion – egal ob eine Kundgebung, ein Demozug oder ein Foto bei einer Ortstafel – zum Klimaschutz durchgeführt werden, um eine Kehrtwende in der Klimapolitik zu fordern. Auch das Ybbstal soll Teil dieser Aktion werden. „Machen wir das Ybbstal zu einem Hotspot der Klimabewegung in Österreich“, rief Raphael Kößl zur Teilnahme auf.

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