Stadtgeschichte: Schätze unter der Marienkrone. 1665 wurde die Mariensäule errichtet. Seither ist sie ein wichtiger Ort der Marienverehrung.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 16. August 2018 (04:00)
Stadtpfarrer Herbert Döller mit der originalen Stiftungsurkunde von Pfarrer Pocksteiner (am Gemälde hinten) aus dem Jahr 1665. In der Krone der Marienstatue befindet sich eine Kopie dieser Urkunde.
Petra Müller/Museum

Vor genau 164 Jahren, am 15. August 1854, führte eine Gebetserhörung zur Gründung eines „Frauensäulenvereins“.

Die Gründung dieses Vereins ist eng mit der Mariensäule am Oberen Stadtplatz in Waidhofen verknüpft. Wie berichtet wird, erhielt die Waidhofner Bürgersfrau Eleonore von Link die Nachricht, dass ihr Bruder, Pfarrer in Blumau bei Fürstenfeld (Steiermark), mit seinem Wagen verunglückt sei.

Der Pfarrer wurde dabei schwer verletzt, aber gerettet und kam mit dem Leben davon. Zum Dank betete die Bürgersfrau einen Rosenkranz bei der Danksäule am Oberen Stadtplatz und gemeinsam mit weiteren Waidhofnern gründete sie den „Frauensäulenverein“. Dieser sollte sich ab 1854 bis ins 20. Jahrhundert hinein um den Erhalt der geschichtsträchtigen Mariensäule in Waidhofen kümmern.

Eines der Reliquien, die Pfarrer Pocksteiner in die Krone der Statue legte, war ein Skapulier der Jungfrau Maria.
Petra Müller/Museum

„Errichtet wurde die Säule aber bereits viel früher: Im Jahr 1665 ließ sie der damalige Pfarrer von Waidhofen, Bernhard Pocksteiner, am vormaligen Platz des Prangers am Oberen Stadtplatz erbauen“, erzählt Stadtpfarrer Herbert Döller. Der Pranger wurde auf den Unteren Stadtplatz verlegt, und die Säule, nunmehr ein fester Bestandteil der Marienverehrung in Waidhofen, am 18. Juli 1665 feierlich gesegnet. In seiner Stiftungsurkunde schrieb Pfarrer Pocksteiner:

„Ich, Johann Bernhard Pocksteiner aus Niederpeuernbach, Doktor der Hochheiligen Theologie, zur Zeit hier in Waidhofen Pfarrer, habe im Jahr 1665 seit der Geburt durch die Jungfrau zu Ehren der Seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria diese Säule mit der Statue eben dieser Jungfrau errichtet.“ In der Krone der Marienstatue hinterlegte Pfarrer Pocksteiner nicht nur die Stiftungsurkunde, sondern auch Reliquien , „um diese Säule noch verehrungswürdiger zu machen“ (Zitat Stiftungsurkunde).

Um den Erhalt der Säule kümmerte sich fortan die Skapulierbruderschaft, die Pocksteiner 1661 gegründet hatte, und deren Skapulier ebenfalls als Reliquie in der Mariensäule enthalten ist. Im Jahr 1783 wurde die Skapulierbruderschaft jedoch von Josef II, wie viele andere geistliche Bruderschaften auch, aufgehoben. „Daher gab und gibt es keine Institution mehr, die für die Erhaltung der Mariensäule aufzukommen hatte“, sagt Döller.

Bei jeder Sanierung Urkunden beigelegt

Im Jahr 1854 wurde die Statue dann von Christian Schrott, einem wohlhabenden Privatmann, erstmals restauriert. „Dieser ließ die Statue neu vergolden sowie die Säule und die Stufen ausbessern“, sagt Döller.

„Dies wurde ebenfalls auf einer Urkunde vermerkt, die dann in die Krone der Statue gelegt wurde.“ Weitere Restaurierungen standen 1901 durch den Frauensäulenverein, 1949 – initiiert vom Stadtpfarrer Propst Johannes Landlinger und finanziert durch Goldspenden – und 1989 durch die Stadtgemeinde an. Auch im Zuge dieser Sanierungen wurden der Säule Urkunden beigelegt.

Die Mariensäule am Oberen Stadtplatz – heuer neu vergoldet – zählt zu den Wahrzeichen Waidhofens. Im Jahr 1665 ließ sie der damalige Waidhofner Pfarrer Bernhard Pocksteiner errichten und in ihrer Krone zahlreiche Reliquien sowie eine Stiftungsurkunde hinterlegen
Lisa Hofbauer

Im Jahr 1989 wurden die Reliquien und die Urkunden entnommen und ins städtische Museum gebracht, wo sie ausgestellt wurden. Die Urkunden wurden damals in Kopien in die Metallschatulle in der Krone gelegt. Erst heuer, bei der Neuvergoldung der Mariensäule im Frühjahr, wurden die Reliquien wieder in die Krone der Mariensäule gegeben. „Pfarrer Pocksteiner hat die Reliquien in die Statue zur Aufbewahrung gegeben und daher finde ich, dass sie da auch wieder hingehören und nicht in ein Museum“, sagt Stadtpfarrer Herbert Döller.

Während die Originalreliquien nun wieder in der Säule enthalten sind, befinden sich die Dokumente – außer jene aus den Jahren 1989 und 2018 – nach wie vor nur als Kopie in der Schatulle. „Die Originaldokumente sind schon zu alt, in der Krone würden sie wahrscheinlich nicht mehr lange überdauern. Daher bewahren wir die Originale nun im Pfarrarchiv auf“, berichtet Herbert Döller.

Durch Bausteinaktion finanziert

Für die Neuvergoldung im Jahr 2018 zogen die Stadt Waidhofen, die Pfarre und die Bürger an einem Strang. „Wir haben die Eigentumsfrage bei der Sanierung nicht gestellt. Die Säule steht auf öffentlichem Gut, deshalb trug die Gemeinde einen Teil der Kosten. Aber natürlich haben wir als Pfarre auch Interesse am Erhalt der Säule“, sagt der Stadtpfarrer.

Finanziert wurde die Säule durch eine Bausteinaktion. Leute, die die Restaurierung der Säule unterstützen wollten, konnten mit einer Spende einen symbolischen Baustein kaufen, wodurch dann die Sanierung finanziert wurde. Binnen weniger Wochen kamen die finanziellen Mittel für die Sanierung dieses historischen Kulturgutes zusammen.