„Steam“: Pioniere der lokalen Musikszene. Von 1986 bis 1992 bespielte die Gruppe „Steam“ (später „The Barbarians“) die Bühnen und Festivals des Ybbstals.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 02. Januar 2021 (06:56)
Die Grundbesetzung der Gruppe „Steam“, von links: Dieter Schuh, Gerhard Junker und Wolfgang Rammel, mit Gernot Exl (vorne).
Archiv Steam/The Barbarians

Gerhard Junker (Gitarre, Gesang) und Dieter Schuh (Schlagzeug) blicken im NÖN-Gespräch auf die Geschichte der Gruppe „Steam“ zurück.

„Unser Bassist Wolfgang Rammel und ich hatten bereits in einer Cover-Band mit Günther Thummerer und Andreas Bösch, die später ,Splitternackt‘ gründen sollten, gemeinsam Musik gemacht. Nachdem sich diese Formation auflöste, suchten wir nach neuen Leuten für eine Band und begannen 1986 mit Gerhard Junker, der zuvor bei der Gruppe ,Worried Men‘ spielte, als Gitarristen zu proben“, erzählt Dieter Schuh. Nur wenig später lernten die drei Gernot Exl kennen, der als zweiter Gitarrist das am längsten bestehende Line-up von „Steam“ vervollständigte.

„Das war für uns ein Leidensweg. Wir hatten das Problem, dass Teile der damaligen Stadtregierung alles verhindert haben, was aus ihrer Sicht jung und verrückt war.“ Gerhard Junker

Zu Beginn spielte die Band hauptsächlich Cover-Versionen, unter anderem von Neil Young, Jimi Hendrix, The Who und The Police. In dieser Zeit gab es auch mehrere andere Bandmitglieder, die aber meist nicht lange dabei blieben. So waren zum Beispiel eine Zeit lang auch Martin Hiesberger an den Keyboards, Susanne Egger am Saxofon und Sigrid Liesz und Doris Gruber am Gesang ein Teil von „Steam“. Ein regelmäßiger Gastsänger war Jan Fabian, der die Vocals bei Cover-Versionen von Sex Pistols und Ronnie Urini übernahm.

Schwierig gestaltete sich in den Anfangsjahren vor allem die Suche nach geeigneten Auftrittsmöglichkeiten, da die meisten Bestrebungen, etwas im Bereich Jugendkultur zu veranstalten, von der Politik verhindert wurden, wie sich Gerhard Junker erinnert: „Das war für uns ein Leidensweg. Wir hatten das Problem, dass Teile der damaligen Stadtregierung im Grunde alles verhindert haben, was aus ihrer Sicht jung und verrückt war. Die ganzen Lokalitäten wie Stadtsaal und Plenkersaal standen der Musikschule, der Volksbühne, dem Kammerorchester offen, aber für die alternative Szene gar nicht.“ Bedarf an Orten für alternative Musik gab es aber eindeutig, und einige Initiativen, etwas auf die Beine zu stellen, gab es auch immer wieder. „Es gab einerseits eine Kultur des Verhinderns und andererseits auch eine Kultur des Ermöglichens, wie zum Beispiel mit dem Url River und dem Grasberg Open Air“, erzählt Junker.

Mit einigem Einfallsreichtum und Durchsetzungskraft schaffte es die Band, trotz fehlender Unterstützung selbst Konzerte zu organisieren, so unter anderem das Schillerpark Open Air. Die erste Ausgabe davon war als Demonstration zur Erhaltung des Schillerparks angemeldet, da anders keine behördliche Genehmigung zu bekommen war. Dies hatte zur Folge, dass die Staatspolizei anwesend war, um das Geschehen zu beobachten. Die Veranstaltung entwickelte sich aber zum Erfolg und auch die Bedenken bezüglich der Anrainer stellten sich als unbegründet heraus, da diese die Veranstaltung gut annahmen. So konnte das Schillerpark Open Air noch einige weitere Male stattfinden. Mehrere Interviewpartner dieser Reihe erwähnten diese Konzerte bereits als Schlüsselmoment, der in ihnen auch die Idee entfachte, selbst Musik zu machen beziehungsweise zu veranstalten. Zu einer Bandtradition wurden auch Auftritte beim Schulfest des BRG Waidhofen, wo „Steam“ vier Jahre hintereinander auftraten.

Bald begannen die Musiker auch an eigenen Songs zu arbeiten, wie sich Dieter Schuh erinnert: „Da hab ich viele Texte geschrieben und Gerhard hat dann die Musik dazu gemacht, beziehungsweise haben wir das gemeinsam entwickelt. Gernot Exl hat auch viele Lieder geschrieben, gleich mit Text und Melodie. Das waren so die Hauptstoßrichtungen. Von den Einflüssen her kam Gernot eher aus der Neil-Young-Richtung, Gerhard aus der Jimi-Hendrix-Richtung und Wolfgang und ich haben auch viel Jazz-Rock gehört, Miles Davis und so, und haben das auch einfließen lassen, zum Beispiel bei den Grooves.“

Bald hatte die Gruppe ein eigenes Set mit ausschließlich eigenen Songs fertig. Da es aber auch nach wie vor Auftritte gab, bei denen mehr Cover-Songs gespielt wurden, beschlossen sie, diese weiterhin als „Steam“ zu spielen, für Konzerte mit dem eigenen Programm wurde der neue Bandname „The Barba rians“ gewählt. Der erste Auftritt mit komplett eigenem Programm fand bei der Veranstaltung „Rettet die Alm“ statt, die am 26. Oktober 1990 von der Interessensgemeinschaft zur Erhaltung der Viehtaler Alm veranstaltet wurde. Beide Interviewpartner nennen diesen Auftritt auch als einen der denkwürdigsten der Bandgeschichte.

Die letzten Auftritte der „Barbarians“ fanden 1992 am Bandwettbewerb Popodrom 1992 in Wien und im Gasthof Mayrhofer in Waidhofen statt. Zu diesem Zeitpunkt gab es aufgrund unterschiedlicher Wohnorte, Familiengründungen und Arbeit immer weniger Zeit zum Proben, und die Band beschloss sich aufzulösen. Die meisten Bandmitglieder waren beziehungsweise sind auch danach weiterhin musikalisch aktiv.

Zum 50. Geburtstag von Gerhard Junker fand sich die Band nochmals zusammen und nahm in dem Sound Bakery Studio im Zweiten Wiener Gemeindebezirk zwei Songs auf, die jetzt gemeinsam mit alten Aufnahmen auf der unten angeführten Soundcloud-Seite zu hören sind.