Umweltstadtrat: „Wahre Naturoase am Friedhof entsteht“. Umweltstadtrat Friedrich Hintsteiner über den Gelben Sack und die Neugestaltung des Friedhofs.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 03. Mai 2018 (04:30)
Umweltstadtrat Friedrich Hintsteiner sieht die Stadt mit dem Gelben Sack auf einem guten Weg zur Erhöhung der Trennmoral beim Müll. Als nächstes Projekt soll nun der Stadtfriedhof zur Naturoase werden.
Kössl

NÖN: Der Gelbe Sack hat in Waidhofen zuletzt die Gemüter bewegt. Warum stellt man die Plastikmüllsammlung überhaupt um?

Friedrich Hintsteiner: Der Hauptgrund ist, dass der ganze Bezirk umstellt und wir bei unseren Sammelinseln ein großes Problem hätten, wenn wir als einzige Gemeinde nicht umstellen würden. Aber der Gelbe Sack macht natürlich auch umweltpolitisch Sinn. Das haben mir Gemeinden bestätigt, die dieses System schon viele Jahre haben. Die Recyclingquote kann dadurch gesteigert werden. Außerdem bringt der Gelbe Sack auch Vorteile für Menschen, die nicht so mobil sind. Sie stellen den vollen Sack einfach raus und er wird dann abgeholt.

Teile der Bevölkerung sehen aber eher die Nachteile. Der Unmut über den Gelben Sack war zuletzt doch sehr groß.

Hintsteiner: Ich verstehe die Bedenken der Menschen, aber in Summe wird sich die Umstellung rechnen. Beim Gelben Sack muss man sich überlegen, was reinkommt, damit aus diesem Müll dann etwas Neues entstehen kann. Ich glaube, wir sind hier auf einem guten Weg. Es dauert aber natürlich ein wenig, bis das ins Bewusstsein kommt. Es geht hier um ein Umdenken und meine Aufgabe als Umweltstadtrat ist es, hier Bewusstseinsbildung zu betreiben. Traurig finde ich, wenn die anderen Fraktionen sich nicht wirklich informieren, nur die negativen Aspekte schüren und sagen, da kann man eh alles reinschmeißen.

Neben Plastik sollen im Gelben Sack aber schon auch noch andere Materialien gesammelt werden.

Hintsteiner: Ja, auch Blister-Verpackungen, Holzsteigen, Styropor-Verpackungen oder Tragetaschen gehören hinein. Dieses Material wird aber, wie der gesamte Inhalt des Gelben Sacks, von der FCC Mostviertel Abfall Service GmbH in Amstetten, die im Bezirk für die Plastikmüllsammlung zuständig ist, dann aussortiert und recycelt. Der Vorwurf, der Inhalt des Gelben Sacks werde einfach irgendwo abgelagert oder verbrannt, stimmt nicht. Aus diesem wertvollen Abfall werden neue Plastikflaschen oder Fleecepullover hergestellt.

Für Bewohner kleiner Innenstadtwohnungen kann der Gelbe Sack aber schon ein Problem darstellen, wenn sie über keine Lagerflächen verfügen. Gibt es hier Lösungen, indem man hier etwa Gelbe Tonnen aufstellt?

Hintsteiner: Das Problem dabei ist, dass bei derartigen Wohnungen auch kein Platz für eine Gelbe Tonne ist. Und wenn wir irgendwo in der Stadt Gelbe Tonnen aufstellen, so ist das für das Stadtbild nicht schön bzw. entledigen sich dann auch andere hier ihres Mülls. Es gilt, Wohnhausanlagen unter sechs Wohneinheiten bekommen den Gelben Sack. Diesen kann man aber auch im Altstoffsammelzentrum entsorgen, allerdings muss man ihn dort aufmachen und den Inhalt sortenrein trennen.

„Es geht hier um ein Umdenken und meine Aufgabe als Umweltstadtrat ist es, hier Bewusstseinsbildung zu betreiben.“

Die Gelben Tonnen sind in Waidhofen nun seit Kurzem von den Sammelinseln verschwunden. Wie sieht es nun dort aus?

Hintsteiner: Ich habe mir die Zeit genommen und bin durch ganz Waidhofen zu allen 39 Sammelstellen gefahren und war wirklich sehr, sehr erfreut. Ein voller Gelber Sack und ein paar andere Sachen sind zwar dort gelegen, die Verschmutzung hat sich aber sehr in Grenzen gehalten. Das ist auch mein Ziel: Gemeinsam mit den Waidhofnern Verantwortung zu übernehmen, um in Zukunft saubere Sammelinseln vorzufinden.

Die Stadt hat kürzlich gemeinsam mit den Schulen wieder eine Reinigungsaktion durchgeführt. Wie sieht da die Bilanz aus?

Hintsteiner: Wir führen diese Aktion nun schon das vierte Jahr gemeinsam mit den Mittelschulen durch. Ich möchte das in Zukunft um Referate im Vorfeld ergänzen und auch auf die Kindergärten ausweiten. Wir müssen mit der Bewusstseinsbildung schon bei den ganz Kleinen anfangen. Die Bilanz der Müllsammlung war heuer recht positiv, wobei noch immer viel zu viel Müll einfach weggeworfen wird. Vor allem zur Ybbs wird der Abfall oft einfach runtergeschmissen. Das ist wirklich ärgerlich, da kommt man oft sehr schwer ran.

Nach der Zell entstehen nun am Rabenberg Gemeinschaftsgärten. Was ist die Intention dahinter?

Hintsteiner: Das Prinzip des Gemeinschaftsgartens ist ja keine neue Erfindung. Auf der Zell und am Rabenberg haben die Menschen früher Nahrungsmittel für die Familie angebaut. Der Rabenberg wird ja auch Krautberg genannt, weil hier früher Kraut und Gemüse angebaut wurden. In Waidhofen wollten wir dieses Anbauen nach den Jahreszeiten wieder reaktivieren und haben das Projekt „Kostbares Waidhofen“ mit dem Bürgergarten gestartet. Dann konnten wir auf der Zell ein Grundstück rückmieten und haben einen ersten Gemeinschaftsgarten kreiert. Das wurde sehr gut angenommen und deshalb entsteht nun ein weiterer Gemeinschaftsgarten am Krautberg. Diese Gärten sollen für die Menschen ein Treffpunkt und ein Ort des Austauschs sein. Schon Cicero hat gesagt: „Wenn du einen Garten und noch dazu eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.“

Was entsteht am Krautberg konkret?

Hintsteiner: Wir haben hier ja schon vor Längerem verschiedene Obstbäume gesetzt und auch unsere Bienen, die den Waidhofner Stadthonig produzieren, befinden sich hier. Nun sollen hier ein Bienenlehrpfad für Kinder angelegt und Schafe eingezäunt werden. Auch die Lindenallee wurde weiter fortgesetzt. Im Gemeinschaftsgarten werden 18 Parzellen zu je 24 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Bis Ende Mai wird hier eine wahre Naturoase entstehen.

Gibt es bereits weitere Projekte in der Pipeline?

Hintsteiner: Gemeinsam mit der HAK Waidhofen werden wir demnächst ein Maturaprojekt starten, im Zuge dessen der Stadtfriedhof zu einer Naturoase umgestaltet werden soll. Der Friedhof soll mehr Parkcharakter bekommen. Hier sind ja hauptsächlich ältere Menschen unterwegs und es gibt im Hochsommer keine Schattenplätze. Solche wollen wir mit Bäumen schaffen. Auch die derzeitigen Kieswege sind für ältere Leute und Rollstuhlfahrer oft ein Problem, da gibt es andere Möglichkeiten. Sitzmöglichkeiten und ein Trinkbrunnen sollen ebenfalls installiert werden.

Auch eine Blumenwiese für Urnenbestattungen ist angedacht. Zusätzlich wird überlegt, die Aufbahrungshalle in der Pestalozzistraße neu zu errichten. Ziel ist es, den Friedhof zu einem Ort zu machen, an dem man sich nicht nur an Vergangenes erinnert, sondern an dem man inmitten der Natur auch zusammenkommt. Wir leben in einer Stadt mit hoher Lebensqualität, die unvergleichbar ist und viele Möglichkeiten bereithält. Setzen wir doch gemeinsam den Weg für ein kostbares und sauberes Waidhofen fort.

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