Wohnprojekt und Verkehr im Fokus. Anrainer auf der Zell äußerten Bedenken zu geplantem Wohnbau in Burgfriedstraße und fordern ein Verkehrskonzept für den Ortsteil ein.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:34)
Das graue Haus in der Burgfriedstraße 2 soll einem modernen Wohnbau mit 23 Wohneinheiten Platz machen. Die Anrainer sind dagegen.
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Zum „Bürgermeister vor Ort“ lud Stadtchef Werner Krammer am Dienstag der Vorwoche ins Gasthaus Moshammer, um über geplante Projekte auf der Zell zu berichten und sich das Feedback der Bürger einzuholen. Die beiden zentralen Themen, die dabei für Diskussionen sorgten, waren das geplante Bauvorhaben in der Burgfriedstraße und der Verkehr im Ortsteil.

Wie die NÖN berichtete, möchte ein privater Investor in der Burgfriedstraße 2 anstelle des dort befindlichen Hauses einen Wohnbau mit 23 Wohneinheiten errichten. Die Anrainer legen sich jedoch quer. Sie bezweifeln, dass sich ein so großer Wohnbau in die kleinteilige Häuserstruktur einfügen könne, und machen sich Sorgen um das Verkehrsaufkommen und die Geologie. Denn, um die nötigen Parkflächen zu schaffen, soll eine Tiefgarage errichtet werden, weshalb in den Konglomeratfelsen gebohrt werden muss.

„Dieses Projekt ist erst in Ansätzen fertig“, sagte der Stadtchef vor den Anrainern. Er verwies darauf, dass sich der Projektwerber an die geltende Bauordnung zu halten habe und es einen Gestaltungsbeirat gebe.
Hinsichtlich der Geologie stellte der Stadtchef klar, dass die Sicherheit auf jeden Fall vorgehe. Seitens der Stadt wurde deshalb zusätzlich zu dem geologischen Gutachten des Bauwerbers, welches dem Vorhaben Unbedenklichkeit bescheinigt, ein Landesgeologe hinzugezogen. Dieser war am Montag der Vorwoche vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Sein Fazit laute, dass eine genaue Aufnahme der Umgebung stattzufinden habe, ehe eine Beurteilung möglich sei, berichtete Krammer. „Ich weiß nicht, was dabei raus- kommt, aber wir sind hier auf einem sicheren Weg.“

Bürgermeister Werner Krammer stellte sich im Gasthaus Moshammer den Fragen der zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürger. Zentrale Themen waren der geplante Wohnbau in der Burgfriedstraße und der Verkehr auf der Zell.
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Die Anrainer halten freilich an ihren Bedenken fest. Dass man bei der Projektpräsentation schon zur Gleichenfeier eingeladen wurde, stieß ihnen sauer auf, ebenso wie die „Radikalität und Schnelligkeit“ des Bauvorhabens. Auch die Frage, ob ein weiteres Wohnprojekt in dieser preislichen Liga auf der Zell notwendig sei, tat sich auf.

Ein weiterer Anrainer wollte wissen, ob man tatsächlich die ganzen Wohnungen brauche, die gebaut werden. Vielmehr benötigt werde doch ein betreubares Wohnprojekt. Von rund 1.000 Wohnungen in Waidhofen würden derzeit nur rund 100 leer stehen, sagte der Bürgermeister. Viele dieser Wohnungen seien in der Ybbsitzer Straße und gehörten der Wohnbaugenossenschaft Neue Heimat. Diese würde ihre Wohnungen bewusst leeren, weil sie desolat seien. Bei den Wohnungen in der Vorgartenstraße liege das Problem wiederum bei der Schöneren Zukunft, die keinen Ansprechpartner vor Ort habe. „Aber je zentrumsnäher Wohnungen sind, desto größer ist die Nachfrage“, ist der Stadtchef überzeugt. Betreubares Wohnen gebe es in der Hintergasse, man sei aber dran, ein weiteres Projekt umzusetzen.

Begegnungszone und Tempo 20 möglich

Zweites zentrales Thema der Veranstaltung war die Verkehrssituation auf der Zell. Die Verkehrssituation rund um die Burgfriedstraße habe sich ein Verkehrssachverständiger angeschaut, führte der Bürgermeister weiter aus. Positiv zu vermerken sei, dass die Straße durch den Umbau verbreitert und ein durchgehender Gehsteig errichtet werden könne, so der Stadtchef. Hinsichtlich des ruhenden Verkehrs falle durch die Tiefgarageneinfahrt kurzzeitig ein öffentlicher Parkplatz weg. Letztendlich werde sich ihre Zahl aber um drei erhöhen.

Bezüglich des fließenden Verkehrs verwies der Stadtchef auf eine Verkehrszählung im Jahr 2016, bei der festgestellt worden sei, dass der Verkehr auf der Zell großteils von den Zellern selbst verursacht werde. „Für die Engstellen auf der Zell ist der Verkehr auf jeden Fall zu viel“, hielt Krammer fest. Das Durchfahren müsse deshalb unattraktiv gemacht werden. Aus diesem Grund werde man sich nun Tempo 20 zwischen Florianibrücke und Parkbad als etwaige Lösung anschauen, sagte Krammer. Durch die Umgestaltung des Bene-Areals ergebe sich zudem die Möglichkeit einer Begegnungszone.

Die Anrainer forderten vehement ein Verkehrskonzept für die Zell ein – auch wenn das Projekt in der Burgfriedstraße nicht umgesetzt werden sollte. Gleichzeitig wurde der Mangel an Grünräumen bei der Schaffung von Wohnraum auf der Zell eingeklagt.

Stadtchef Krammer verwies auf das „grüne Netz“, das man über die Stadt spannen wolle und brachte den Gemeinschaftsgarten auf der Zell, die Öffnung des Schwarzbach-Areals und die Öffnung von Ybbszugängen als erste diesbezügliche Maßnahmen ins Spiel. Auch die Spielplätze der Kindergärten am Nachmittag zu öffnen, könne er sich vorstellen.

Beklagt wurde auch, dass es aufgrund der Kurzparkzone keine Parkplätze für Besucher zwischen Florianibrücke und Parkbad gebe. Weitere Anrainer sprachen sich für verstärkte Geschwindigkeitskontrollen aus. Viele Autos würden sogar an den Engstellen die Tempo-30-Beschränkung nicht einhalten.