Avantgardistische Kammermusik in der Stadtgalerie. Am Freitag lud Thomas Bieber zu avantgardistischer Kammermusik in die Stadtgalerie.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 10. Oktober 2019 (04:31)
Lugmayr
Mezzosopranistin Anna Hauf und Akkordeonist Krassimir Sterev wurden dem Anspruch avantgardistischer Kammermusik gerecht.

Eine außergewöhnliche Performance gaben die Mezzosopranistin Anna Hauf und Akkordeonist Krassimir Sterev am Freitag im Waidhofner Klangraum im Herbst.

In der Stadtgalerie vor den Werken der aktuellen Ausstellung von Christian Manss’ „Ein Fleck im Blau“ setzten sie gemeinsam Werke von Bernhard Lang, Boris Hauf, Thierry Tidrow, Enno Poppe, Aureliano Cattaneo und Rebecca Saunders in Szene. Aus den Werken der durchwegs noch lebenden und schaffenden Zeitgenossen wählten sie Sperriges genauso wie Schräges und Bizarres.

Neue Wege finden

Wie Kammermusik des 21. Jahrhunderts völlig neue Wege findet, dessen wurde man dabei erfrischend gewahr. Mit der für den Abend mottogebenden Komposition „Stripsody“ der amerikanischen Avantgarde-Komponistin Cathy Berberian setzte Anna Hauf deren Komposition aus dem Jahr 1966 um, in der sie die Musik völlig neu zu definieren versuchte.

Die Partitur dafür besteht durchwegs nur aus Zeichnungen und Sprechblasen von Comics. Es machte staunen, wie gut sich eruptives Schnaufen und affektiertes Hüsteln des Akkordeons zu Schreien und Lautergüssen fügte. Tod, Geburt, Aggression, Gewalt und Introvertiertheit wurden mit großer musikalischer Geste dargestellt und fügten sich zu einem Wechselbad kammermusikalischer Gefühle.

Thomas Bieber war sich des Risikos eines solchen Abends offenbar wohl bewusst. Er bot das Konzert bei freiem Eintritt an und bewies gleichzeitig, wie offen, experimentierfreudig und modern das Klangraum-Festival konzipiert ist.

Mit vier Liedern von Georg Kreisler („Der Ticker“, „Beobachtung“, „Irgendwo am Strand“ und „Schützen wir die Polizei“) fasste man wieder Tritt im 20. Jahrhundert und besänftigte damit wohl auch jene, die zur Verdauung so geballter avantgardistischer Klangwelten etwas zur Beruhigung brauchten. Ein wunderbarer Abend, der es verstand, genüsslich in die kammermusikalische Klangwelt der Moderne zu entführen.