Band Cyruss: Trio mit härterer Gangart. Cyruss aus Waidhofen an der Ybbs spielen harten Stoner Rock und Sludge mit Hardcore- und Metal-Elementen.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 06. August 2021 (05:45)

Der gebürtige Waidhofner Alfred Wihalm war bereits als Teil der Punk/Hardcore-Band E.M.S., die in Waidhofen und darüber hinaus als Impulsgeber und Wegbereiter einer alternativen Szene äußerst wichtig war, ein Gesprächspartner für diese Reihe. Diesmal widmen wir uns seiner späteren Band Cyruss, die ursprünglich von 2004 bis 2009 existierte und in den letzten Jahren in kleinerem Rahmen wieder aktiviert wurde.

Anfänge im Arena-Umfeld

Alfred Wihalm und der ebenfalls aus Waidhofen stammende Markus Freudenthaler hatten ja schon bereits gemeinsam bei E.M.S. gespielt, die sich aber 2002 auflösten. Beide wohnten damals auch bereits in Wien und begegneten sich auch öfter in der Arena Wien, was zu gemeinsamen Jam-Sessions mit Klaus Hoffmann, dem Bassisten von Alfred Wihalms damaliger Band Radikalkur und letztendlich zur Gründung von Cyruss führte.

Stilistisch verschrieb sich das Trio hartem Stoner Rock und Sludge mit Hardcore und Metal-Elementen. Inspirierend waren dabei Bands wie Kyuss, Electric Wizard, aber vor allem Bongzilla und Labels wie Relapse Records und Southern Lords. Was den Gesang betrifft, waren für Alfred Wihalm auch die Death-Metal-Urgesteine Bolt Thrower wichtige Impulsgeber.

2004 begannen Cyruss dann auch Konzerte zu spielen, vor allem in Wien, aber auch nach Linz, Graz, Innsbruck sowie durch die Nachbarländer reiste die Band, um ihre Musik zu präsentieren. Um das Jahr 2005 herum gab es auch einen Popularitätsschub für Stoner Rock/Metal und verwandte Genres.

Zu unserer besten Zeit haben wir zumindest in Wien dann schon eine eigene, recht passable Zugkraft entwickelt. Alfred Wihalm über die zahlreichen Auftritte von Cyruss.

Cyruss waren also zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wie Alfred Wihalm erzählt: „In der Arena Wien wurde gerade die Veranstaltungsreihe ,Roadtrip To Outta Space‘ etabliert, welche sich enorm erfolgreich entwickelte und bis heute existiert. Da waren wir von Anfang an dabei und konnten natürlich nicht zuletzt durch unser Naheverhältnis zur Arena mit so richtigen Lieblingsbands von uns spielen. Zu unserer besten Zeit haben wir zumindest in Wien dann schon eine eigene, recht passable Zugkraft entwickelt.“

2005 veröffentlichten Cyruss ihr erstes Album „Hate/Human“, 2007 folgte „Hate Songs“. Beide Alben wurden gemeinsam mit Rainer Spänle bei cdemoWork, dem Tonstudioangebot von soundbase/wienXtra, aufgenommen. Alfred Wihalm war von der Zusammenarbeit mit Rainer Spänle so begeistert, dass er auch bei seinen späteren Projekten Desolat, Phal:Angst und Phal wieder mit ihm gearbeitet hat.

Auftritte in neuer Besetzung

Nach vier Jahren Bandaktivität mit Cyruss stieg Markus Freudenthaler aus, die Band versuchte es dann noch etwa ein Jahr mit Farid Leonhardsberger am Schlagzeug, löste sich dann aber komplett auf.

2017 gab es noch einmal ein Konzert in der Originalbesetzung im Vorprogramm von Bongzilla, in den folgenden Jahren dann gelegentliche Bandaktivitäten, allerdings mit Bernd Mandl am Schlagzeug. Ende 2019 wurde Alfred Wihalm dann für ein E.M.S.-Konzert in Graz angefragt, konnte sich aber nicht vorstellen, ein komplettes Set mit E.M.S.-Nummern zu spielen, deshalb kam die Idee auf, auch einige Cyruss-Songs zu spielen.

Daniel Buder, der auch im aktuellen E.M.S.-Line-up spielt, übernahm diesmal den Bass, am Schlagzeug ist wieder Markus Freudenthaler. Das geplante Graz-Konzert kam wegen der Covid-Pandemie dann nicht mehr zustande, im Februar 2020 gab es aber noch im Rahmen der vom Verein Förderband organisierten Abrissparty im Gasthaus Weißes Rössl den ersten und bis dato einzigen Auftritt von Cyruss in Waidhofen.

Da mittlerweile alle drei Bandmitglieder – zumindest teilweise – auch in Waidhofen wohnen, fanden die Proben auch dort statt, und zwar im Proberaum von Alexander Aigner (The RockaRollics), der sich im Gebäude des Bahnhofs Waidhofen befindet und überhaupt ein wichtiger Ort für die Waidhofner Musikszene ist, wie Alfred Wihalm betont: „Der Proberaum (Bahnhofsgebäude) ist sehr angenehm und gut ausgestattet und trägt meiner Meinung nach wesentlich zur Bandkultur in Waidhofen bei. Seit meiner Rückkehr definitiv eines der besten Dinge, die mir hier passiert sind, ich hatte das vorher ja gar nicht am Schirm. Die großartigen und auch produktiven Sessions, die ich hier seither gespielt habe, kann ich gar nicht mehr zählen.“

Zwei Drittel von Cyruss arbeiten beruflich im Musiksektor und waren durch die Covid-Pandemie mit einer Zwangspause konfrontiert. Diese nutzte die Band um weiter zu proben, einige alte, unveröffentlichte Nummern zu reaktivieren und sogar eine neue zu schreiben. Im Juni wurden diese dann aufgenommen, wiederum mit Rainer Spänle, der mittlerweile im renommierten Cosmix-Tonstudio arbeitet. Das daraus resultierende (Mini-)Album wird voraussichtlich auf Wihalms Label Bloodshed666 Records veröffentlicht werden.

„Kultureller Mehrwert durch Corona also, auch das gibt es!“, meint Alfred Wihalm. Da es aufgrund von Jobs, anderen Musikprojekten und Familie auch an Zeit mangelt, ist eine wirkliche Reaktivierung von Cyruss nicht geplant, gelegentliche Auftritte zu speziellen Anlässen sind allerdings nicht ausgeschlossen.