Weniger Nächtigungen. Tourismusbilanz / 3.009 weniger Übernachtungsgäste an der Eisenstraße als im Vorjahr. Ähnlich ist die Situation an der Moststraße. Schwierige Konjunkturlage macht sich bemerkbar.

Von Eva Lugbauer. Erstellt am 10. Dezember 2013 (23:59)
Weniger Business-Gäste verzeichnet man im Waidhofner Schloss an der
Eisenstrasse. Im Privatbereich ist die Tendenz hingegen steigend.
NOEN, Kössl
Von Eva Lugbauer, Hannes Hirtenehner und Andreas Kössl

YBBSTAL / Ein Minus von 2,9 Prozent bei den Nächtigungen und ein Minus von 3,7 Prozent bei den Ankünften weist die vorläufige Tourismusbilanz des Landes Niederösterreich zwischen Jänner und September 2013 auf. Auch das Mostviertel ist mit einem leichten Minus von einem Prozent bei den Ankünften und 2,9 Prozent bei den Nächtigungen hinter den Zahlen des Vorjahres. „Es ist ein merkwürdiges Jahr, weil die Zahlen nicht in eine eindeutige Richtung gehen, es ist sehr betriebs- und ortsabhängig“, sagt Mostviertel Tourismus-Geschäftsführer Andreas Purt.

x
NOEN, Kössl

An der Eisenstraße verzeichnete man bei den Ankünften ein moderates Plus in der Höhe von 1,2 Prozent, der Nächtigungsrückgang in der Höhe von minus einem Prozent – das sind 3.009 Nächtigungen weniger – war nur sehr gering.

Gemeinden bilanzieren unterschiedlich

Die Bilanz fällt aber von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich aus. Besonders ins Auge sticht Lunz/See, wo man sich bei den Ankünften über ein sattes Plus von 25 Prozent freut. „Hier schlägt der heiße Sommer bei der Seegemeinde zu Buche“, sagt Purt. Positiv auch die Entwicklung in der kleinsten Ybbstalgemeinde: In St. Georgen/Reith stiegen die Ankünfte um über zehn Prozent, die Nächtigungen gar um 12, 5 Prozent. Auch in Opponitz verzeichnet man einen Anstieg bei den Nächtigungen um nahezu sechs Prozent. Anders sieht die Sache in Hollenstein und Ybbsitz aus. Hier fanden sich zwischen Jänner und September weit weniger Touristen ein. In Hollenstein gingen die Nächtigungen um 18,4, in Ybbsitz gar um 33,4 Prozent zurück.

„Unsere Hauptherausforderung in den nächsten Jahren wird sein, verstärkt Qualitätsbetten im Drei- und Viersternebereich zu schaffen“, sagt Eisenstraße-Obmann Andreas Hanger und sieht bereits eine Trendumkehr. Mit der Sanierung des Schulskiheims auf dem Hochkar oder dem angedachten Pilgerprojekt im „Schwarzen Haus“ in Ybbsitz würden sich die Nächtigungszahlen in Zukunft wieder verbessern. Daneben gebe es auch noch Pläne für ein Fastenhotel in Maria Seesal und Initiativen, die Nächtigungen im Umfeld des Skigebiets Königsberg wieder anzukurbeln. Außerdem stellt Hanger klar: „In den Nächtigungszahlen finden sich ja nicht nur die Tourismusgäste, sondern auch Geschäftsleute und Montagearbeiter.“

Rückgänge bei Wirtschaftsnächtigungen

Gerade diese Wirtschaftsnächtigungen sind es, wo man in NÖ Rückgänge verzeichnet – auch in Waidhofen und Sonntagberg. Während es in Waidhofen in den ersten neun Monaten aber um lediglich 2,2 Prozent weniger Nächtigungen waren als im Vorjahr, gab es in Sonntagberg einen Rückgang um fast 60 Prozent. „Bei uns gibt es immer wieder diese Sprünge“, sagt Sonntagbergs Bürgermeister Thomas Raidl. Das liege auch daran, dass das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten in der Gemeinde begrenzt sei und sich schon kleine Veränderungen prozentuell stärker bemerkbar machen. „Aber natürlich spürt man auch, wenn der Berufstourismus weniger wird.“

Auch im Waidhofner Schloss an der Eisenstrasse macht sich die schwierige Konjunkturlage bei den Wirtschaftsnächtigungen bemerkbar. „Es werden auch weniger Seminare veranstaltet“, sagt Schlosshotel-Betreiber Johannes Scheiblauer. Er ist aber zuversichtlich, schließlich versprechen die Prognosen für 2014 ein höheres Wirtschaftswachstum. Im privaten Bereich sieht die Sache sowieso anders aus. Hier verzeichnet das Schloss an der Eisenstrasse Zuwächse. Ähnlich wie an der Eisenstraße musste man auch an der Moststraße einen leichten Rückgang von minus zwei Prozent oder 3.083 Nächtigungen hinnehmen. Laut Obfrau Michaela Hinterholzer liegen die Gründe dafür auf der Hand: „Die Gemeinden mit den meisten Nächtigungen leben vor allem vom Wirtschaftstourismus. Und dieser ist eben von der Konjunktur abhängig.“ Daneben habe sich auch das Hochwasser an der Donau im Juni auf den Radtourismus ausgewirkt.