Waidhofen an der Ybbs: Rotkreuz-Chef sagt adieu. Bezirksstellengeschäftsführer Wolfgang Frühwirt wird nach 25 Jahren NÖ Landesrettungskommandant.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 04. März 2021 (05:09)
Nach 25 Jahren als Geschäftsführer der Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen wechselte Wolfgang Frühwirt mit 1. März in die Landesverbandszentrale Tulln, wo er nun die Abteilung „Einsatzdienste und Bildung“ leitet. Im Laufe des Jahres wird er die Funktion des NÖ Landesrettungskommandanten übernehmen.
Kössl

Beim Roten Kreuz Waidhofen ist man auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Wolfgang Frühwirt, der die Bezirksstelle 25 Jahre lang geleitet hat, wechselte nämlich mit 1. März in den Landesverband der Rettungsorganisation. Dort ist er von nun an als Leiter der Abteilung Einsatzdienste und Bildung für den Rettungsdienst in ganz Niederösterreich zuständig.

Die Funktion eines Abteilungsleiters für den Rettungsdienst gab es im Landesverband in dieser Form bis dato nicht. Sie wurde mit dem neuen Rettungsdienstvertrag, der seit Jahresanfang in Kraft ist, neu geschaffen. Mit diesem Vertrag werden das Land NÖ und die Gemeinden bei der Finanzierung des Rettungswesens nun stärker zur Kasse gebeten.

Während die Rotkreuz-Bezirksstellen den Geldfluss für den Rettungsdienst bislang eigenverantwortlich am Laufen gehalten haben, erfolgt die Finanzierung nun zentral. Auch ein zentrales Fuhrparkmanagement wird eingeführt.

„Land und Gemeinden zahlen nun endlich das, wozu sie per Gesetz verpflichtet sind.“ Wolfgang Frühwirt

„Um den ‚Rettungsdienst neu‘ umzusetzen, braucht es neue Strukturen“, sagt Frühwirt. „Deshalb ist man seitens des Landesverbandes an mich he rangetreten und hat mich gefragt, ob ich die Aufgabe, diese neuen Strukturen umzusetzen, übernehmen möchte. Nach einigem Überlegen habe ich mich dann um den Job beworben.“

Seit 1. März ist der 54-jährige gebürtige Waidhofner, der zuletzt in Allhartsberg und nun in Melk wohnt, in der Landesverbandszentrale in Tulln beruflich tätig. Nach der Wahl bei der Generalversammlung im Landesverband, welche voraussichtlich im dritten Quartal 2021 stattfinden wird, wird er die Funktion des Landesrettungskommandanten von Werner Kraut übernehmen und hauptberuflich ausführen. Zusätzlich wird Frühwirt als Mitglied der Landesgeschäftsführung den Geschäftsbereich 3, Einsatzdienste und Ausbildung, leiten dürfen.

„Meine Aufgabe ist es nun, die Finanzierung des ‚Rettungsdienstes neu‘ sicherzustellen“, sagt Frühwirt. „Ich trete diesen Job mit großem Respekt an. Das Rote Kreuz wird in meinem Leben somit weiterhin ganz vorne stehen.“

Mit dem neuen Vertrag sei der Rettungsdienst nun zum Großteil ausfinanziert, hält Frühwirt fest. „Land und Gemeinden zahlen nun endlich das, wozu sie per Gesetz verpflichtet sind.“

Gleichzeitig würden durch das zentrale Fuhrparkmanagement landesweit 150 Fahrzeuge wegfallen, stellt der neue Rettungsdienstverantwortliche weiter klar. „Da die Patientenanzahl und das Transportaufkommen aber gleich bleiben werden, muss es hier unser Ziel sein, Synergien zu heben. Klar ist, für die Bevölkerung, aber auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter darf sich im Rettungswesen nichts verschlechtern.“

Die Umstrukturierung betreffe auch nur die Finanzierung des Rettungsdienstes, stellt Frühwirt klar. Alle anderen Bereiche des Roten Kreuzes seien davon nicht betroffen und würden in bewährter Form weiterlaufen. Die Personalhoheit bleibe weiterhin bei den Bezirksstellen. Bis 2030 sei außerdem vertraglich vereinbart, dass keine Dienststelle in Niederösterreich geschlossen werde, hält der Rettungsdienstverantwortliche weiter fest.

Wehmütiger Abschied von Waidhofen

Der Abschied von der Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen ist für Frühwirt durchaus mit Wehmut verbunden. Seit 1984 war der 54-Jährige hier als Sanitäter aktiv. „Die Dienststelle Waidhofen ist meine Rotkreuz-Heimat. Ich werde hier weiterhin Mitglied sein und Dienst machen“, sagt er.

In den 25 Jahren, in denen Frühwirt die Bezirksstelle Waidhofen leitete, war er unter anderem federführend am Aufbau des Notarztwagensystems beteiligt. „Die gute Zusammenarbeit mit den Hauptberuflichen, den Ehrenamtlichen, den Ärzten und den Bürgermeistern war mir immer ein großes Anliegen“, sagt er. „Wir haben in Waidhofen ein Spitzenteam und ich bin zuversichtlich, dass das so bleiben wird.“

Seine Tätigkeit als Flugretter im ÖAMTC-Rettungshubschrauber Christophorus 15 möchte Frühwirt weiterhin ausüben. Seine Funktion als Amstettner Bezirkskommandant, die Frühwirt 21 Jahre lang ausgeübt hat, legt er zurück.

„Der Rettungsdienst hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert“, sagt Frühwirt. „Ich empfinde es als großes Geschenk, dass ich das erleben durfte. Das Rote Kreuz ist ein wunderbarer Arbeitgeber und hat mir sehr viel gegeben. Mit dem neuen Job möchte ich nun etwas zurückgeben.“

Die Funktion des Geschäftsführers der Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen, zu der auch die Ortsstellen Kematen und Hollenstein gehören, ist derzeit ausgeschrieben. Bis 7. März läuft die Bewerbungsfrist. „Ich würde mir eine Nachbesetzung bis 1. April wünschen“, sagt Frühwirt. In der Übergangszeit werden die Fachbereichsleiter die Dienststelle in bewährter Weise leiten.