Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 17. Oktober 2018, 03:00

von Lisa Hofbauer

Unternehmer Emanuel Ziegler: „Müssen Vorbilder werden“. Emanuel Ziegler sprach im Plenkersaal über sein Leben und gab interessante Impulse.

Manuel Wurzer, Manuel Teufl, Raphael Kößl und Elisabeth Austaller (v.l.) vom Verein Wirtschaft 2050 mit Vortragendem Emanuel Ziegler (3.v.r.) und Literaturbewerb-Gewinnerin Theresa Scheimer (2.v.r.).  |  Hofbauer

„Mein Leben ähnelt einem Pendel. Im Jahr 2009 wusste ich, jetzt wird alles anders und das Pendel schwenkt in eine andere Richtung. Dann nimmt es wieder Fahrt auf, wird aber irgendwann auch wieder langsamer“, sagte Emanuel Ziegler bei seinem Vortrag am Donnerstag im Plenkersaal. Der Jungunternehmer und Gründer der Firma „Sportbionier“ hat mit seinen 33 Jahren schon ein bewegtes Leben hinter sich.

Bereits nach seiner Schulzeit fand Ziegler den Weg in die IT- und später in die Finanzbranche. „Schnell konnte ich mich hocharbeiten und ein Vermögen aufbauen. Bald entdeckte ich den Hochfrequenzhandel für mich – bis ich im Jahr 2009 mein ganzes Vermögen verspekuliert hatte“, erzählte Ziegler. „Die darauffolgenden Wochen waren die schlimmsten meines Lebens. Ich habe alles, wirklich alles, hinterfragt.“

„Wollte künftig nur noch sinnvolle Dinge tun“

Diese Lebenskrise brachte den heutigen Unternehmer dazu, sein gesamtes Leben umzukrempeln, und dorthin, wo er heute ist: Er ging an die Universität, inskribierte für Psychologie und später für Angewandte Ethik und begab sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. „Ich habe damals jeden in meinem Umfeld gefragt: Warum machst du das, was du machst? Nur die wenigsten konnten mir die Frage nach dem Warum beantworten“, erzählte der Vortragende. In der Folge habe er beschlossen, „künftig nur noch sinnvolle Dinge zu machen“.

„Wir müssen zu den Menschen werden, die wir selbst bewundern. Es geht um ein Wachstum von innen nach außen.“Emanuel Ziegler

Schnell entdeckte Ziegler den Sport, gesunde Ernährung und in weiterer Folge auch biologische Lebensmittel für sich. „Ich habe gemerkt, dass ich mit meinem Konsum etwas Gutes tun kann. Bald ging ich vollends in dieser Sache auf“, erzählte er. Durch seine bewusste Hinwendung zum Konsum von Bio-Lebensmitteln und seine Liebe zum Sport entdeckte Ziegler jedoch schon bald eine Marktlücke: biologische Nahrungsergänzungsmittel. „Aus meiner eigenen Unzufriedenheit heraus habe ich beschlossen, ein derartiges Produkt zu entwickeln“, berichtete er. Dies war die Geburtsstunde des Unternehmens „Sportbionier“, das sich schon bald einen Namen machen konnte.

Während sein Unternehmen wuchs, zog Ziegler gemeinsam mit seiner Familie in ein Ökodorf in der Steiermark, dessen wesentliches Ziel es ist, in der Gemeinschaft an einer gerechten und nachhaltigen Welt zu arbeiten. So sah er sich schon bald mit einer neuen Herausforderung konfrontiert: „Ich saß auf einer Goldgrube und wusste nichts damit anzufangen. Eigentlich wollte ich ja meinen Konsum auf ein Minimum reduzieren und dem Kapitalismus den Rücken kehren. Ich stand also vor der Frage, wie sich Unternehmertum und Kapitalismuskritik vereinbaren lassen“, sagte Ziegler. „Ich bin mir mit meinen Grundsätzen selbst im Weg gestanden. Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass sich nicht alles in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse unterteilen lässt.“

„Wir müssen innere Ressourcen aufbauen“

So arbeitete Ziegler weiter an seinem Unternehmen, bis sich vor etwas weniger als einem Jahr sein Leben erneut wandelte. „Zu Silvester reflektierte ich mein vergangenes Jahr und plötzlich bemerkte ich blinde Flecken in meinem Leben“, erzählte er. Dadurch, dass sein Unternehmen und auch seine ehrenamtlichen Tätigkeiten im Ökodorf immer weiter wuchsen, steigerte sich auch die Intensität an Arbeits- und Energieaufwand. „Plötzlich arbeitete ich wieder 60 Stunden pro Woche, vernachlässigte Sport, Freizeit, Familie – kurzum, mich selbst.“

Heute ist der 33-Jährige davon überzeugt, dass die Lösung von innen, von uns selbst kommt. „Wir müssen starke Ichs – kurz, die Menschen, die wir selbst bewundern – werden. Dies werden wir, indem wir innere Ressourcen aufbauen. Erst wenn wir diese Ressourcen haben, können wir geben. Es geht also um ein Wachstum von innen nach außen.“