Wo ist mein Kulturerbe?

STUMMFILM / Joseph Hofmarcher und Vasyl Gudyma machen sich elektronisch und filmisch über das Ybbsitzer Heimatlied her, um daraus Zukunft zu generieren.

Erstellt am 10. Januar 2012 | 00:00
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 626
Foto: NOEN

Web-Artikel 626
Joseph Hofmarcher, Ybbsitz
NOEN

VON LEO LUGMAYR

YBBSITZ / „Nicht Desorientierung, sondern Orientierung und kritische Aufarbeitung sind unsere Intentionen.“ Joseph Hofmarcher, Architekturstudent und Experimentalmusiker aus Ybbsitz, hat sich mit Vasyl Gudyma aus der Ukraine zusammengetan und ein Stummfilmprojekt für das Mostviertelfestival 2012 entworfen. Die beiden gehen von traditionellen Melodien wie dem „Ybbsitzer Heimatlied“ aus, für das Sepp Schnabl 1953 den Text und August Petzmann die Melodie geliefert hat.

Vasyl Gudyma wird versuchen, in dem 12-Minuten-Film Bilder in Sequenzen umzusetzen und zu animieren, Hofmarcher liefert die elektronische Musik. „Die Filmsprache wird auf die Bildsprache reduziert sein und die musikalischen Kompositionen unterstreichen, die über Bild und Musik mit den Zusehern in Dialog treten“, sagt Hofmarcher.

„Mag sein, dass unsere  Version manchen wehtut ...“

„Erreichen wollen wir eine intellektuelle Behandlung des Themas Immaterialität und Kulturerbe“, meint Hofmarcher. Als Zielpublikum nennt er die Jugend. Insofern werden die Bildsprache und die Tonsprache abstrakt sein: „Es mag sein, dass unsere Bearbeitung traditionelleren Geistern eher wehtut. Sie weist aber Richtung Jugend und damit in die Zukunft.“

„Der Zuhörer wird vorerst Desorientierung, Anstöße erfahren, um Immaterialität und Kulturerbe neu zu verstehen, ja überhaupt zu hinterfragen“, haben die Künstler überlegt. Sie sehen sich in der Tradition der schwedischen Avantgarde-Elektroniker „The Knife“, die laut Hofmarcher „mit dem neuen Medium der Elektronikmusik so virtuos umgehen wie seinerzeit Mozart mit der klassischen Musik“.

Uraufführung im Juni  beim Ferraculum

Damit liegt das Ybbsitzer Festivalprojekt jedenfalls scharf an der Kante zwischen Gegenwart und Zukunft, die Kulturkritiker mit „Cutting Edge“ (Anm.: bedeutet „am Zahn der Zeit“) beschreiben. Aufgeführt wird der Stummfilm im Juni beim Ferraculum 2012 am Ybbsitzer Marktplatz. Zu Bild und Ton werden klassische Textfelder - wie bei Stummfilmen üblich - eingeblendet, und das in drei Sprachen: abwechselnd in Deutsch, Ukrainisch und Englisch. „Womit Innen- und Außensicht eines in Ybbsitz verankerten immateriellen Kulturerbes erlebbar werden soll“, erklärt Hofmarcher.