Junges Wohnen beim Lokalbahnhof Waidhofen/Ybbs. Mit 35 stadtnahen Wohnungen möchten Stadt und WAV jungen Menschen leistbaren Wohnraum bieten. Inkludiert ist ein innovatives Mobilitätskonzept.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 28. April 2021 (04:58)

Fünf Jahre lang befand sich das geplante Sicherheitszentrum beim Lokalbahnhof in der Warteschleife. Polizei und Stadtfeuerwehr sollten hier unter einem Dach vereint werden. Darüber hinaus waren auch Räumlichkeiten für die Lebenshilfe und Wohnungen angedacht. Nach massiven Widerständen der Anrainer wurde das Vorhaben schließlich Ende Jänner 2018 wieder verworfen. An einer neuen Nutzungsmöglichkeit für das Areal wurde gefeilt.

Nun haben die Stadt Waidhofen und die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Waldviertel (WAV), die das Sicherheitszentrum einst realisiert hätte, ein neues Projekt für das Areal am Start. Am Dienstag der Vorwoche wurde dieses der Presse präsentiert.

„Das Konzept berücksichtigt klimarelevante Aspekte und bietet leistbaren Wohnraum für junge Menschen.“ Bürgermeister Werner Krammer

„Der Standort hat eine lange Geschichte“, hielt Bürgermeister Werner Krammer fest. „Noch im Jänner 2015 habe ich beim Neujahrsempfang angekündigt, dass das Sicherheitszentrum auf Schiene ist. Dem war letztlich nicht so. Vielleicht waren unsere Erwartungen damals überzogen. Die WAV und die Stadt haben jedenfalls nicht aufgehört, über den Standort nachzudenken.“ Manche Projekte seien zu einer gewissen Zeit einfach noch nicht reif, fügte WAV-Vorstandsdirektor Manfred Damberger an. „Aber auch in dem neuen Projekt steckt nun sehr viel Herzblut.“

Nun soll ein reines Wohnprojekt am Standort umgesetzt werden. Direkt neben dem Lokalbahnhof sollen drei viergeschoßige Wohnbauten mit insgesamt 35 barrierefreien Wohneinheiten zwischen 44 und 73 Quadratmeter Wohnnutzfläche errichtet werden.

Ein Drittel davon werden normale Miet-Kaufwohnungen sein. Bei zwei Drittel der Wohnungen handelt es sich um sogenanntes „Junges Wohnen“. Diese Wohnungen werden reine Mietwohnungen sein, wobei der Eigenmittelanteil mit maximal 4.000 Euro gedeckelt werden soll. Der Mietzins wird sich zwischen 6,90 und 7,60 Euro pro Quadratmeter bewegen. Bei vollem Bezug eines einkommensabhängigen Wohnzuschusses des Landes NÖ werde eine 60 bis 65 Quadratmeter große Wohnung in der Anlage mit 300 bis 350 Euro inklusive Betriebskosten monatlich zu Buche schlagen, rechnet Damberger vor.

Voraussetzung, um eine dieser Wohnungen beziehen zu können, ist neben einem Hauptwohnsitz in Waidhofen, dass von den Mietern ein Partner unter 35 Jahre alt ist. In der Wohnung bleiben kann man dann so lange man möchte. Wird die Wohnung weitergegeben, muss von den Neumietern wieder ein Partner unter 35 Jahre alt sein.

Geplant wurden die Wohnbauten, die nicht höher als der Lokalbahnhof sein werden, von Architektin Anne Mautner-Markhof, die schon für die Planung des Sicherheitszentrums verantwortlich zeichnete. 7,2 Millionen Euro wird das Wohnprojekt in Summe kosten. Ein Teil davon stammt aus Mitteln der NÖ Wohnbauförderung, wobei für das „Junge Wohnen“ eine eigene Förderschiene des Landes in Anspruch genommen werden kann.

Großer Wert wird auf eine klimafreundliche Umsetzung gelegt. So sind ein Grünraum- und ein Mobilitätskonzept zen trale Bestandteile des Projekts. Die Flachdächer der Wohnkomplexe werden begrünt. Auf ihnen werden Photovoltaikanlagen errichtet, mit deren Strom dann Teile der Anlage versorgt werden. Auch rundum soll es viel Grünraum geben. Dafür wird bei der Planung der Anlage ein Berater der Aktion „Natur im Garten“ einbezogen. „Außerdem wird alles unternommen, damit diesem Projekt kein Baum zum Opfer fällt“, stellte WAV-Direktor Damberger klar.

Carsharing-Angebot

und Elektro-Leihräder

Das Mobilitätskonzept sieht eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Pocksteinerstraße aus vor. Für jede Wohneinheit steht nur ein Parkplatz, und nicht wie sonst üblich eineinhalb, zur Verfügung. Als Ausgleich stellt die Wohnbaugenossenschaft zwei elektrobetriebene Autos für ein Carsharing-Angebot zur Verfügung. Diese können von den Bewohnern via Handy gebucht werden. Wenn es die Auslastung zulässt, sollen diese Autos auch von den Nachbarn genutzt werden können. In Kooperation mit der Fahrradinitiative Mostviertel wird auch das Radfahren forciert. 80 barrierefrei erreichbare Radabstellplätze werden zur Verfügung stehen. Für teure Räder wird es Hochsicherheitsverwahrungsabstellplätze geben. Zudem werden Elektro-Leihräder zur Verfügung gestellt. Auch die Ladestruktur für die E-Autos und E-Bikes wird es in der Anlage geben. Dafür genutzt wird der Strom aus den hauseigenen PV-Anlagen. Auch Radreparaturplätze sind angedacht.

Stadtchef Krammer ist von der Qualität des Standorts überzeugt. Mit dem Naturpark Buchenberg im Rücken und der Ybbs vorne, der unmittelbaren Nähe zu Volksschule, Kindergarten, Musikschule, Ärztezentrum, Sportstätten und dem Stadtzen trum mit seinen Einkaufsmöglichkeiten sei der Platz für „Junges Wohnen“ und junge Familien ideal, meint er. Mit der seit Dezember im doppelten Takt verkehrenden Citybahn, dem Citybus und der Mostviertellinie, der Radachse und dem Radweg in der Pocksteinerstraße sei der Standort auch verkehrsmäßig optimal angebunden. „Dieses Projekt verbindet die Vorzüge der Stadt mit dem Naturraum“, sagt Krammer und hält fest: „Bei der Schaffung von neuem Wohnraum legen wir den Fokus auf zen trumsnahes Nachverdichten. Das entwickelte Konzept berücksichtigt klimarelevante Aspekte und bietet leistbaren Wohnraum für junge Menschen.“

Durch die Corona-Pandemie sei der Trend beim Wohnen wieder zurück von der Stadt aufs Land gegangen, merkte Wohnstadtrat Fritz Hintsteiner an. Waidhofen als Stadt am Land verknüpfe hier beide Vorzüge. „In Waidhofen haben wir Wohnraum für alle Lebensentwürfe“, sagt Hintsteiner. „Das reicht von der Wohnung bis zum Einfamilienhaus. Mit dem ,Jungen Wohnen‘ haben wir jetzt noch eine zusätzliche bedarfsorientierte, maßgeschneiderte und kostengünstige Option.“ Erfreut ist Hintsteiner als Umweltstadtrat auch über die „zahlreichen klimafitten Bausteine“ des Projekts.

Den Anrainern wurde das Projekt vergangene Woche präsentiert. Derzeit befindet es sich im Ausschreibungsprozess. In der Mai-Sitzungsrunde des Waidhofner Gemeinderats soll dann der Verkauf von Grundstücken, die noch der Stadt gehören, an die WAV beschlossen werden. Im Gegenzug wird der zweigeschoßige denkmalgeschützte Lokalbahnhof, der sich derzeit im Besitz der WAV befindet, an die Stadt übertragen. Wie das Gebäude künftig genutzt wird, steht noch nicht fest. Der Stadtchef kann ihn sich als Standort für die im Herbst startende Freiraumklasse ebenso vorstellen, wie als Besucherzentrum des Naturparks oder als Schauraum für den Club 598. Die Eisenbahnfreunde bekommen nämlich am Areal ein Grundstück gegenüber der neuen Wohnanlage zur Verfügung gestellt.

Der Spatenstich des Wohnprojekts ist für Ende September angedacht. Nach 24 Monaten Bauzeit sollen die neuen Wohnungen bezugsfertig sein.

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