GeWoZu-Projekt: Gemeinsam unter dem selben Dach. Ein gemeinschaftliches Wohnprojekt realisiert der Verein GeWoZu auf der Zell in Waidhofen an der Ybbs. Dafür gab es den [a:bua]-Preis der Stadt.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 19. Februar 2021 (05:02)
Matthias Heigl und Angi Groß wollen im Sommer ihre Wohnungen auf der Zell beziehen. Bis dahin heißt es noch kräftig mit anpacken.
Kössl

Mit dem Zukunftspreis der Stadt Waidhofen wurde der Verein GeWoZu Ende des Vorjahres ausgezeichnet. Der 2017 gegründete Verein realisiert gerade auf einem 2.622 Quadratmeter großen Grundstück in der Sergius-Pauser-Straße auf der Zell ein gemeinschaftliches Wohnprojekt. Im Mai des Vorjahres erfolgte der Spatenstich.

Zwölf Wohneinheiten entstehen derzeit in der Sergius-Pauser-Straße im Waidhofner Ortsteil Zell. Menschen unterschiedlichen Alters werden in dem Wohnbau des Vereins GeWoZu bald miteinander unter einem Dach wohnen.
GeWoZu

Die Idee dahinter ist, dass Menschen unterschiedlichen Alters miteinander unter einem Dach wohnen, wobei jede Partei ihren privaten Wohnraum hat, es aber auch Gemeinschaftsräume für alle Bewohner gibt. Gegenseitige Unterstützung im Sinne einer gelebten Nachbarschaft ist ein wesentlicher Aspekt des Konzepts.

Schon heuer im Sommer soll der Wohnbau bezugsfertig sein. Zwölf Parteien – 20 Erwachsene und 13 Kinder – werden darin ein neues Zuhause finden. Initiator des Projekts ist der Waidhofner Jakob Anger, der dem Verein GeWoZu – kurz für „Gemeinschaftlich Wohnen, die Zukunft“ – auch als Obmann vorsteht. Als sein Stellvertreter fungiert Matthias Heigl.

„Meine Familie und ich wollten uns etwas Eigenes schaffen. Dabei war von Anfang an klar, dass wir das gemeinsam mit jemand anderem realisieren wollen“, erzählt Heigl. „Dass es dann ein Projekt in dieser Dimension werden würde, war nicht geplant. Aber als Jakob uns von seinem Vorhaben erzählt hat, beschlossen wir mitzumachen.“ Weitere befreundete Familien schlossen sich an. Um eine Durchmischung aller Generationen im Wohnbau zu erreichen, machte man sich daran, weitere Mitbewohner zu finden.

Bewerbungsprozess für gutes Zusammenleben

Interessenten mussten einen Bewerbungsprozess durchlaufen. „Dabei wurde geschaut, ob das Zusammenwohnen für beide Seiten passt“, führt Heigl aus. „Letztendlich haben wir nun Jungfamilien ebenso wie Pärchen, Singles, Alleinerzieher oder ein älteres Ehepaar. Der Älteste von uns ist 70, der Jüngste ist noch im Bauch.“

Die Ybbsitzerin Angi Groß und ihr Freund stießen erst im letzten Jahr dazu. Die 25-Jährige, die in Wien studiert, hat das letzte Jahr Corona-bedingt viel im Ybbstal verbracht. Dabei reifte der Entschluss, wieder zurück aufs Land zu ziehen. Das gemeinschaftliche Wohnprojekt des Vereins GeWoZu ist ihr dann ins Auge gesprungen.

Bei der Planung des Wohnbaus haben sich die Bewohner aktiv eingebracht. Und auch auf der Baustelle wird eifrig mit Hand angelegt. Mittlerweile ist der Rohbau fertig und sind die Innenarbeiten in vollem Gange. Zwölf Wohnungen mit Küche, Bad und WC sind im Entstehen. Jede Wohneinheit verfügt über einen Balkon, eine Terrasse oder einen Gartenzugang. Die Wohnflächen changieren zwischen 38 und 84 Quadratmetern.

„Auch wenn jede Partei ihren eigenen Wohnbereich hat, soll es vom Feeling her doch wie ein Einfamilienhaus sein“, führt Heigl aus. Das soll gleich im Eingangsbereich deutlich werden, wo sich eine große Garderobe für alle finden wird. Im Erdgeschoß werden eine Gemeinschaftsküche und ein Gemeinschaftswohnzimmer samt Spielzimmer eingerichtet.

Auch ein Gästezimmer, das für Besucher verwendet werden kann, wird es hier geben. Im zweiten Obergeschoß wird ein Homeoffice mit vier Arbeitsplätzen eingerichtet. Von allen Bewohnern genutzt werden können auch ein Multifunktionsraum, ein Bad mit Badewanne (in den Wohnungen gibt es nur Duschen), die Dachterrasse sowie die Werkstatt und die Waschküche.

„Auch wenn jede Partei ihren eigenen Wohnbereich hat, soll es vom Feeling her doch wie ein Einfamilienhaus sein.“Matthias Heigl

Teilen ist auch in Sachen Mobilität angesagt. So sollen auch die Lastenräder und E-Bikes im Fahrradraum sowie das Auto in der Garage gemeinschaftlich genutzt werden können. „Ich habe mein altes Auto kürzlich verkauft und mir mit vier anderen Parteien im Haus ein gemeinsames für ein internes Carsharing angeschafft“, erzählt Heigl.

Im Hang hinter dem Wohnhaus wird terrassenartig ein etwa 1.300 Quadratmeter großer Gemeinschaftsgarten zum Spielen und Erholen angelegt. „Es gibt also viele gemeinschaftliche Elemente, trotzdem hat jeder seinen Rückzugsraum“, hält Heigl fest. Vorteile sieht er etwa für Familien mit Kindern. „Die Kinder haben Spielkameraden und die Eltern können sich bei der Kinderbetreuung gegenseitig unter die Arme greifen.“

Besonderes Augenmerk wurde bei der Errichtung des Wohnbaus auf eine effiziente und achtsame Ressourcennutzung gelegt. „Der ökologische Aspekt war uns allen sehr wichtig“, sagt Heigl. „Wir bemühen uns alle um eine nachhaltig ausgerichtete und bewusste Lebensweise. Auch insofern passt die Gruppe gut zusammen.“

Die Finanzierung des Wohnprojekts basiert auf Eigenmitteln, Bankkrediten und einem Vermögenspool, über den Anleger wertgesicherte Anteile am Projekt erwerben. „Uns war wichtig, dass man bei dem Projekt leicht ein- und aussteigen kann“, sagt Heigl. Die monatliche Miete beträgt neun Euro pro Quadratmeter der privaten Wohnungsfläche, sie beinhaltet aber auch die Nutzung aller Gemeinschaftsräume und des Gartens. Verwaltet wird das Gebäude von den Bewohnern selbst. Um ein gutes Zusammenleben zu gewährleisten, wurden Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen installiert.