Wohnen und Arbeiten. Grundsatzstudie über Nachnutzung wurde präsentiert. Im Idealfall soll ein Mix aus Wohnungen, Büros, Lokalen, Nahversorgung und sozialer Nutzung die Zell neu beleben.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 11. Juni 2014 (07:01)
NOEN, Kössl
Bürgermeister Wolfgang Mair (l.) mit den Architekten Ernst Beneder und Anja Fischer nach der Präsentation im Turnsaal der Volksschule. Foto: Kössl
Noch dieses Jahr möchte die Firma Bene ihr ehemaliges Werksgelände im Ortsteil Zell veräußern. Mehrere Investoren haben bereits Interesse angemeldet, darunter auch die Wohnbaugesellschaft Alpenland.

Beneder-Studie und Anregungen der Bevölkerung

Um eine Nachnutzung dieses sensiblen Areals im Sinne der Stadt und der Anrainer herbeizuführen, wurde der Waidhofner Architekt Ernst Beneder mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Der Zeller Bevölkerung wurde dabei die Möglichkeit eingeräumt, ihre Anregungen im Zuge eines Bürgerforums einzubringen. Die NÖN berichtete.

Damit die Stadt auch tatsächlich die Regeln vorgeben kann, wurde in der letzten Gemeinderatssitzung ein Baustopp über das gesamte Areal verhängt.

„Wirklich sehens- und lebenswerter Platz“

Am Montag der Vorwoche wurde die von Architekt Beneder erarbeitete Grundsatzstudie nun im Turnsaal der Volksschule Zell der Öffentlichkeit präsentiert. Etwa 9.000 m2 umfasst das Areal, das sich in zwei Flächen aufteilt: das Werksgelände mit den drei markanten Hallen, einer angeschlossenen Villa und drei Althäusern Richtung Pfarrgasse sowie den hinter der Schule befindlichen Holzplatz.

„Es handelt sich hier um einen wirklich sehens- und lebenswerten Platz, der jedoch im Schatten des oberen und unteren Stadtplatzes steht“, so Architekt Beneder einleitend. Bis in die 1970er hinein habe es auf dem Abschnitt zwischen Messerergasse und Hauptplatz ein vielfältiges Angebot an Nahversorgung, Handwerk und Gastronomie gegeben, führte der Architekt aus, darunter mehrere Greißlereien, Wirtshäuser und Bäckereien. Nun sei hier mit dem Gasthaus Moshammer nur noch ein einziger Gastronomiebetrieb erhalten geblieben.

Im Idealfall Lokale im Erdgeschoss

NOEN, Abbildung: AG Beneder-Fischer
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Im Folgenden stellte Beneder verschiedene Varianten der städtebaulichen Nutzung des Areals vor. Grundsätzlich sei es nicht wünschenswert, dass die gesamte Bausubstanz abgetragen werde. Im Idealfall (siehe Abbildung links) sollten die größte der drei Hallen sowie die drei Altstadthäuser erhalten bleiben.

Was die Nutzung angeht, so plädiert der Architekt dafür, die drei Altstadthäuser im Obergeschoss als Büroflächen zu nutzen. Hier existieren bereits Überlegungen, diese als Erweiterung des RIZ für Jungunternehmer zur Verfügung zu stellen.

Im Erdgeschoss sollen im Idealfall Lokale eingerichtet werden. Die Räumlichkeiten mit ihren „interessanten“ Gewölben würden sich dafür anbieten, so Beneder. Der Durchgang vom Kirchenplatz ins Areal soll geöffnet werden. Was die große Halle betrifft, so sieht die Studie vor, in den Obergeschossen Wohnungen zwischen 40 und 80 m2 einzurichten.

Holzlagerplatz zur Schulflächen-Erweiterung?

Auf der obersten Ebene ist ein Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse angedacht. Rund 100 Wohnungen seien so möglich. Das Erdgeschoß dieser Halle soll für Nahversorgung und Dienstleistung sowie soziale und kulturelle Nutzungen verwendet werden. Beneder ist aber realistisch: „Nicht alle Wünsche werden möglich sein, aber wir können dahingehend motivieren.“

Ebenfalls in die Überlegungen miteinbezogen wurde der ehemalige Holzlagerplatz. Dessen südlicherer Teil würde sich für die Erweiterung von Schulflächen eignen. Der nördliche Teil sei für den Wohnbau geeignet, so Beneder. Auch auf die Parkplatzsituation vor Ort geht die Studie ein. In zweigeschoßigen Tiefgaragen seien demnach bis zu 330 Stellplätze möglich, die den Anrainern und den Schulen zur Verfügung gestellt werden könnten.

Auch Überlegungen zum fließenden Verkehr flossen in die Studie ein. Grundsätzlich gelte es, über eine andere Lenkung des Verkehrs nachzudenken, ist Beneder überzeugt. „Künftig sollte es so sein, dass das Auto nur mehr dann verwendet wird, wenn es unbedingt nötig ist.“

Sonderschulstandort am Bene-Areal möglich

„Es freut mich, dass mit dieser Studie eine echte Perspektive aufgezeigt wird, in die viele der Anregungen vom ersten Bürgerforum eingeflossen sind“, betonte Bürgermeister Wolfgang Mair abschließend.

Nun ist Bene am Zug, einen Investor zu finden, der sich auf diese Vorgaben einlässt. Fix beschlossen wird der Teilbebauungsplan von Beneder nicht. So seien noch Abweichungen möglich, sagt der Bürgermeister. „Wenn es ein konkretes Projekt gibt, wird der Teilbebauungsplan abgestimmt und fix beschlossen.“

Was die praktische Umsetzung betrifft, so soll die Projektabwicklung in mehreren Bauphasen erfolgen, wobei man sich seitens der Stadt wünscht, die Rohbaumaßnahmen zusammenhängend durchzuführen, um Belästigungen so gering wie möglich zu halten.

Auch Finanzstadtrat Werner Krammer hält die Grundsatzstudie für hervorragend gelungen. Er kann sich hier auch vorstellen, einen neuen Platz für das Sonderpädagogische Zentrum zu schaffen. „Durch die Nachmittagsbetreuung und die Musikschule platzt das Schulzentrum in der Plenkerstraße ja schon aus allen Nähten.“