Neues Kraftwerk produziert 400.000 kWh Strom im Jahr. Ybbsitzer Kraftwerk „Am Wöhr“ wurde feierlich eröffnet. Es deckt 45 Prozent des Gemeindestrombedarfs.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 19. Oktober 2020 (05:50)

Seit Samstag ist das Kraftwerk Am Wöhr auch offiziell im Betrieb. Am Netz ist es bereits seit Mitte August und es hat sich gezeigt, dass in den ersten 30 Tagen bereits das Plansoll von 40.000 Kilowattstunden (kWh) leicht erreicht werden konnte. Spitzenleistungen bei hoher Wasserführung der Kleinen Ybbs lagen bei 90 kW. „Das Kraftwerk bündelt Energiegewinnung für die Gemeindebetriebe und Hochwasserschutz“, sagte Bürgermeister Gerhard Lueger, bevor er mit Landtagsabgeordnetem Anton Kasser und Energiegemeinderat Herbert Fahrnberger die Eröffnungsschleife durchtrennte.

Für Planung, Entwicklung und Projektbetreuung hatte man mit dem Reinsberger Energiebüro Robert Hörmann einen ausgewiesenen Fachmann beauftragt, der in den vergangenen 15 Jahren 80 Kleinwasserkraftprojekte umgesetzt hat. Die ziviltechnische Betreuung hatte die Gemeinde dem Amstettner Büro Lang übergeben, das die Bauarbeiten mit den Ybbsitzer Firmen Schaufler und Pichler umgesetzt hat.

Im Gegenzug für das Investment von 950.000 Euro erwartet sich die Gemeinde billigen Strom aus eigener Erzeugung für Freibad, Schulen und Gemeindebetriebe und vor allem einen großen Schritt Richtung Energieautarkie.

Mit 400.000 kWh Strom aus eigener Wasserkraft deckt man 45 % des Gemeinde-Strombedarfs, zusammen mit 200.000 kWh aus gemeindeeigenen Photovoltaik-Anlagen bei Kläranlage, Mittelschule und Freifläche im Ortszentrum kann man nun zwei Drittel der 900.000 kWh des Gemeindeverbrauchs selbst herstellen.

Ybbsitz mit 32 Anlagen Kraftwerkskaiser

„Mit 32 Wasserkraftwerken im Gemeindegebiet ist Ybbsitz jene Gemeinde in Niederösterreich mit der größten Anzahl an Kraftwerken und das mit Abstand“, sagt Kraftwerksfachmann Robert Hörmann, der die Anlage mit Kaplan-Turbine und Permanentmagnet-Generator ausstatten ließ.

Es ist damit das viertgrößte Kraftwerk im Gemeindegebiet. Nur das Riess-Kraftwerk an der Großen Ybbs und die Kraftwerke von EVN und Herbert Hanger weiter flussabwärts liefern noch mehr Strom.

Bereits 2008 hatte die Gemeinde die Erstellung eines Energiekonzeptes beschlossen, das à la longue die Energieautarkie der Gemeindeeinrichtungen vorsieht. „Ich glaube, dass wir hier ein Projekt realisiert haben, von dem unsere Nachfahren noch in 100 Jahren profitieren und sagen werden: Es war gescheit, dass unsere Ahnen das Kraftwerk 2020 gebaut haben“, betonte Lueger. Und dazu spielte die Abordnung des Musikvereins unter der Leitung von Franz Fuchsluger gleich einen Tusch.