Bauernbundobmann: „Von Klimakrise mehr betroffen“

Bauernbundobmann Anton Kasser fordert Schwerpunkte bei Klimaschutz, erneuerbarer Energie und Regionalität ein.

Erstellt am 09. Mai 2020 | 03:56
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Anton Kasser
Bauernbundobmann Anton Kasser sieht die Landwirtschaft durch die Klimakrise schwer gefordert.
Foto: Kössl

Der Klimawandel macht den Bauern in der Region zu schaffen. „Die Landwirtschaft ist von der Klimakrise weit mehr betroffen als von der Coronakrise“, sagt Bauernbund-Hauptbezirksobmann Anton Kasser. „Corona betrifft uns eine gewisse Zeit, die Klimaveränderung beschäftigt uns aber um vieles länger und schadet allen bedeutend nachhaltiger.“

Dem ÖVP-Landtagsabgeordneten ist es ein Anliegen, gerade jetzt auf die Bedeutung der Landwirtschaft hinzuweisen. „Der globale Handel ist zum Erliegen gekommen. Plötzlich haben wir nur mehr das zur Verfügung, was wir in Österreich produzieren, und das ist dank der Vielfalt unserer Landwirtschaft wirklich viel“, sagt Kasser. „Unsere Bäuerinnen und Bauern leisten Großartiges für die Gesellschaft. Derzeit haben regionale Produkte einen besonders hohen Stellenwert, das freut uns auch sehr. Diese Wertschätzung brauchen wir aber auch weiterhin, damit aus der Wertschätzung auch eine entsprechende Wertschöpfung wird und wir von unserer Arbeit leben können.“

„Diese Wertschätzung brauchen wir weiterhin, damit daraus auch eine entsprechende Wertschöpfung wird.“Bauernbundobmann Anton Kasser

Der Bauernbundobmann hält fest, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels in der Landwirtschaft Jahr für Jahr stärker bemerkbar machen. „Die Trockenheit, der Borkenkäfer und Schädlinge wie die Engerlinge bedrohen immer mehr unsere Existenzen“, sagt Kasser. „Der von uns allen erhoffte baldige Neustart der Wirtschaft ist für mich eine große Chance, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Schwerpunkte in Richtung Klimaschutz, erneuerbarer Energie und Regionalität.“

Der Obmann der Bauernbünde Amstetten und Waidhofen verweist auf die Antrittsrede des NÖ Landwirtschaftskammer-Präsidenten Johannes Schmuckenschlager nach der konstituierenden Vollversammlung am Montag der Vorwoche. In dieser forderte Schmuckenschlager, dass jene Produkte, die nicht den europäischen Umwelt- und Produktionsstandards entsprechen, einem Preisausgleich unterzogen werden sollten und es eine CO -Bepreisung auf solche Produkte geben solle. Kasser hält fest, dass er diese Forderung zu 100 Prozent unterstütze und verweist auf die prekäre Situation der regionalen Landwirtschaft infolge der derzeit äußerst geringen Niederschlagsmengen.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben die Obmänner der Bezirksbauernkammern Waidhofen, Mario Wührer, und Amstetten, Josef Aigner, gemeinsam mit ihren Kollegen aus St. Pölten, Lilienfeld, Melk und Scheibbs Lösungsansätze erarbeitet (siehe Infobox).

So solle der Schnittzeitpunkt der Biodiversität heuer ausgesetzt werden. „Wir brauchen auch das Futter dieser Flächen jetzt“, sagt Kasser. „Wir können es uns nicht leisten, diese Futterflächen stehen zu lassen, um es später als qualitativ schlechtes Futtermittel zu ernten.“

Weiters wird ersucht, den Mindesttierbesatz heuer herabzusetzen, da Futterreserven aus dem Vorjahr fehlen. Auch der Einheitswert für den Forst soll herabgesetzt werden. Dieser sei ein Ertragswert, führt Kasser aus. Im Forst gebe es derzeit aber keinen Ertrag, da Trockenheit und Käfer einen Holzverkauf zu normalen Holzpreisen derzeit unmöglich machen.

„Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig die sichere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln ist“, hält der Bauernbundobmann fest. „Um die land- und forstwirtschaftliche Produktion abzusichern und die Versorgungssicherheit auch in Zukunft garantieren zu können, muss es ein erklärtes Staatsziel sein, im Land autonom zu produzieren, um damit die elementaren Grundbedürfnisse sicherzustellen.“