Auslaufmodell Schulskikurs? Sozialer Aspekt wichtig. Die NÖN ging der Frage nach, ob Schulskikurse heute noch zeitgemäß sind.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:45)
Spaß im Schnee: Durch Schulskikurse kommen viele Kinder erstmals auf die Bretter, die die (Ski-)Welt bedeuten.
Fahrnberger

Skifahren erfreut sich in Österreich seit jeher großer Beliebtheit – auch deshalb, weil viele als Kinder bei Schulskikursen auf den Geschmack kommen. Mittlerweile können bzw. wollen sich aber immer mehr Eltern die Skiwoche nicht mehr leisten. Die NÖN ging der Frage nach, wie es im Ybbstal um den Schulskikurs bestellt ist.

An der HTL Waidhofen fahren die zweiten Jahrgänge jedes Jahr eine Woche lang auf Schulskikurs nach Saalbach-Hinterglemm. Die Teilnehmerquote sei immer noch passabel, meint Direktor Harald Rebhandl. Dass ein Skikurs einmal nicht zustande kam, sei noch nie passiert.

Ein Grund dafür, warum der Skikurs an der Technikerschmiede so gut angenommen wird, sei – so der Direktor – dass sowohl für Ski- als auch Snowboardfahrer Anfängergruppen angeboten würden. „Wir fahren mit den Anfängern auch schon mal im Vorfeld an einem freien Nachmittag auf die Forsteralm, damit sie dann am Skikurs schon zum Fahren kommen“, sagt Rebhandl. Wenn Eltern der Skikurs zu teuer ist, gibt es Fördermöglichkeiten über die Bildungsdirektion und den Elternverein. Wichtig ist der Schulskikurs für den HTL-Direktor aus mehrerlei Gründen: „Diese gemeinsame Woche abseits des Schulalltags zeigt die Lehrer einmal von einer anderen Seite und schweißt das Team zusammen. Außerdem ist Österreich eine Skination. Daran wollen wir festhalten.“

Am BRG Waidhofen fahren die zweiten und dritten Klassen auf Skikurs. „Die Skikurse werden nach wie vor sehr gut angenommen“, sagt Direktor Christian Sitz. Dass Schüler aufgrund der Leistbarkeit nicht teilnehmen, sei die Ausnahme. Für diesen Fall gibt es auch hier Unterstützungsmöglichkeiten.

Schulskikurse hält der Direktor nach wie vor für wichtig. „Ich verstehe aber die finanzielle Belastung, weshalb es bei uns auch in der dritten Klasse eine Englisch-Sprachwoche als Alternativangebot gibt“, sagt Sitz.

An der NMS Sonntagberg haben die Schüler die Möglichkeit, in der zweiten und dritten Klasse einen Skikurs zu absolvieren. „Wir bekommen zwar jedes Jahr genügend Schüler zusammen, doch es wird immer schwieriger“, sagt Direktor Peter Holzfeind.

Die Leistbarkeit spiele dabei eine sehr große Rolle. „Wir versuchen deshalb, den Skikurs so günstig wie möglich anzubieten.“ Vereinzelt gebe es aber immer wieder Eltern, die sich den Skikurs nicht leisten könnten. Für sie gebe es Unterstützungen seitens des Roten Kreuzes und der Gemeinden. „Ich halte Schulskikurse für richtig und wichtig“, sagt Holzfeind. „Nicht nur weil sich die Kinder dabei in der freien Natur sportlich bewegen, sondern auch weil das Soziale bei so einer Schulveranstaltung nicht zu kurz kommt.“

Zusammensetzung der Klasse entscheidend

Das Zustandekommen der jährlichen Wintersportwoche für die dritten Klassen der Wirtschafts- und Musikmittelschule Waidhofen hänge immer stark von der Klassenzusammensetzung ab, sagt Schulleiterin Doris Aigner. „Ist es eine Klasse mit mehreren Migranten bzw. außerordentlichen Schülern, ist es schwierig, auf die Mindestanzahl zu kommen.“ Die Wintersportwoche hält Aigner nach wie vor für wichtig: „Skifahren ist österreichisches Kulturgut, die Schüler machen Bewegungserfahrungen und die Klassengemeinschaft wird bei diesen Wochen ungemein gestärkt.“

An der Landwirtschaftlichen Fachschule Unterleiten nutzen die Schülerinnen die regionalen Skigebiete Königsberg und Hochkar. Um den Wintersport leistbar zu machen, wird auf eine Übernachtung verzichtet.

Forsteralm-Geschäftsführer Manfred Großberger hält die Schulskikurse für ganz wichtig, um den Kindern und Jugendlichen Lust aufs Skifahren zu machen. Auf die Forsteralm kommen Schulen, aber auch Kindergärten aus der Umgebung, meist um einzelne, manchmal auch mehrere Wintersporttage abzuhalten. Auch für Königsberg-Geschäftsführer Herbert Zebenholzer sind die Schulskikurse zen tral. „Zum einen, weil wir damit eine Grundauslastung haben, zum anderen, weil die Kinder Skifahren gehen.“

Genutzt wird der Königsberg von den Schulen aus der Region für einzelne Skitage. Dass Schulen von weiter weg eine Woche lang zum Skikurs auf den Königsberg kommen, gibt es nicht. „Die dafür notwendige Schneesicherheit können wir leider nicht bieten“, sagt Zebenholzer.

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