Baustoffmangel: Wer ein Haus baut, muss jetzt warten. Die Baubranche boomt, doch Materialmangel, Preissteigerungen und ein Mangel an Mitarbeitern sorgen für Wartezeiten.

Von Anna Faltner. Erstellt am 28. April 2021 (05:28)
Bei den städtischen Baustellen, wie etwa bei der Generalsanierung der Sporthalle – gibt es aktuell zum Glück noch keine Engpässe oder Verzögerungen. Die Arbeiten sind planmäßig am Laufen. Foto: Magistrat
Magistrat Waidhofen an der Ybbs

Die Lust am Bauen – egal ob neu oder renovieren – ist momentan riesig. Ob es die viele Zeit im Homeoffice ist, die gezeigt hat, dass zuhause noch einiges verbessert werden könnte, die Investitionsprämie des Bundes oder das Mehr an Freizeit, über das manche durch die Kurzarbeit verfügen – es gibt mehrere Gründe, die das Bauverhalten in der Corona-Pandemie beeinflussen. Wie sich das auswirkt, haben Baumeister, Planungsbüros und Fachbetriebe der NÖN erzählt.

Der Waidhofner Baumeister und Planungsbüro-Inhaber Leopold Stockinger spürt den Boom in der Baubranche auf jeden Fall. „Es gibt schon Lieferprobleme. Die Lieferanten liefern nur mehr auf Kommission aus, Lagerware gibt es momentan gar nicht. Speziell im Holzbereich und bei den Dämmstoffen spüren wir das sehr stark“, erzählt Stockinger.

Ihm ist klar, dass er die Baustoffe für seine Baustellen früh genug bestellen muss, eine weitsichtige Planung ist das A und O. „Wir hoffen, dass es besser wird. Neben dem Baustoffmangel kämpfen wir ja auch mit dem Facharbeitermangel. Das schlägt sich zurzeit auch extrem nieder. Die Situation ist komplett komisch. Wir haben so viel Arbeit wie noch nie, aber zu wenig Baustoffe und Mitarbeiter“, sagt Stockinger.

Zwar sei sein Team aktuell gut aufgestellt, die Tür bekomme er aber nicht „eingerennt“. Man müsse Kinder auch wieder mehr für Handwerksberufe motivieren. Oder zumindest die Grundkenntnisse, die Fähigkeit „etwas selbst zu machen“, wieder stärker vermitteln.

Josef Haselsteiner, Holzbaumeister und Firmenchef von Holzbau Haselsteiner, hat ebenfalls genug zu tun. „Wir haben auf jeden Fall mehr Aufträge als sonst, aber teilweise kein Material und viel längere Lieferzeiten.“ Bei Massivholzwänden beträgt die Wartezeit mittlerweile ein halbes Jahr. Wer jetzt bestellt, kann sich schon auf Dezember einstellen. Früher konnte man dafür mit sechs bis acht Wochen rechnen. „Da kann man gar nichts machen. Man hört ja immer mehr, dass vieles ins Ausland geht. Und wir können warten. Da wäre schon die Politik gefordert, dass da was passiert“, meint Haselsteiner.

Egal mit wem er spricht, seine Branchenkollegen haben dieselben Probleme: extreme Wartezeiten und keine Mitarbeiter. „Jeder ist voll, jeder hat genug Arbeit, aber keine Leute. Die (guten) Mitarbeiter fehlen. Manche probieren es für einen Tag und dann kommen sie einfach nicht mehr“, sagt der Holzbaumeister. Neben den Firmen, die die Investitionsprämie des Bundes nutzen, sind es vor allem aber auch viele private Häuslbauer, die nun länger warten müssen oder weit höhere Kosten haben.

Eine Familie, die gerade in Hollenstein Haus baut, hat da gerade noch einmal Glück gehabt. „Wir haben im vorigen Jahr schon alles im Groben organisiert und haben die Planung und die Aufträge im März heuer schon abgeschlossen. Erst danach ging es los mit den ex tremen Verzögerungen und Kostenerhöhungen“, erzählt die junge Häuslbauerin, die ihren Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte.

Ein weiterer positiver Aspekt: Von Haus aus hat die Familie mit ihrer Baufirma bereits vereinbart, dass sie das Maximum an Eigenleistung erbringt. Daher ist hier von großen Verzögerungen keine Spur. „Wir wissen aber schon, dass die Firmen aktuell mit maximal zwei Mitarbeitern bei den Baustellen vertreten sind, weil es aktuell einfach so viele gibt. Und wir wissen von Bekannten, die jetzt kurz nach uns beginnen, dass die schon sehr lange Wartezeiten haben und alles teurer geworden ist.“

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