Ernte 2020: Nach der Trockenheit kam der Regen. Landwirte im Bezirk warten auf trockene Sonnentage, um Ernte einbringen zu können. Wald hat sich erholt.

Von Andreas Kössl, Leo Lugmayr, Hermann Knapp, Heribert Hudler und Ingrid Vogl. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:34)
Biobauer Klaus Kloimwieder aus Ybbsitz, hat bezüglich der Ernte Sorgenfalten. Das Gras sei mittlerweile schon alt, es hätte schon viel früher geerntet werden sollen, meint er. So wie die anderen Landwirte im Bezirk wartet er derzeit auf mehrere regenfreie Sonnentage in Folge. Foto: Lugmayr
Lugmayr

Zuerst war die Trockenheit und dann kam der Regen. Bis Anfang Mai schaute es für die Landwirtschaft in der Region gar nicht gut aus. Die Kulturen auf den Feldern drohten zu verdorren, mittlerweile könnte man eine längere Schönwetterperiode wieder gut gebrauchen, um die Ernte einbringen zu können.

Im Kammerbezirk Waidhofen sind 90 Prozent der Landwirte Grünlandbauern. „Viele davon haben den ersten Schnitt noch nicht gemacht und jene, die den ersten Schnitt bereits gemacht haben, warten nun ebenso darauf, dass es längere Zeit trocken bleibt, um den zweiten Schnitt machen zu können“, schildert der Waidhofner Bauernkammerobmann Mario Wührer die Situation.

„Das Gras ist derzeit schon alt, es hätte schon viel früher geerntet werden sollen.“Der Ybbsitzer Biobauer Klaus Kloimwieder ist in Sorge

Ähnlich ist die Situation bei jenen zehn Prozent Landwirten im Raum Allhartsberg und Kematen, die Ackerbau betreiben. „Auch sie müssen mit der Getreideernte das Wetter abwarten. Dafür muss es schon ein paar Tage trocken sein“, sagt Wührer.

Insgesamt müsse man mit der Situation aber zufrieden sein, meint der Bauernkammerobmann. „Der Regen nach der Trockenphase war schon Goldes wert. Nicht zuletzt für den Wald. Da hat er dem Borkenkäfer wehgetan.“

Sorgen bezüglich der Ernte hat Biobauer Klaus Kloimwieder vom Hof „Neuhaus“ in Ybbsitz. „Das Gras ist derzeit schon alt, es hätte schon viel früher geerntet werden sollen“, sagt er. Da auf Kloimwieders Biobauernhof Gras nicht als Silage eingebracht wird, sondern nur als Heu, ist man beim Heuen auf mehrere regenfreie Sonnentage in Folge angewiesen. „Da muss man heuer sehr schnell reagieren, um das zu schaffen“, sagt Kloimwieder.

In der Region Biberbach, Seitenstetten und St. Peter/Au wird für heuer eine gute Gerstenernte erwartet. Auch der Weizen wachse ebenso wie Mais und Soja gut, sagt Amstettens Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner, hält aber fest: „Das ist aber regional verschieden. In Gebieten mit mehr Schotter konnten die Böden das Wasser nicht so gut aufnehmen und dadurch zeigt sich die Kornentwicklung dort nicht so gut wie bei uns.“

Engerlingplage ist bislang ausgeblieben

Erfreulich ist für Aigner, dass durch die feuchte Witterung die Engerlingplage bislang ausgeblieben ist. Da will der Kammerobmann aber den Tag nicht vor dem Abend loben. „Denn wenn es im Juli sehr trocken ist, dann kann das noch kommen.“

Auch Biobauer Franz Reikersdorfer aus Neuhofen ist im Hinblick auf die heurige Ernte zuversichtlich. „Wir haben zwar nicht mehr so viel Getreide, weil wir für unsere 24 Milchkühe mehr Grünfutter brauchen, aber Dinkel zum Brotbacken bauen wir noch an. Im Frühjahr hat ihm zwar vor dem Ährenschieben das Getreidehähnchen etwas zugesetzt, aber in der Blüte hat er sich gut entwickelt.“

Als Ortsbauernrat-Obmann ist Reikersdorfer immer im Gespräch mit seinen Kollegen. Diese berichten, dass die Wintergerste durch den Hagel vor ein paar Wochen schwächer ist und daher die Ernte nicht so gut ausfallen dürfte. Erholt habe sich dafür das Grünland. „Wir sind glücklich, dass wir endlich wieder genug Gras für unsere Rinder haben“, sagt Reikersdorfer. „Jetzt bräuchten wir Schönwetter, um das Heu einzubringen. Aber wir sind ja in einem Schaltjahr und da sagt man, dass es immer ein wenig nässer ist.“

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