Vier-Tage-Woche: „Die Frage ist nur, wann sie kommt“

Erstellt am 19. Juli 2022 | 20:01
Lesezeit: 4 Min
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Foto: shutterstock.com/BongkarnGraphic
Eine Vier-Tage-Woche könnte Problemen am Arbeitsmarkt entgegenwirken, es gibt jedoch noch einige Fragen zu klären.
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In den letzten Wochen und Monaten ist immer häufiger von Personalengpässen in vielen Wirtschaftssparten zu lesen, gleichzeitig werden die Forderungen nach flexibleren Arbeitsbedingungen immer lauter. Als eine Möglichkeit, auf diese Veränderung des Arbeitsmarktes zu reagieren, wird oft eine andere Verteilung der Arbeitszeit ins Spiel gebracht. Hierzu gibt es viele verschiedene Ansätze, einer davon ist die derzeit häufig thematisierte Vier-Tage-Woche.

Die Arbeitnehmerseite verweist hier auf einige Vorteile. „Das ist ein Riesenthema, nicht nur bei uns. Wenn man gute Mitarbeiter und Fachkräfte finden will, dann muss man sich damit befassen“, erklärt etwa Gerald Einfalt, Vorsitzender Zentralbetriebsrat von Mondi Neusiedler.

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Betriebsrat Gerald Einfalt spricht von einem Riesenthema.
 
Foto: Foto: privat

Eine Vier-Tage-Woche helfe dank der Attraktivität gegen den Personalmangel, der an vielen Unternehmen herrscht.

Josef Steinböck, Arbeiterbetriebsrat der DOKA Group, kann dem Modell ebenfalls viel abgewinnen. „Grundsätzlich wäre das natürlich gut, wir sind betrieblich auch dabei, über diese Dinge nachzudenken. Die Frage ist, ob eine Vier-Tage-Woche mit echter Arbeitszeitverkürzung einhergeht oder die Stunden einfach auf vier Tage aufgeteilt werden. Da gibt es natürlich Unterschiede in der Bewertung seitens der Arbeitgeber“, argumentiert er.

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Betriebsrat Josef Steinböck sieht ebenfalls viele Vorteile.
 
Foto: Foto: privat

Auch Steinböck sieht als Vorteil einer Vier-Tage-Woche für die Arbeitgeberseite höhere Chancen, gute Mitarbeiter zu finden: „Facharbeiter und Arbeitskräfte werden gehandelt wie Gold. Jeder braucht wen, da helfen auch natürlich bessere Arbeitsbedingungen mit. Speziell für junge Menschen, die mehr Wert auf Work-Life-Balance legen. Ich denke, eine Vier-Tage-Woche wird unausweichlich sein, die Frage ist nur, wann sie kommt.“

Anpassungsspielraum für Unternehmen entscheidend

Friedrich Riess, Geschäftsführer von Riess Kelomat GmbH mit Sitz in Ybbsitz, meint zur Vier-Tage-Woche: „Das ist ein heikles Thema, da die Forderungen teilweise gegen gültiges Arbeitsrecht gehen. Bevor man solche Themen politisch aufgreift, müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Als einen wesentlichen Kritikpunkt bringt er vor, dass im politischen Diskurs die Realitäten der betroffenen Unternehmen nicht mitbedacht würden. „Was hier fehlt, ist die grundsätzliche Frage, wie sich das von den Rahmenbedingungen her so lösen lässt, dass es wirtschaftlich bleibt, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden sind“, meint Riess. Voraussetzung um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden, sei mehr individueller Anpassungsspielraum für unterschiedliche Branchen und Unternehmen.

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Friedrich Riess meint, dass einige grundsätzliche Fragen noch geklärt werden müssen.
Foto: Foto: Riess & Kelomat GmbH

„Man kann das nicht alles über einen Kamm scheren! Wenn so etwas angedacht wird, müsste es für jede Branche oder auch jedes Unternehmen freigegeben werden, wie man das regeln kann“, sagt Riess. „Es wird aber über die Köpfe der Menschen und das, was sie wollen, hinweg entschieden.“ Im Falle, dass eine Vier-Tage-Woche zu Mehrkosten für das Unternehmen führen würde, müsste auch geklärt werden, wer diese Kosten tragen soll, wie Riess meint: „Die Kunden müssten dann auch bereit sein, diese Kosten mitzutragen, und nicht etwa auf Produkte aus Billiglohnländern zurückgreifen.“

Martina Steinbacher, Prokuristin von Steinbacher Energie GmbH, sieht ein Hauptproblem der Vier-Tage-Woche nach derzeitigem Stand in einer unfairen Verteilung der Arbeit, die daraus resultieren könnte: „Ich denke, dass die Vier-Tage-Woche unter den gegebenen Voraussetzungen in Großbetrieben durch Schichtbetrieb lösbar sein und dann auch Vorteile für das Unternehmen bringen könnte, im Klein- und Mittelbereich wäre das aber nur bei bestimmten Produktionsschritten möglich, was wiederum unfair gegenüber den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wäre.“

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