Die Hoffnung hängt am Gastgarten. Am 15. Mai dürfen die Wirtshäuser und Cafés wieder öffnen. Die kleineren Betriebe der Region weichen zumeist auf den Gastgarten aus.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 13. Mai 2020 (04:36)
Natascha und Christian Kamleitner vom „Café am Platz“ in Ybbsitz liefern täglich frischgekochte Tagesmenüs – bei Bedarf auch vegetarisch. Dennoch gehe ihnen durch die Schließung viel Umsatz verloren.
Lugmayr

Gastgarten, Schanigarten, Laube, Hof – je nach Lokaltyp hatten viele Gastronomen auch schon bisher ihren Ausweichraum, wenn es im Gastzimmer zu eng, zu heiß oder die Gästeanzahl zu groß wird. Nun könnte gerade die Ausweichmöglichkeit für Gas tronomen zum Schlüssel für einen sinnvollen Weiterbetrieb werden. Wenn am 15. Mai die Gastronomie wieder aufsperren darf, dann müssen Mindestabstände und Maximalbesetzungen in den Lokalitäten eingehalten werden.

Bei den Gastronomie-Platzhirschen der Region ist mehr Platz meist kein Problem – die NÖN berichtete –, aber wie gehen die kleineren Wirte im Ybbstal mit den Auflagen um? Der Waidhofner „Punti-Wirt“ in der Ybbsitzerstraße, Christian Schwarz, war einer der ersten, der bei Beginn der Coronamaßnahmen die Wirtshaustüren schloss.

„Wir haben schon am Freitag vor Sperrung dichtgemacht, weil für uns ein Betrieb mit zwölf Gästen im Gastzimmer nicht sinnvoll ist, noch dazu, wenn der Schankbereich wegfällt“, sagt Schwarz. Seine Stammgäste lässt der Wirt seither aber nicht im Stich. Rund 50 Portionen kocht er zu Mittag. Diese werden abgeholt oder der Wirt stellt sie Risikopersonen und Über-65-Jährigen persönlich zu. Wie es weitergeht, wagt er nicht zu mutmaßen. „Mal sehen, wer am 15. Mai kommt“, sagt Schwarz. „Für uns stellt sich die Frage, ob wir etwa im Gast- und Extrazimmer Plexiglaswände einziehen dürfen.“

Seine Hoffnung liegt aber im Gartenbereich. Wenn nun die Gastgartensaison beginnt, dann kann er seine Tische vor dem Haus weiter auseinanderrücken als sonst. „Jetzt dürfte ich 16 Gäste in den Gastgarten setzen. Wenn mehr kommen, weiß ich nicht, wie ich diese Leute abweisen soll. Wir haben eine gute Frequenz, aber die meisten kommen halt irgendwann vorbei, schauen, wer da ist, trinken eins oder bleiben stundenlang sitzen, wenn es passt“, sagt der „Punti-Wirt“. Wesentliche Motivation, zum Wirt zu gehen, sei die Kommunikation, Essen sei weder Hauptgrund noch Hauptgeschäft.

„Das Bargeschäft geht uns ab“

Ähnlich ist die Situation im Café am Platz bei Christian und Natascha Kamleitner in Ybbsitz. „Wir haben sofort begonnen, Essen mit Zustellung anzubieten“, sagt der Wirt. Es werde sehr gut angenommen, auch wenn man das Menü auf ein Gericht pro Tag beschränkt. Dieses gibt es aber sowohl mit als auch ohne Fleisch. „Da lassen wir auf Wunsch bei Gnocchi in Paprikasoße die Schinkenstreifen weg, und die Nudelpfanne gibt es mit und ohne Hühnerfleisch“, erklärt die Wirtin.

Das Menü steht auf Facebook, vorbestellt wird über WhatsApp. Das gefalle Stammkunden genauso wie sporadischen Bestellern. Allein das große Geschäft sei damit nicht zu machen. „Den Umsatz machen erst Getränke, der Kaffee nach dem Essen und Eis“, sagt Natascha Kamleitner. „Und das Bargeschäft am Abend und zwischendurch geht uns ab.“ Auch die Kamleitners wollen ab dem Wochenende den Gastgarten ausweiten und Tische auseinanderrücken.

„Warum wird für große Handelsketten gratis Werbung gemacht und uns lässt man komplett alleine?“Sigrid Hartner vom Waidhofner Stadtcafé Hartner

Die für ihr Gulasch weithin bekannte Wirtin Ursula Prosini betreibt in St. Georgen/Reith mit ihrer Familie ein typisches Landgasthaus. Wenn sie am Freitag öffnet, wird sie im Gastzimmer einzelne Tische sperren und ebenfalls den Gastgarten besser nützen. In den Ybbstal-Radweg legt sie ihre ganze Hoffnung. „Wir hoffen, dass der Inlandurlaub anspringt und Ausflugsziele wie das Mendlingtal für Radler noch attraktiver werden.“ Die vorläufig frühere Sperrstunde von 23 Uhr stört sie weniger. „Wir erwarten jetzt im Sommer mehr Tages- und Mittagsgeschäft“, sagt Prosini.

Verärgert über die lange Sperrzeit äußert sich Sigrid Hartner vom Waidhofner Stadtcafé am Oberen Stadtplatz. „Wir warten in den Startlöchern. Ich habe vor einigen Tagen mit Elisabeth Köstinger persönlich telefoniert“, sagt sie. Die Ministerin habe sie angerufen, nachdem Hartner ihrem Ärger in einem Brief Luft gemacht habe. „Ich habe ihr und der Wirtschaftskammer geschrieben, dass ich mich völlig alleingelassen und perspektiven los fühle“, sagt die Waidhofner Unternehmerin. „Warum wird für große Handelsketten gratis Werbung gemacht und uns lassen sie allein?“ #

Dass der Konditorwarenverkauf erst am Tag nach Ostern und nicht drei Tage davor erlaubt worden war und jetzt das Kaffeehaus erst am 15. Mai und nicht zum Muttertag aufsperren durfte, ärgert sie. Hartner: „Das hat uns zwei attraktive Termine verwehrt, die zu den besten im Jahr gehören.“ Es ärgert die Unternehmerin auch, dass noch immer nicht feststeht, wie viele Leute in einen Raum eingelassen werden dürfen. „Wie viel Platz bekomme ich am Stadtplatz für meine Tische? Darf ich Plexiglastrennungen verwenden?“, auf diese Fragen will sie nicht erst am Donnerstagabend Antworten.

Wie es wirklich weitergeht, wenn am Wochenende die Gas tronomie wieder aufsperren darf, wagt nicht wirklich jemand zu prognostizieren. Aber in einem stimmen alle Gastronomen überein: „Wir freuen uns auf unsere Gäste und auf die Stammgäste ganz besonders!“

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